Valerie June Pushin‘ Against A Stone


PIAS


von

Musik hat sie bereits mit der Muttermilch … Oder: Schon immer liebte sie das Knistern alter Platten … Strg C, Strg V … Halbwegs belastbare Authentizitäts-Plattitüden dieser Art sind Gold wert. Mit viel Retro-Hype geht jetzt auch Valerie June in die sichtbare Karriere. Aber keine Angst, in den Charts wird die Anfang-Dreißigerin wohl kaum je die dicke Lippe machen wie Lana Del Rey. Diese Songs sind nicht massenkompatibel. Ihre Blues/Countryfolk-Sozialisierung im 8.000-Seelen-Ort Humboldt in Tennessee, nur wenige Autostunden von Memphis und Nashville entfernt, hat die Frau mit den Medusa-Dreads immun gemacht gegen Ranschmeißerei. Und ihre Zeit als Sängerin auf der Straße.

Unter der Regie von Dan Auerbach (The Black Keys) brachte sie jedenfalls elf Lieder ohne jeden digitalen Firlefanz auf Festplatte. Banjo und Gitarre bedient sie mit dem spröden Charme enthusiastischer Anfänger, dazu singt sie mit anfangs schockierender Fanfaren-Stimme. Nasal, spitz, beiläufig und nachlässig in der Intonation. Aber wenn in der Single „Workin’ Woman Blues“ die funkigen Bläser übernehmen, dann klart sich der Blick. Um Kunstfertigkeit geht’s hier gar nicht, sondern um den variablen Groove, den klanglichen Kern.

Valeries manchmal kleinmädchenhafter Sound ist sicherlich Geschmackssache. Er transportiert zwischen den analogen Tönen von Lapsteel, Orgel, Fiddle oder Mandoline aber auch feminines Selbstbewusstsein: „I ain’t fit to be no mother, I ain’t fit to be no wife, yeah, I been workin’ like a man.“ Und im bratzenden Rummelplatz-Walzer des Titelsongs schnarrt June sogar fast mit der Souveränität einer Nina Simone. Ob sie sich als Rock’n’Roll-Zeremonienmeisterin versucht („You Can’t Be Told“), Jazziges mit Chinatown-Harmonik anbietet („Wanna Be On Your Mind“) oder die aufgekratzte Countrylady („Tennessee Time“) gibt – stets bleiben die Produktionen unentgrätet. Valerie June weiß: Was sich im Hals quer stellt, kann nicht so schnell verschluckt werden.


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