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Willie Nelson Ride Me Back Home


Sony


von

Wie viele Platten kann ein Mann aufnehmen, wenn er immerzu kiffend auf Reisen ist, Konzerte gibt, eine Farm bewirtschaftet, ein Anwesen auf Hawaii besitzt, kifft, kifft, kifft und zwischendurch ein paar Songs mit Buddy Cannon schreibt? Wenn derselbe Buddy Cannon die Platten produziert, kann ein Mann mindestens drei Platten in zwei Jahren aufnehmen. Es ist Willie Nelsons 13. ­Platte mit Cannon. Er ist jetzt 86.

Auch nach „Ride Me Back Home“ kann man die Uhr stellen: Pedal-Steel-Gitarre, Mundharmonika, leichter Trab, Piano, Schmachtballaden. Songs von Guy Clark, Buzz Rabin und Mac Davis. Und Billy Joels „Just The Way You Are“, ein Lied, das nicht einmal Billy Joel noch zu spielen wagt. Bei Willie Nelson ist es mit diesem Song wie mit den Sinatra-Stücken auf „My Way“: Man weiß, dass man es kennt – aber es klingt einfach nicht wie das Stück, das man kennt. Das Muzak-Arrangement von „Just The Way You Are“ klingt wie gemacht für eine Szene einer romantischen Komödie, in der sich zwei Menschen an 1978 erinnern, vielleicht Jane Fonda und Willie Nelson. Nelson bringt auch das Läppische so souverän, als ­wäre es das Great American Songbook.

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„Seven Year Itch“, einer der neuen Nelson/Cannon-Songs, ist eine twangende Schummer-Burlesque-­Rumba, ungefähr 1961, zwischen den elegischen Dämmerliedern: „One More Song To Write“, „Stay Away From Lone­ly Places“, ein Late-Night-Lounge-­Klimperjazz, „Nobody’s Listening“, „Maybe I Should’ve Been Listening“ – alles aus dem Zartbit­teren. „Immigrant Eyes“: „Grand­father’s days are numbered … Working hard for all of his life … So don’t take it for granted …“ Die Rio-­Grande-Gitarre perlt, das Akkordeon schwelgt. Ach, herrlich!

Ist „Ride Me Back Home“ eine Platte über Vergänglichkeit? Jede Platte von Willie Nelson ist eine Platte über Vergänglichkeit. Jede Platte von Willie Nelson ist eine Platte über Heimat. ­Jede seiner Platten ist eine Platte über Erinnerung. Nehmen wir diese, bis zu Weihnachten die nächste kommt. (Sony)


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