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Sufjan Stevens The Ascension


Asthmatic Kitty/Cargo


von

So muss sich die Endzeit anfühlen. Falsche Propheten scharen aufgebrachte Bürger um sich, und das Land, das ein Jahrhundert lang unsere Träume und unsere Lieder produziert hat, wird von einem Reality-TV-Clown endgültig entzaubert.

Kein Wunder, dass die Dichter dunkel vom Untergang raunen – Bob Dylan dachte in einem 17-minütigen Song Amerika und die Apokalypse zusammen, und ein paar Wochen später veröffentlichte Sufjan Stevens ein 12-minütiges Klagelied mit dem Titel „America“, das mit der Ahnung einer neuen Sintflut beginnt, bis der Sänger schließlich seinen Gott anfleht: „Don’t do to me what you did to America!“ Die Zeile wird zu einem Mantra, an dem sich der Song von einem minimalistischen Ambient-Track zu einer großen Hymne hochzieht, um dann langsam auszutrudeln.

In den Indie-Folk-Songs seines letzten Soloalbums, „Carrie & Lowell“, verarbeitete Stevens 2015 die Beziehung zu seiner bipolaren und schizophrenen Mutter, die drei Jahre zuvor gestorben war, auf „The Ascension“ geht es nun um sein Verhältnis zu Gott, seinen Zugang zur Welt, die Liebe und den eigenen Tod. Nicht weniger persönliche Themen, aber während sich bei den Songs auf „Carrie & Lowell“ sofort eine Intimität einstellte, scheinen die neuen Tracks erst mal die kalte Schulter zu zeigen.

Dieses Album braucht Zeit

Die akustische Gitarre ist der Elektronik gewichen, die allerdings nur selten – etwa in „Make Me An Offer I Cannot Refuse“ – so brachial über den Zuhörer hereinbricht, wie auf Stevens’ epochalem „The Age Of Adz“ von 2010. Die Sinnkrise wird mit elegischen Melodien, ätherischen digitalen und durch allerlei Filter gejagten analogen Klängen, vertrackten Breakbeats und leichten Eighties-Synthiepop-Vibes vertont.

Es dauert ein paar Durchläufe, bis man der geheimnisvollen Magie dieses langen und komplexen Albums erliegt, bis einen die Poesie der Texte und die seltsame Melancholie der Maschinen, die bei manchen Tracks an die Flaming Lips, bei anderen an Animal Collective erinnert, packt.

Dann gehen einem diese Lieder aber ähnlich nahe wie die Seelenschau „Carrie & Lowell“


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