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Taylor Swift 1989


Universal


von

Taylor Swifts Vorliebe, über jede ihrer gescheiterten Beziehungen einen Song zu schreiben, ist mittlerweile schon sprichwörtlich. Damit ist sie als eine Art Carly Simon 2.0 zumindest in den USA zum feministischen role model geworden. Nicht nur für konservativ erzogene Mädchen vom Lande, die sie von ihren megaerfolgreichen Country-Alben her kennen, auch das urbane „Girl“ Lena Dunham twitterte, sie hätte im College lieber Referate über Swifts Texte gehalten als über Sylvia Plath. Und nun legt auch noch die darbende Musikindustrie ihre letzte Hoffnung in die Hände der 25-Jährigen. „1989“ muss der Millionenseller werden, der die Bilanzen verbessert.

Das Album trägt das Geburtsjahr der Künstlerin im Titel und ist in der Tat eine Art Wiedergeburt in neuer Inkarnation. Im Video zur Vorab-Single, „Shake It Off“, inszenierte Swift sich nicht länger als wallemähniges Mädchen mit Gitarre, sondern als lolitahafte Schülerin in Sachen Pop, die sich gerade durch ihre Unperfektheit, ihr Nicht-Beherrschen der richtigen Tanzschritte und Moves aus der Masse heraushebt. Der Song selbst allerdings ist Pop in Perfektion: eklektisch, eingängig, mit einem leichten „Hey Ya“-Widerhall. In „Welcome To New York“ wird die Metropole zu einer Chiffre für Swifts neues musikalisches Zuhause – Pop! „Everybody here was someone else before/ And you can want who you want/ Boys and boys and girls and girls.“ Nun ist der Sprung vom Mainstream-Country (das Künstliche, das das Authentische feiert) zum Pop (das Künstliche, das das Künstliche feiert) vielleicht nicht vergleichbar mit dem Moment, in dem Bob Dylan die E-Gitarre eingestöpselt hat, doch diese Zeilen klingen trotzdem wie eine Befreiung. In „Blank Space“ erklärt Swift selbstironisch, wie man mit Lyrics-Phrasen einen Break-up-Song schreibt, und liefert am Ende den weisen Kommentar für ihre Hörerinnen gleich mit: „Boys only want love if it’s torture/ Don’t say I didn’t warn you.“ Liebeslieder gibt es auf „1989“ nicht, jede romantische Zeile wird in der nachfolgenden als Klischee entlarvt. Auch das Spiel mit (männlichen) Zuschreibungen und Blicken.

Dazu reanimiert „1989“ 80s-Synthie-Pop – mit Beats und Groove und ziemlich tollen Melodien. Natürlich greifen Swift hier die üblichen Verdächtigen – Hit-Songwriter, EDM-Produzenten, Mainstream-Rock-Typen – unter die Arme, die man auch von Lana Del Reys und Lily Allens Platten kennt, doch dieses Spiel mit dem eigenen Image, diese Meta-Pop-Erzählung vom Mädchen aus der Provinz, das sich in der großen Stadt neu erschafft, gehört ihr ganz allein.


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