Sonic Youth: "The Eternal" (Kritik & Stream) - Rolling Stone






Sonic Youth „The Eternal“



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Bis Mitte Mai lief in der Kunsthalle Düsseldorf die von Sonic Youth konzipierte Ausstellung „Sensational Fix“. Über 20 000 Besucher sahen dort unter anderem Vorlagen für Plattencover, frühe Konzertflyer, Fanzines, Poster, Texte der Bandmitglieder und Bandfotos von James Welling, Sofia Coppola oder Richard Kern.

Seit 28 Jahren gibt es diese Band nun schon, und dennoch klingt „The Eternal“ unfassbar frisch und neugierig. Es ist ein Independent-Album, das erste seit dem vor 21 Jahren veröffentlichten Klassiker „Daydream Nation“, dessen Cover die berühmte „Kerze“ von Gerhard Richter ziert. Auch „The Eternal“ ist durchdrungen vom Habitus zeitgenössischer Kunst, rockt, ohne dass deshalb gleich Authentizität behauptet würde.

Die zwölf Tracks beziehen sich fast immer auf andere Quellen – musikalische und außermusikalische: Kevin Ayers, The Wipers, Neu!, der New Yorker Beat-Poet Gregory Corso und die schöne Uschi Obermaier bilden einen spannenden Referenzrahmen. Die Band spielt darüber hinaus auch immer wieder mit einzelnen Phasen ihrer eigenen musikalischen Entwicklung. Nicht aus Ideenmangel, sondern weil zu vielen Themen noch längst nicht alles gesagt ist.

Nehmen wir das Kommune-1-Szenario „Anti-Orgasm“: Hier stellen Sonic Youth Verbindungen her zwischen dem Mythos der freien Liebe und Gegenpolen wie Dominanz, Unterwerfung und konfusen politischen Überzeugungen. Die Musik dazu klingt so befreiend und bisweilen atonal improvisiert wie auf den großen Alben der Band aus der zweiten Hälfte der Achtziger, wo es keinen wild röhrenden Ausbruch gab ohne die dazugehörige poetische Reflexion.

Trotzdem sind die Stücke sehr zugänglich, weil der klassische Popsong fast immer die Basis bildet, selbst bei weitergehenden Improvisationen, wie in dem über neunminütigen „Massage The History“. Geradezu mitreißend ist das von Lee Ranaldo gesungene „What We Know“, bei dem man den neuen Bassisten Mark Ibold (Ex-Pavement) besonders kraftvoll zu hören glaubt.

Das Cover stammt diesmal übrigens von einem Künstler, den man doch eher aus musikalischen Zusammenhängen kennt: John Fahey, der Großmeister des akustischen Gitarren-Pickings. (Matador/Beggars)

Jürgen Ziemer


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