Three Billboards Outside Of Ebbing, Missouri John Wayne in Weiblich

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Viele Monate ist es her, dass die Tochter von Mildred Hayes vergewaltigt, getötet und verbrannt wurde. Doch der Mörder wurde nicht ermittelt. Mildred ist so wütend darüber, dass sie zu einer aufsehenerregenden Maßnahme greift: Sie mietet drei alte Reklametafeln an der Einfahrt ihrer Heimatstadt Ebbing/Missouri und lässt sie mit provokanten Sätzen plakatieren, die unzweifelhaft als Kritik an den lokalen Polizeichef William Wil­loughby (Woody Harrelson) gerichtet sind. Mildreds Trauer ist bodenlos, ihr Zorn nicht zu besänftigen, und ­ihre Mission heißt, Recht zu fordern, selbst wenn sie sich dabei ins Unrecht setzen sollte. Bei ihren Mitbürgern stößt Mildreds Radikalität weitgehend auf Unverständnis. Als sich auch noch Willoughbys rechte Hand, der Polizist Dixon (Sam Rockwell), ein Muttersöhnchen mit Hang zur Gewalt, einmischt, eskaliert der Konflikt zwischen Mildred ­Hayes und den Ordnungshütern des Städtchens.

„Three Billboards …“ ist der dritte Film von Martin McDonagh, seines Zeichens irischer Bühnenautor, Drehbuchautor und Regisseur, der durch den Thriller „Brügge sehen … und sterben?“ (2008) und die Krimikomödie „7 Psychos“ (2012) bekannt wurde. Zum ersten Mal schrieb er ein Drehbuch mit einer weiblichen Hauptdarstellerin. Mildred Hayes ist seine bisher wohl gnadenloseste Figur: ­eine trauernde Mutter ohne ­jede Skrupel, die alle und jeden her­ausfordert. Diese Rolle ist ganz auf Frances McDormand zugeschnitten. Ihre Mildred ist kein sympathischer Mensch. Dennoch versteht man diese Frau, und mehr noch, man kann sich einfach nicht an ihr sattsehen. Die Oscargewinnerin macht die Inhaberin eines kleinen Souvenirladens zu einer abgebrühten, sturen, knallharten Frau aus der Arbeiterklasse, impliziert dabei jedoch auch ein komplexes, allerdings nie ausformuliertes Innenleben. Mildred ist ein Mensch, der durch überwältigenden Kummer an einen Ort ohne Wiederkehr verschlagen wurde, an dem er für andere kaum noch zu erreichen ist. Sie steckt voller heiligem Furor, aber auch voller Schmerz und hat keinen Zugang zu ihrer Verletzlichkeit. Ihren Arbeitsoverall trägt sie täglich wie eine Uniform, denn sie hat keine Zeit, um über ihre Kleidung nachzudenken – schließlich befindet sie sich quasi im Krieg. Außerdem wird sie davon gequält, dass sie während eines Streits ihrer Tochter just am Tag ihrer Ermordung das Schlimmste wünschte. Damit kann Mildred nicht leben. Sie ist ein komplizierter Mensch.

Antiheldin wie aus einer griechischen Tragödie

Im Lauf ihrer 36-jährigen Karriere hat McDormand immer wieder Frauen gespielt, die anziehend wirken, ohne recht eigentlich schön zu sein. Und sie hat oft Figuren am Rand verkörpert, die indes durch ­ihre große Darstellungskunst ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken. Mildred Hayes ist nun alles auf einmal: eine Figur am Rand der Gesellschaft, die zugleich im Mittelpunkt steht, und eine Antiheldin wie aus einer antiken Tragödie. McDormands Mildred knüpft an eine Tradition an, die lange Männern vorbehalten war: die Rolle des einsamen Helden, der einer ganzen Stadt die Stirn bietet, bis hin zum Showdown.

Doch die Geschichte weist weit über eine Westernerzählung und die Geschlechterfrage hinaus. Denn im Kern handelt der Film vom Krieg zwischen zwei Menschen, die beide in gewisser Weise im Recht sind. Wäre nicht diese Gegnerschaft in einer fatalen Pattsituation, Mildred und Willoughby hätten vielleicht Freunde sein können. Aus diesem Grundkonflikt entwickeln sich Drama und Spannung in einer Tragödie über das Menschsein an sich. McDonaghs Handlungswendungen und Dialoge sind aberwitzig, unnötige Redeabschweifungen leisten ihren humorigen Beitrag zur emotionalen Entlastung. Doch Mildreds Situation ist so abgrundtief tragisch, dass für Komik eigentlich kein Raum bleibt, und so trennt der Regisseur beides. Diese permanente Gratwanderung führt jedoch nie dazu, dass die Komödie die Oberhand über die Geschichte gewinnt. Denn die ist gewiss nicht zum Lachen.

Von Anke Westphal

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