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Zurück in die Zukunft 1-3 Regie: Robert Zemeckis


Auf die Turnschuhe mit den selbst schließenden Laschen warten wir bis heute, und auch das Hoverboard hat es noch nicht zur Marktreife gebracht. Aber es sagt einiges über den Kultstatus von Robert Zemeckis’ „Zurück in die Zukunft“-Trilogie, dass diese modischen Accessoires heute tief im popkulturellen Gedächtnis verankert sind – wo wir zu den Bildern von Marty McFly auf seinem Skateboard wohl auch ewig „The Power Of Love“ von Huey Lewis hören werden. Der Glaube an eine gesellschaftliche Vision hat das Kino seit seiner Erfindung vor 120 Jahren immer wieder beflügelt. Im Reagan-Amerika mit seinem soliden Wertkonservatismus war es daher nur folgerichtig, dass die „Zurück in die Zukunft“-Filme diese Fortschrittssehnsucht an eine unschuldige Nostalgie für die 50er-Jahre koppelten. „Zurück in die Zukunft II“ war zum Ende der Dekade der Teil der Trilogie, in dem Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart zusammenfielen. Damit hatte Zemeckis das Konzept der Zeitreise von der Science-Fiction endgültig in die Popkultur überführt.

2015 steht ein doppeltes Jubiläum an, denn es jährt sich nicht nur zum 30. Mal die Veröffentlichung des ersten Films. Wir befinden uns auch im Jahr der Hightech-Turnschuhe und Hoverboards, dieser uneingelösten Versprechen einer freundlich-hedonistischen Konsumgesellschaft, in der es zwar einen 19. Teil von „Der weiße Hai“ gibt, aber kein Internet. Mit den Turnschuhen wird es wie gesagt noch etwas dauern. Aber Universal hat sich einiges einfallen lassen, um das Jubiläum der maßgebenden Filmreihe der 80er-Jahre zu feiern, die mit ihren vollintegrierten Sequel- und Prequel-Handlungssträngen zwischen 1955, 1985 und 2015 auch die Geburtsstunde des modernen Franchise-Kinos darstellt. Am 15. Oktober laufen alle drei Filme noch einmal einen Tag lang in den Kinos, außerdem kommt eine Jubiläums-Box mit über zwei Stunden Bonusmaterial heraus.

Eine gute Gelegenheit also zu prüfen, ob die technischen Errungenschaften, die sich Zemeckis und sein Drehbuchautor Bob Gale vor 30 Jah- ren für unsere heutige Gegenwart ausdachten, einem Realitätscheck standhalten. Zumindest lässt sich schon jetzt sagen, dass ihre Prophe- zeiungen realistischer ausfielen als vier Jahre zuvor in Ridley Scotts „Blade Runner“-Dystopie (2019 ist das „Blade Runner“-Jahr). Der Fluxkompensator läuft mit erneuerbaren Energien, Marty McFly jr. trägt eine Google-Brille, und seinem Vater wird per Skype-Call gekündigt. Zemeckis erzählte Jahre später, dass sein Zukunftsentwurf als optimistische Version von Scotts Science-Fiction noir gedacht war. Tatsächlich ist das Kleinstadt-Amerika Hill Valley der denkbar größte Gegensatz zum düsteren Moloch Los Angeles in „Blade Runner“.

Unter Science-Fiction-Fans gilt der zweite Film, der back-to-back mit dem letzten Teil gedreht worden war, heute als der interessanteste. Maßgeblich für den Kultstatus der Trilogie war jedoch der erste Teil, in dem bereits die Ikonografie der Reihe angelegt war – nicht zuletzt der DeLorean, der futuristische Flügeltürer, den Doc Brown in eine Zeitmaschine umfunktioniert hatte. Die kurzlebige Produktion des DeLorean Anfang der Achtziger, die mit einem Totalbankrott des General-Motors-Ablegers endete, antizipierte den Retrofuturismus der Trilogie um ein paar Jahre. Rückblickend war „Zurück in die Zukunft“ vielleicht sogar der erste postmoderne Hollywoodblockbuster: historisch und ahistorisch zugleich, vollkommen überhöht in seinem Amerika-Bild und dabei vollkommen bodenständig. Michael J. Fox, der kurz zuvor mit der Live-Sitcom „Jede Menge Familie“ seinen Durchbruch erlebt hatte, muss die Kulissenhaftigkeit des Sets vertraut vorgekommen sein.

Vor allem aber hat kein Regisseur es nach dem plötzlichen Ende von New Hollywood wie Zemeckis verstanden, ein Gefühl von Nostalgie für eine vergangene Ära, für die amerikanische Kleinstadt und nicht zuletzt für eine vergangene Jugendkultur liebevoller zu kultivieren. Doch selbst als popkulturelles Phänomen war „Zurück in die Zukunft“ letztlich ahistorisch: Es gibt keine denkbare Schnittstelle zwischen Huey Lewis, Van Halen und Chuck Berry. Dass das weiße Skater-Kid Marty McFly in der Vergangenheit den Rock’n’Roll erfindet, der für ihn selbst nur noch eine durch die Gitarrenriffs von Eddie Van Halen gefilterte Projektion darstellt, gehört zu den unauflöslichen Widersprüchen, die die anhaltende Faszination der „Zurück in die Zukunft“-Filme ausmachen.


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