The Doors: Live In New York (Kritik & Stream) - Rolling Stone






The Doors Live In New York


Rhino (Warner)


von

Es ist ja nicht so erstaunlich, dass jeder Konzertmitschnitt der Doors veröffentlicht wird – merkwürdig ist bloß, dass die Schwemme so spät einsetzt. Vor 20 Jahren gab es „Live At The Hollywood Bowl“, eine zusammengeramschte Schallplatte mit den allerberühmtesten Songs. Auch auf das Box-Set, schließlich die neuen Editionen und den ultimativen Sammler-Kasten musste man lange warten.

Lange warten muss man auch, bis „Show 1“ auf CD 1 überhaupt beginnt – offenbar gilt das Pling-Pling vor dem Auftakt als tolle atmospärische Einstimmung. Die Doors legen dann los mit dem „Roadhouse Blues“. Im Januar 1970 war die Band fest zu dem entschlossen, was kurze Zeit vorher die Beatles beschlossen hatten und was seitdem zum Klischee-Fundus der Rockmusik gehört: Sie wollten zurück zu ihren Wurzeln, heim zum Blues, ursprünglich werden. Vor dem Hintergrund von „Morrison Hotel“ war das nicht recht einleuchtend; dass die vorzügliche Psychedelik-Platte „The Soft Machine“ auch die Musiker selbst irritiert hatte, kann man ja verstehen.Immerhin, mit „Ship Of Fools“, „Peace Frog“ und „Blue Sunday“ wurden beim ersten Konzert dieser Reihe im New Yorker Olympia einige ihrer subtileren Stücke aufgeführt. Die Tradition wurde mit „Who Do You Love“, „Back Door Man“ und „Little Red Rooster“ bedient, die eigene Geschichte war mit „Break On Through“, „Five To One“, „Light My Fire“ und dem „Alabama Song“ hinreichend repräsentiert. Die langen Improvisationen von Ray Manzarek und Robby Krieger sind ebenso nervtötend wie faszinierend, und man kann nicht behaupten, dass Jim Morrison am Rande der Selbstzerstörung balancierte. „L.A. Woman“ lag noch vor den Doors – und während der Furor von 1967 nur noch Zitat war, so war die dunklere, reifere, auch verzweifeltere Färbung ihrer Musik natürlich auch ein Nachschein der jüngsten Vergangenheit. Die Doors gehörten – nicht nur, weil sie bei Woodstock fehlten – nie zu den Hippies: Morrison war die Philanthropie von, sagen wir: Crosby, Stills & Nash so fremd, als entstammte er einer anderen Galaxie. Vielleicht war er sich im Klaren darüber, dass er selbst ausbrennen würde, die anderen aber verdämmern müssten. Und so geschah es.

Vier Auftritte sind hier auf sechs CDs konserviert. Im Verlauf der Konzerte kommen zum Stamm einige Songs hinzu: „Crawling King Snake“, „Wild Child“, „Build Me A Woman“, „Moonlight Drive“, „When The Music’s Over“, „Soul Kitchen“, „Petition The Lord With Prayer“, „Only When The Moon Comes Out“, „Close To You“, am Ende Van Morrisons „Gloria“ in einer wahrhaft dionysischen Fassung. Nicht auszudenken, wie gewaltig ein Konzert mit den Stücken von „L.A. Woman“ gewesen wäre. Aber auch so ist „Live In New York“ ein grandioses Dokument von einer der seltsamsten amerikanischen Bands – der noch immer mit Ressentiments begegnet wird.


ÄHNLICHE KRITIKEN

The Rolling Stones :: "Sticky Fingers"

Miles Davis :: Sketches Of Spain

The Clash :: London Calling (Anniversary Edition)


ÄHNLICHE ARTIKEL

Madness: The Rise & Fall / Keep Moving

Zwei melancholische Meisterwerke aus den Jahren 1982 und 1984

The BeatlesRemaster Edition

4 Sterne

R.E.M."Reckoning " (Deluxe Edition)

4,5 Sterne