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Robert Ellis Robert Ellis

New West/PIAS

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Es beginnt mit der Hoffnung am Hotdogstand. „Perfect Strangers“, die sich treffen und vielleicht fürein­ander bestimmt sind. Zwei Strophen später sind fünf Jahre vergangen, und Robert Ellis wünscht sich, er hätte sich nie verliebt. Ein glückliches Album ist sein viertes nicht geworden. Dass es nur „Robert Ellis“ heißt, soll wohl auf einen Neuanfang hinweisen, aber die Lieder führen weiter, was der heute 27-Jährige mit „The Lights From The Chemical Plant“ (2014) schon fast perfektioniert hatte: In schwelgerischen Country-Folk-Rock-Songs breitet er sein Leben vor uns aus, all sein Scheitern und seine Verzweiflung, ohne je peinlich zu werden oder selbstmitleidig. Er sagt einfach, wie es ist.

Ein paar Freunde haben Ellis bei diesem kleinen Wunderwerk geholfen: „How I Love You“ stammt von Matthew Vasquez (Delta Spirit), bei zwei anderen Stücken hat Jonny Fritz mitgeschrieben, ebenso ­Kelly Doyle. Aber es ist doch ganz Ellis’ Album, er hat es in Houston/Texas selbst produziert, und es ist seine Akustikgitarre, die den weichen Sound bestimmt, obwohl die Steel-Gitarren, Keyboards und Streicher auch genau richtig eingesetzt sind. Sie überstrahlen Ellis nie.

„Maybe I’ll move to California/ With the unbroken part of my heart I still have left/ Maybe I’ll fall in love again someday/ I’m not gonna hold my breath“, singt er zu einer tröstlichen Melodie, die seine Resignation Lügen straft. Die melancholische Stimme kann jedes Herz brechen, das nicht schon so zerstört ist wie das von „Amanda Jane“, die sich immer von Männern retten lassen will, aber keinen richtig an sich heranlässt, um sich dann zu wundern, wieso ihr niemand helfen kann. Der Chorus verfolgt einen tagelang – wie auch der von „Drivin’“. Solch fantastischen Softrock gab es seit den 70er-Jahren nicht mehr, und er beschreibt die härtesten Szenen einer Ehe: Wie lange kann sich ein Mann in Café und Supermarkt herumdrücken, wenn er nicht nach Hause will? Warum kann sie nicht schon mal schlafen gehen, während er noch fernsieht? Worüber reden, wenn alles gesagt ist?

Es ist natürlich ein Scheidungsalbum, das kann sich schon nach zwei, drei Songs jeder denken. Ellis beschreibt den „Elephant“ der drohenden Trennung, der im Raum steht, bei „You’re Not The One“ hängen die Geigen nicht im Himmel, und es ist nur konsequent, dass das Album nach der romantischen Fantasie „Couples Skate“ mit einer weiteren Selbstanklage endet, „It’s Not Ok“. Robert Ellis macht es sich nicht leicht, uns aber schon: Er hat Schmerzen in Schönheit verwandelt – das Beste, was Kunst erreichen kann.

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