Highlight: Von genial bis gaga: Zehn Musikerzitate

Smashing Pumpkins Mellon Collie And The Infinite Sadness


Virgin / EMI 30. November 2012

Verlorene Alben um Williams Mondfahrt: Nach dem Tod von Kurt Cobain war Billy Corgan der Regierende Bürgermeister der amerikanischen Rockmusik, und binnen Monaten schrieb er mehr als 30 Songs für ein Doppelalbum, das es mit „The Wall“ aufnehmen sollte. Ein lächerliches Unterfangen, konzediert Corgan heute. Die Plattenfirma gab schließlich nach und erlaubte die megalomanischen Ausmaße – früher wäre „Mellon Collie“ sogar ein Triple-Album gewesen.

Für diesen einzigartigen Reigen wechselte die Band den Produzenten: Abgang Butch Vig, Auftritt Flood mit Alan Moulder. Tatsächlich übertreffen die Songs sogar Roger Waters’ Isolations-Parabel: Mit den Oblatenbildern wie aus alten Kinderbüchern und illustrierten Märchen, Musik aus einem Füllhorn voll Led Zeppelin, Can, Cheap Trick, Tangerine Dream,  The Cure und Pink Floyd und Texten wie ein Amalgam aus Bret Easton Ellis, Franz Kafka und Donald Duck entwarf Corgan ein Wolkenkuckucksheim. „Bullett With Butterfly Wings“, „Tonight, Tonight“, „1979“ und „Thirty-

Three“ wurden unwahrscheinliche Hits, ja Signaturen der Generation Verzagtheit. „Porcelina“, „To Forgive“, „Muzzle“ und „Galapagos“ sind mindestens ebenso fiebrig und unvergesslich. Der Junge aus Chicago wendete all sein Talent, all seinen Ehrgeiz an dieses Album: Es war die beste Zeit, und als er „Mellon Collie“ beendet hatte, war es beinahe auch mit den Smashing Pumpkins vorbei. „Adore“ war drei Jahre später der melancholische Nachklapp zu dem symphonischen Monstrum, dann gelang nichts mehr.

Das verzehrende Wunderwerk ist jetzt ein Fünffach-Album: Auf drei weiteren CDs sind Demos, Alternativ-Versionen, Skizzen und Instrumentalstücke versammelt, die belegen, dass Corgans Genie für eine lange Karriere hätte reichen müssen. Eine DVD zeigt leider zu wenig von einem Konzert in der Brixton Academy und einem Auftritt für den „Rockpalast“, 1996. Der Karton selbst ist ein wunderschönes Kunstwerk mit den Illustrationen von John Craig, einem Büchlein mit den Songtexten, Fotos, Kommentaren und Billy Corgans gekritzelten Entwürfen zu den Putten und Fabeltieren, Planeten und Allegorien und all dem zauberhaften Zeug.


ÄHNLICHE KRITIKEN

The Smashing Pumpkins :: Shiny And So Bright…

Drei Viertel der Originalbesetzung: Corgan geht zurück zu den Wurzeln

The Smashing Pumpkins :: Siamese Dream & Gish (Deluxe Edition)


ÄHNLICHE ARTIKEL

Billy Corgan hat endlich seine gestohlene „Gish“-Gitarre wieder

Der Smashing-Pumpkins-Sänger hält wieder jene Gitarre in den Händen, die ihm vor 27 Jahren nach einem Gig gestohlen wurde. Sie war prägend für den Signature-Sound der Band.

The Smashing Pumpkins: Einziges Deutschland-Konzert 2019 angekündigt

Die Smashing Pumpkins feiern das 30-jährige Bestehen ihrer Band in einer der schönsten Freiluft-Locations Deutschlands.

Billy Corgan möchte mit den Smashing Pumpkins ein Weihnachtsalbum aufnehmen

Der Sänger der Smashing Pumpkins will wohl nach der erfolgreichen Band-Wiedervereinigung etwas sanftere, sogar akustische Töne ganz im Geiste der Weihnacht anschlagen.


Schon
Tickets?

Dies ist das beste Album von Coldplay, das die Band nie veröffentlichen wird

Als „Parachutes“ im Juli 2000 erschien, waren Coldplay schon kein unbeschriebenes Blatt mehr. Die Band hatte sich zuvor mit mehreren glänzenden EPs („Safety“, „Brothers And Sisters“, „Blue Room“) einen Namen gemacht und ihre wehmütig-melancholischen Songs am großen Publikum ausgetestet. Bereits 1999 gab es einen bejubelten Auftritt beim Glastonbury. Die Folge: „Parachutes“ startete direkt durch, eroberte Platz eins der UK-Charts, gilt manchen sogar als eines der überzeugendsten Debütalben der vergangenen Jahrzehnte. Und es markierte den Anfang einer Weltkarriere, die Coldplay inzwischen in die großen Stadien der Welt geführt hat. Coldplay schreiben nun (auch) Hymnen fürs Wochenende, zum Feiern, zum Hören in…
Weiterlesen
Zur Startseite