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The Killers Wonderful Wonderful 



von

„I’m so much older than I can take“, sang der damals 22-jährige Brandon Flowers auf dem furiosen Debüt der Killers, „Hot Fuss“, halb kontemplativ, halb kokettierend. 13 Jahre, vier Studio-platten, diverse Paillettenapplikationen und unzählige Refrains in Übergröße später hat das Quartett aus Las Vegas mit „Wonderful Wonderful“ nicht nur seine Adoleszenz erfolgreich abgeschlossen, sondern auch das reifere Alter als Inspirationsquelle entdeckt: Mark Knopfler, Jahrgang 1949, veredelt „Have All The Songs Been Written?“ mit seiner Fender Stratocaster, das ätherische „Some Kind Of Love“ basiert auf dem Brian-Eno-Stück „An Ending (Ascent)“ von 1983, und ihr väterlicher Freund Bono hat The Killers den Produzenten Jacknife Lee (R.E.M., U2) empfohlen. Ein wertvoller Rat, wenn man mal von ein paar überflüssigen Eighties-Accessoires und dem irritierenden Vocodereinsatz in „Rut“ absieht.

Erhabene Kathedralenhymnik

„The Man“ lässt Flowers’ Egoturbulenzen aus den Anfangstagen der Band angemessen aufgekratzt Revue passieren und holt mit einem raffinierten Riff-Bezug auf „Spirit Of The Boogie“ von Kool & The Gang und unverkennbarem Bowie-„Fame“ die Plateau-schuhe hervor. Damit ist der Discokredit allerdings auch schon ausgereizt. Dass die Wortdopplung in der Popmusik traditionell für synapsen-schonende Unterhaltung steht (man denke an „Hyper Hyper“), kann der eröffnende Titeltrack samt grollender Industrial-Rhythmusgruppe und Sperrgutaufkleber nicht bestätigen – Flowers klingt in den Strophen, als sänge er aus einem vakuumierten Gefrierbeutel heraus. Aber im Refrain: erhabene Kathedralenhymnik.

Vor allem der rasanten Single „Run For Cover“, „Tyson vs. Douglas“ (ihrem besten Song seit „Mr. Brightside“!) und dem zusammen mit Hit-Akkordarbeiter Ryan Tedder ausgeheckten „Life To Come“ ist zu verdanken, dass The Killers nach der Polyethylen-Jukebox „Day & Age“ und dem konzeptarmen „Battle Born“ auf „Wonderful Wonderful“ zu ihren Kernkompetenzen zurückfinden. Und auch das darf ruhig zweimal gesagt werden. (Universal)


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