Neue Podcast-Folge: „Die Streifenpolizei“ über die Favoriten der Oscar-Verleihung

The Dave Brubeck Quartet „Time Out“


Selbst für das damals führende Jazz-Label Columbia Records war 1959 ein denkwürdiges Jahr, so viele bedeutungsvolle und vor allem erfolgreiche Jazz-Alben erschienen da. 50 Jahre später beglückt uns das mittlerweile zu Sony gehörende Label mit Jubiläumseditionen der Epoche machenden Werke.

So erscheint nun etwa „Time Out“ vom Dave Brubeck Quartet, ein Album, das in den ersten Jahren der Veröffentlichung selbst das im gleichen Jahr erschienene und bereits in luxuriöser Neuauflage wieder veröffentliche „Kind Of Blue“ von Miles Davis in Verkaufszahlen übertraf. Dabei hatte Brubeck alle Regeln des Genres gebrochen, hatte auf Interpretationen von Standards verzichtet und- bedeutsamer noch- den ansonsten im Jazz gebräuchlichen 4/4-Takt über weite Strecken gemieden.

Dazu hatten ihn die vielen Welt-Musiken inspiriert, die er auf seinen Reisen im Auftrag des US-State-Department in den Nahen und Mittleren Osten kennenlernte. So traf er etwa auf den Straßen von Istanbul auf einige Straßenmusiker, die frei im 9/8-Takt improvisierten und komponierte kurz darauf „Blue Rondo A La Turk“. Weitere Großtaten dieses Albums: das wunderschöne, im Rubato gespielte „Strange Meadow Lark“ und natürlich „Take Five“, das als Single ebenso wie das Album zum Millionenseller wurde.

Kooperation

Geschrieben vom den musikalischen Experimenten seines Bandleaders in der Regel eher skeptisch gegenüberstehenden Lyriker des Altsaxofons Paul Desmond, verdankt dieser Klassiker aber -wie so viele Stücke auf „Time Out“– seinen Reiz ebenso sehr dem federnden Schlagzeug von Joe Morello. Die Jubiläumsedition von „Time Out“ enthält als Bonus unveröffentlichte Live-Aufnahmen des Quartetts aus den 60er Jahren beim Newport Folk Festival und eine DVD, auf der der alte Brubeck noch einmal von den Aufnahmen dieses Klassikers erzählt.

Auch Charles Mingus‘ im gleichen Jahr entstandenes, von Blues und Gospel durchdrungenes furioses Meisterwerk „Mingus Ah Um“ (*****) erscheint nun noch einmal in einer Neuedition. Allerdings handelt es sich hier um eine Mogelpackung, denn im Prinzip enthält diese Doppel-CD dieselben Aufnahmen, die bereits 1998 als 3-CD-Box „The Complete 1959 Columbia Recordings“ erschienen: Neben dem Album inklusive aller ungekürzten Tracks gibt es Session-Outtakes und Alternate Takes zu hören, dazu das komplette, etwas eklektische und daher oft unterschätzte Nachfolgewerk „Mingus Dynasty“, dieses allerdings- im Gegensatz zum Box-Set- ohne Bonus-Tracks.

Auf den neuen, vollkommen nichtssagenden Begleittext von Michael Cuscuna hätte man besser verzichtet und stattdessen die- wie immer bei Mingus- grandiosen Original-Liner-Notes beigelegt, die in dieser Neuedition nur als pdf-Datei abrufbar sind. (Columbia/Sony)

Maik Brüggemeyer


Des Meisters Playlist: Dies sind Karl Lagerfelds Lieblingslieder

Baptiste, Choupette und iPods – drei Dinge, auf die Karl Lagerfeld nicht verzichten konnte. Letztere sammelte der am Dienstag (19. Februar 2019) verstorbene Modeschöpfer in Mengen. Angeblich besaß er 70 iPods mit über 60.000 Songs. Als Lagerfeld der „Vogue“-Chefredakteurin Christiane Arp nach einem Interview einen seiner geliebten Apple-Player schenkte, offenbarte sich eine musikologische Schatztruhe. Bereits 2006 hatte Lagerfeld in Zusammenarbeit mit „Vogue“ ein Doppelalbum mit seinen Lieblings-Tracks herausbringen lassen. Darunter Songs von LCD Soundystem, The Pipettes oder Black Mountain. „Ich analysiere nicht, wie Musik auf mich wirkt, aber sie trägt einen und treibt einen zugleich zu Neuem an“, begründete der…
Weiterlesen
Zur Startseite