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The Who My Generation



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Mit den High Numbers hatten die Herren Lambert und Stamp eine vielversprechende Nachwuchsband für ihren im Nouvelle-Vague-Stil geplanten Film über die Londoner Subkulturszene gefunden. Den Amerikaner Shel Talmy wählten sie als potenziellen Hit-Produzenten aus. Als das in The Who umbenannte Quartett am selben Dezembertag des Jahres 1965 wie die Beatles „Rubber Soul“ ihre Debüt-LP vorlegte und damit umgehend Platz fünf der englischen Hitparade erreichte, war das eine ausgesprochen schwere Geburt gewesen.

Anders als die Beatles zuvor benötigten die Who viele Monate für die Aufnahmen zu ihrer ersten LP. Im Lauf von Jahrzehnten veröffentlichte Pete Townshend immer weitere Outtakes aus den Anfängen – 2002 in der Deluxe-Edition von „My Gene­ration“ 16, für die definitive Boxset-Version jetzt 44, darunter Alternativ-Takes, mehrere Songs in ungekürzten Stereo-Mixes und fabelhafte Raritäten wie die bluesige Langfassung von „I’m A Man“ – mit der jazzigen Instrumental-Coda die ungleich hochkarätigere Interpretation als das für die LP verwendete Take.

Elf Demos aus dem Privatarchiv

Eine Rarität ist unter den Mono-­Mixes der dritten CD auch die Version des Bo-Diddley-Songs mit anderer Gesangsspur. Die meisten liegen schon länger veröffentlicht vor, auch das Album im ursprünglichen Mono-Mix wurde hier unverändert übernommen.

Ein Trauerspiel sind die von Bob Pridden und Richard Whittaker für diese luxuriös ausgestattete Box neu erstellten Stereo-Mixes auf der zweiten CD. Die klingen im Vergleich zu den 2002 von Shel Talmy angefertigten Remixes so matt und grottig, dass man sich fragt, wer die für diese akustische Komplett­dokumentation der ersten Jahre freigab. Wie schwer aller Anfang war, hört man bei den elf Demos aus dem Privatarchiv von ­Towns­hend auf CD 5, daheim aufgenommen und alle schon typisch für seine über „Maximum Rhythm’n’Blues“ hinausgehenden Ambitionen. Das amüsante „The Girls I Could’ve Had“ und das alles andere als üble „My Own ­Love“ schafften es nie auf ein Who-Album. (Polydor)


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