Ride Weather Diaries

Facebook Twitter Google+ Whatsapp Email
von

Als 2014 die Kunde vom Comeback der Band die Runde machte, fühlten sich die Kollegen vom „NME“ sogleich bemüßigt, eine Liste mit Gründen zusammenzustellen, war­um die Rückkehr von Ride uns alle in Erregung versetzen sollte. Dabei wurde sogar die These aufgestellt, dass wir dem Vierer aus Oxford Oasis verdanken. Der Erfolg des Debüts gab Creation erst den finan­ziellen Rückhalt, der die Blütezeit des Labels ermöglichte.

So oder so haben Ride ihren Platz in der Musikgeschichte sicher. Anfang der 90er-Jahre kreierten sie eine endlos wabernde Gitarren-Wall-of-Sound, die zum Synonym für Shoegaze wurde. Unter der rauen Oberfläche schlummerten stets meisterhafte Harmonien. Die Krönung von Ride? Fand nie statt.

Zirpen wie bei den Killers

Aber nun! Vom ersten Ton auf „Weather Diaries“ an merkt man den zwischenzeitlich zerstrittenen Sängern und Gitarristen Mark Gardener und Andy Bell sowie Drummer Loz Colbert und Bassist Steve Queralt an, dass der schnöde Mammon nicht als Motivation hinter der Reunion steckt. Ride wollen sich nicht von den Nachfahren und Dream­poppern dieser Welt den Schneid abkaufen lassen und es stattdessen noch einmal wissen. „Charm Assault“ hält genau, was der Titel verspricht. Voll auf die Zwölf: Der designierte Britpop-Klassiker mit Verspätung avanciert zu einem ähnlichen Geniestreich wie einst „Twisterella“. Während nämlich der alte Weggefährte Alan Moulder „Weather Diaries“ mixte, sorgt Erol Alkan (Mystery Jets) dafür, dass hier alle benötigten Zutaten nicht nur auf den Tisch kommen, sondern auch entsprechend portioniert werden und in einem jetzt viel größeren Topf ihren Platz finden. Die Gitarren dürften ab sofort auch mal klingeln, und da Alkan als Spezialist für elektronische Sperenzchen gilt, zirpt es ab und an wie bei den Killers.

Da habt ihr’s, Kollegen: Plötzlich genießen Ride einen Superstar­status, den sie in ihrem ersten Leben nie innehatten. Und das zu einem Zeitpunkt, da von Mark Gardeners wallender Haarpracht nichts mehr übrig ist. (Wichita/PIAS)

https://www.youtube.com/watch?v=nW_lRP2RqX8
„Westworld“-Schlusskritik: Tschüss, bin wohl zu blöd für die Serie

Sechs Folgen der zweiten Staffel von „Westworld“ sind um, 16 sind seit 2016 angelaufen, und noch immer wird die Serie mit „Lost“ verglichen. „Lost“ hat einst über Jahre fasziniert. Weil es viele Rätsel aufwarf, und die Rätsel von Folge zu Folge mehr wurden, und alle wollte man lösen. Der Vergleich beider Formate scheint mir nicht passend. „Lost“ bot eine klare Situation. Man wusste ziemlich schnell, was man nicht weiß. Bei „Westworld“ aber weiß man nicht, was man nicht weiß. „Lost“ war die Insel, auf der verschiedene Leute gestrandet sind, die sich erstmal nicht mögen. Warum gerade diese Leute? Was ist…
Weiterlesen
Zur Startseite