Rewind Today 1991: The Clash feiern einen späten Hit


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Was waren das noch für Zeiten, als Songs aus der Fernseh-Werbung zu Hits wurden? Gerade die Jeans-Vermarkter bewiesen da einen richtigen Riecher für alte und neue Stücke, die fuktionieren. Steve Miller etwa, dessen „The Joker“ einen zweiten Frühling erfuhr; aber auch Eintagsfliegen wie, nun, ja, Stiltskin und Babylon „von mir wird es noch viel zu hören geben“ Zoo.

Für die Mitglieder von The Clash, die sich 1986 auflösten, war das Levis’s-Commercial eine pikante Angelegenheit; gerade Joe Strummer stand Werbung als Kommunikationsform stets skeptisch gegenüber. „Should I Stay Or Should I Go“ bescherte der Band durch das Reissue im Jahr 1991 nicht nur ihren einzigen Nummer-1-Song, sondern gar ihren einzigen Top-Ten-Hit in England.

Für die Ausgabe 3/2008 rekapitulierte Uwe Schleifenbaum die Geschichte von The Clash:

England in den Siebzigern: Das Empire liegt längst in Scherben, die De-Industriahsierung der Mutterinsel schreitet munter voran. Gruben machen dicht, Fabriken werden geschlossen, man hangelt sich von Streik zu Streik, und das ehemalige Qualitätssiegel „Made in England“ wird mittlerweile eher als Drohung empfunden. Der Londoner Stadtteil Brixton ist eine jener Gegenden, die man besonders gerne verlässt. Wenn man es sich leisten kann. Mick Jones ist dort zuhause, Kunststudent und Gitarrist der Band London SS. Paul Simonon stammt ebenfalls aus dem Problembezirk im Süden der Stadt, auch er besucht die Kunsthochschule. Einen Bass hat er noch nie in Händen gehalten, was ihn im Sommer 1976 jedoch nicht daran hindert, mit Jones eine neue Band zu gründen: The Clash. Gitarrist Keith Levene ist ebenfalls dabei, verschwindet aber recht bald und taucht erst später wieder bei John Lydons Band Public Image Ltd.auf.

Ersatz ist Joe Strummer, Diplomatensohn, Hausbesetzer, ehemaliger Straßenmusiker und Gitarrist der R&B-Band The 101ers. Als Schlagzeuger wird Terry Chimes angeheuert. Bernard Rhodes, ein Kumpel von Sex-Pistols-Erfinder Malcolm McLaren, besorgt der Band einen 200.000-Dollar-Vertrag mit CBS. Das Debütalbum „The Clash“, aufgenommen an drei Wochenenden, erscheint im April 1977. Nicky „Topper“ Headon ersetzt Schlagzeuger Chimes, das „klassische“ Clash-Line-Up steht. Und nimmt mit „Give ‚Em Enough Rope“ (1978), „London Calling“ (1979) und „Sandinista!“ (1980) drei legendäre Alben auf: Punk für denkende Menschen, textlich kämpferisch, musikalisch undogmatisch und stets von überbordender Energie. Dass Headon aufgrund seiner Heroinsucht abdanken muss und durch Ur-Drummer Chimes (und später Pete Howard) ersetzt wird, ist noch zu verschmerzen: „Combat Rock“ (1982) hält den Qualitätsstandard weiterhin hoch.

Als ein Jahr später Strummer und Simonon Mick Jones aufgrund „musikalischer Differenzen“ nahe legen, die Band zu verlassen, markiert das jedoch den Anfang vom Ende. Eigentlicher Grund Jones hatte sich dagegen ausgesprochen, den 1978 gefeuerten Manager Rhodes erneut einzustellen. Rhodes, an dessen Professionalität berechtigte Zweifel bestanden, hatte zwischenzeitig sogar gegen die Band prozessiert.

Nach Jones‘ Rausschmiss werden die Gitarristen Vince White und Nick Sheppard angeheuert, das Album „Cut The Crap“ (1985) ist zwar ein kommerzieller Erfolg, wird jedoch von der Kritik mehrheitlich zerrissen. Ende 1985 geben Strummer und Simonon die Auflösung der Band bekannt.

Mick Jones feiert mit seinem neuen Projekt Big Audio Dynamite durchschnittliche Erfolge, Paul Simonon hat mit Havana 3 a.m. allerdings weniger Glück. „Topper“ Headon veröffentlicht 1986 ein Soloalbum, wird jedoch kurz darauf des Drogenhandels schuldig gesprochen und wandert für 15 Monate in den Knast. Weiterhin aktiv ist auch Joe Strummer, zunächst als Solist, später als Interims-Sänger bei den Pogues und Frontmann seiner neuen Band Joe Strummer & The Mescaleros. Strummer erliegt im Dezember 2002 einem Herzinfarkt.

Noch mehr historische Texte bietet „DAS ARCHIV – Rewind“. Es umfasst über 40 Jahre Musikgeschichte – denn es beinhaltet die Archive von Musikexpress, Rolling Stone und Metal Hammer. Damit ist von Popmusik über Indierock bis zu Heavy Metal nahezu jede Musikrichtung abgedeckt – angereichert mit Interviews, Rezensionen und Reportagen zu Filmen, Büchern und popkulturellen Phänomenen.

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