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Serpil Turhan Rudolf Thome – Überall Blumen


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Die Blumen, überhaupt die Natur hat es Rudolf Thome angetan. Das, was man so „die kleinen Dinge“ nennt: Wir sehen den Regisseur von „Rote Sonne“ und „Berlin Chamissoplatz“ in diesem Film viel im Garten arbeiten, auf seinem Hof außerhalb Berlins, der alles andere ist als eine von diesen Datschen für hippe Mitte-Berliner; wir sehen ihn vor dem Rasier spiegel, sehen, wie er gemeinsam mit seinem Sohn einen Tümpel in seinem Garten reinigt und wie er den Dreck vor dem Hofeingang fegt. Wenn man ihm zusieht, kommen einem zenbuddhistische Meister in den Sinn.

In der Beschäftigung mit den kleinen Dingen wird vieles Weitere sichtbar: die Genauigkeit, mit der Thome alles tut, was er tut; das Hirn dieses Regisseurs, das nie ausgeschaltet zu sein scheint, sondern immer die Situation, in der der Mann sich gerade befindet, mitreflektiert, beurteilt, korrigiert. So kann man in „Überall Blumen“ einem Filmemacher quasi bei der Arbeit zuschauen, einem Drehbuch beim Entstehen. Das Problem ist nur, dass Thome offenbar keine Filme mehr machen kann, weil ihm nach etwa 50 Berufsjahren und 28 Spielfilmen und vielen Erfolgen trotzdem keiner mehr Geld geben will für ein neues Projekt, weil dieser gar nicht mal sperrige, aber eigenwillige Autorenfilmer nicht mehr in eine immer stromlinienförmigere deutsche Filmlandschaft passt, in der allenfalls jüngeren Frauen noch Mut gestattet wird.

Auch Serpil Turhan hat Mut. Der Filmemacherin ist mit „Überall Blumen“ viel mehr geglückt als ein austauschbares Porträt eines Regisseurs. Turhan hat als Schauspielerin angefangen, in den besten Filmen von Thomas Arslan Hauptrollen gespielt und in sechs Filmen Thomes, mit dem sie auch seine Filme vorbereitet. Diese Nähe zahlt sich aus. Das Ergebnis ist ein warmherziger, trotzdem nie sentimentaler, oft einfach schöner Dokumentarfilm. Die Fans können sich über gute Thome-Zitate und ein paar lustige Momente freuen. Alle anderen werden einen sympathischen Kauz kennenlernen und übers Älterwerden nachdenken.


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