Neue Podcast-Folge: „Die Streifenpolizei“ über die Favoriten der Oscar-Verleihung

Yo La Tengo There’s A Riot Going On


Matador/Beggars

Der Riot, der Aufstand gegen das herrschende System, ist ein im Pop gern genommener Impulsgeber. Manchmal wird einfach nur ohnmächtige Wut im Songformat herausgebrüllt und ‑geprügelt. Manchmal entsteht ein Klassiker, wie das Sly-&-The-Family-Stone-Album „There’s A Riot Goin’ On“ (1971). Ein dunkles, von Drogen und dem Kampf der Black Panthers beeinflusstes Dokument einer Zeitenwende: Der Optimismus der Sechziger war verblüht, in den Straßen wurde nicht mehr getanzt, sondern demonstriert und gekämpft.

Mit dem Titel ihres neuen Albums beziehen sich Yo La Tengo bewusst auf Sly & The Family Stone. Und natürlich spielen auch die jüngeren politischen Entwicklungen eine Rolle. Das Trio aus Hoboken/New Jersey verkneift sich Witze oder Wutgesänge über Trump und spürt stattdessen einem um sich greifenden Gefühl von Ohnmacht und Leere nach: „Nights are getting slower/ Days are flying by/ Hold me forever/ Hold on while we cry“, seufzt Ira Kaplan in „Forever“ zu einem sacht gezupften Stehbass, während Georgia Hubley jede Zeile mit einem tröstenden „Shoo-wop, shoo-wop“ unterstreicht. Was uns bleibt, sind die Erinnerungen an bessere Zeiten. Das folgende „Out Of The Pool“ ist auch deshalb eine melancholischer, von molligen Keyboard-Akkorden getragener Trip durch eine nebulöse Landschaft. „6‑2-and even, over and out“, raunt Kaplan, der nächstes Jahr 62 wird.

Die 15 Stücke sind im Proberaum der Band ohne weitere Unterstützung durch Produzenten und Techniker entstanden. Es ist ein Aufgehen in einem leicht entrückten Sound, aus dem sich immer wieder neue Melodien entwickeln oder sich einzelne Instrumente in den Vordergrund spielen. Erst nach Monaten verdichteten sich die Improvisationen zu nach wie vor recht sphärischen Songs. Den finalen Mix besorgte dann John McEntire.
„There’s A Riot Going On“ ist ein Album voller melancholischer Schönheit, sanft und tröstend, treffend im Aufgreifen einer akuten Stimmung – doch letztlich ohne Hoffnung.

Kooperation

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Der alles überwältigende Song kommt am Schluss. Regen prasselt, als die ersten Klavierakkorde zu „Love, Reign O’er Me“ einsetzen, dieser Sehnsuchtshymne adoleszenter Jugendlicher, zu der im Jahre später gedrehten Kinofilm (mit Sting!) der Held, ein Mod namens Jimmy, von der Klippe ins Open End springt und sein Scooter zerschellt, während er auf dem Doppelalbum mit einem Bötchen aufs Meer hinausrudert, was natürlich ein bisschen weniger offensichtlich ist. Für „Quadrophenia“ sprechen vor allem drei Argumente: Die Mod-Kultur, die schönste Jugendkultur aller Zeiten; ihre Musik (Northern Soul) war so hitzig wie ihre Tänze elegant und ihr Styling (Parkas, Ponys, enge Anzüge, Mädchen…
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