Supergrass The Strange Ones, 1994–2008


Supergrass galten als diejenigen Brit-Popper, die nicht erwachsen werden durften. Ein wenig waren sie auch selbst dran schuld. In ihren Videos trugen sie T-Shirts mit ihren aufgedruckten Vornamen („Alright“) und überdimensionale Micky-Maus-Handschuhe („Pumping Up Your Stereo“). Aber zur Veröffentlichung ihres Debüts, „I Should Coco“, waren Gaz Coombes, Danny Goffey und Mick Quinn auch gerade mal volljährig. Steven Spielberg wollte sie in einer TV-Serie verewigen, sah in ihnen die neuen Monkees, nahm sie als Songwriter also nicht ernst. Als sie dann selber ernst wurden, war es für Anerkennung zu spät.

Dabei können Supergrass auf die sechs Alben, die sie zwischen 1995 und 2008 veröffentlicht haben, stolz sein. Rapide ließ der Erfolg von Platte zu Platte nach, aber ihre Welt wurde tiefgründiger. Auf den frühen, fälschlicherweise dem Britpop zugeschriebenen Punkrock folgte mit dem „X‑Ray“-Album (1999) Psychedelia, „Road To Rouen“ (2005) integrierte Folk und Prog in ihr Repertoire. Das letzte Album, der furiose Glam-Rock von „Diamond Hoo Ha“, präsentierte Supergrass als eine Art Bay City Rollers auf Acid. Falls Britpop auch Retromusik bedeutete, war keiner dichter dran als sie.

Zur Live-Reunion nach elf Jahren Pause erscheint nun diese Edition mit allen Studioalben plus B-Seiten, Demos, Live-Mitschnitten, Stand-alone-Singles und Outtakes. 13 CDs, sechs LPs und ein Buch: ein sehr umfängliches und, weil Supergrass zuletzt keine Käufer mehr fanden, in dieser Opulenz unerwartetes Set. Mehr als angemessen aber, um die Bedeutsamkeit der Band für die britische Musik zu unterstreichen.

Das Boxset enthält auch eine neue Coverversion: Der Police-Song „Next To You“ fügt sich in die Reihe ihrer schnell rausgehauenen Hommagen ein, zu denen „Some Girls Are Bigger Than Others“ von den Smiths und Michael Jacksons „Beat It“ gehören. Supergrass zogen oft das Tempo an. Vielleicht ahnten sie früh, dass ihnen wenig Zeit für eine Karriere bleiben würde. (WMG)


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