Siri Hustvedt Der Sommer ohne Männer 



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Man täte diesem Buch Unrecht, brandmark­te man es – wie leider oft geschehen – als „Frauenbuch“. Welche Leserschaft möchte man eigentlich mit diesem albernen Etikett gewinnen oder gar ausgrenzen? „Es gibt Tragödien und Komödien, nicht wahr?“, heißt es an einer Stelle in Siri Hustvedts herrlich beschwing­tem Roman „Der Sommer ohne Männer“. „Und sie sind nicht selten eher gleich als verschieden, so ziemlich wie Männer und Frauen, wenn Sie mich fragen. Eine Komödie steht und fällt damit, dass man die Geschichte genau im richtigen Augenblick beendet.“

Um nichts anderes geht es: Hustvedt hat eine Komödie über das ewige Thema des Verlassenwerdens geschrieben. Beziehungsgeflechte werden gespannt,­ festgezurrt und wieder gelöst. Die Romanfigur Mia, Mitte 50, wird nach 30 Jahren Ehe verlassen. Natürlich we­gen einer Schöneren, Jüngeren. Die hypersensible Autorin schickt ihre Heldin nur für gut eine Woche in die Klapse, um die akute psychotische Störung behandeln zu lassen. Trost findet die New Yorkerin in der Provinz, bei der Mutter, als Lehrerin eines Lyrik-Seminars. Alles wird gut, so viel sei verraten. Aber selbst das Happy End macht aus diesem zarten, blitzgescheiten Roman noch lange kein „Frauenbuch“. 

(Rowohlt, 19,95 Euro)  


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