Sleaford Mods
„The Demise Of Planet X“ – Kalte Wut
Rough Trade/Beggars (16.1.)
Ein weiterer Fucking Rant auf den Weltuntergang – mit tollen Gästen.
„It’s real, you’re fucking fake shit/Like, fucking all the time/ I smack my head in a smelly bed/ And I cry like a fucking child/ My fucking head’s gone, fuck it/ Fucking bastard, see/ Like everybody else alive, I think there’s only this pain in me.“ Kalte Wut, heiß serviert, vorgetragen von einer der (nicht nur im übertragenen Sinne) größten Schauspielerinnen aller Zeiten, Gwendoline Christie, bekannt aus „Game Of Thrones“ oder „Addams Family“. Auf dem neuen Sleaford-Mods-Album schimpft also nicht nur Jason Williamson.
Das alles ist traurig, aber wahr
Andrew Fearn und er haben mal wieder Gast-Flucher:innen dazugebeten, von der irren, korrupten, im Konsum versinkenden Welt enttäuschte, leidenschaftliche Seelen, die das Heucheln, den Trumpismus und den Machismus genauso satt haben wie er. Neben Christie, die sich in „The Good Life“ den Dreck von der Seele schreit, während daneben das Birmingham-Duo Big Special mit rollenden Augen, aber harmonisch „I can see a phantom“ croont, sind das zum Beispiel Liam Bailey, dessen Partizipation bei „Flood The Zone“ fast so etwas wie Sleaford-Mods-(Northern-)Soul entstehen lässt, inklusive reggaeartigen Beats und kleinen, süßen Orgelmelodien. Oder der Grime-Rapper Snowy, der bei „Kill List“ mitrantet.
Der Sound dieses 13. (!) Albums ist phänomenal – und erinnert etwa beim Titelsong durch den Einsatz von schweren Keyboards, Fuzzgitarren und wunderbaren Raumklängen an britische Kollegen wie die Stranglers, wenn die plötzlich Besuch von Nitzer Ebb bekommen hätten. Oder von Fun Boy Three. Textlich bleibt Williamson beim Lamentieren über den beschissenen Zustand der Welt, des britischen Sozialstaats und das Mindset der kauf- und Social-Media-süchtigen Zombies um ihn herum. Das alles ist traurig, aber wahr. Immerhin kam dabei dieses Album heraus.
Diese Review erscheint im Rolling Stone Magazin 1/2026.