Die biblische Heuchelei von RFK Jr. und Tulsi Gabbard

Die Trump-Lakaien haben im Wahlkampf große Töne gespuckt – über Auslandskriege und Gesundheitsversorgung. Inzwischen haben sie sich selbst und das Land verraten.

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Dies ist die Geschichte davon, wie David zu Goliath wurde – und wie danach alles nur noch schlimmer wurde.

Meine Ex-Frau hat mich auf einem Gap-Parkplatz verlassen, aber der längste Tag meines Lebens war die Rescue-the-Republic-Kundgebung in Washington, D.C., am 29. September 2024. Eine ChatGPT-Version einer politischen MAHA/MAGA-Revolution, mit RFK Jr. als Hauptdarsteller, dem Fleisch-nur-für-Männer-Guru Jordan Peterson im zweifarbigen Anzug und dem wegen sexueller Übergriffe beschuldigten, frisch bekehrten Christen Russell Brand, der ein Gebet sprach: „dass Satan in deinem Namen ausgetrieben werde, in all seinen Formen, aber insbesondere in jener bizarren kafkaesken, hitleresken, späten orwellschen Form des Totalitarismus, der Bürokratie im Namen der Fürsorge.“

Alle bestanden darauf, es handele sich um eine überparteiliche Erweckungsveranstaltung – dass Donald Trumps Name die lautesten Hosiannas erntete, sei purer Zufall. Rob Schneider, ein beschäftigungsloser Schauspieler, führte als Moderator durchs Programm und unterhielt die Menge mit seinem mexikanischen Klischee-Charakter aus „Saturday Night Live“ aus den Neunzigern. Eine Frau namens Food Babe schrie „Lasst uns über Doritos reden“ und kippte dann Froot Loops auf die Bühne.

Dabei war das hier eine ernste Angelegenheit. Tulsi Gabbard hielt eine Rede, in der sie Kamala Harris als Kriegstreiberin bezeichnete – keine Chance, dass ihr das jemals auf die Füße fallen würde –, und Senator Ron Johnson verriet mir, er habe einen Geheimplan, um Donald Trump von seiner McDonald’s-Sucht zu befreien.

Organisiert hatte die Kundgebung Bret Weinstein, ein buschelhaariger Ex-Biologieprofessor, der sich zum Stammgast bei Tucker Carlson gemausert hatte. Weinstein erklärte, er riskiere mit der Organisation dieser Veranstaltung sein Leben, und suggerierte, alle in der Menge seien in Gefahr. Er eröffnete das Event mit seiner Theorie, dass freies Denken in Amerika von Goliath erdrückt werde – einer ungreifbaren Macht aus Regierungsbeamten, Akademikern, Medien und Megakonzernen. Ja, der Deep State war ein Philister.

„Es ist die Kraft, die in der biblischen Geschichte jeden echten Wandel verhindert. Goliath ist ein Riese, ein Mann, ein großer Mann, aber immerhin ein Mensch – und in unserer Zeit“, sagte Weinstein, „hat Goliath gewaltig aufgerüstet. Die Kraft, die uns Angst machen will, unser Recht auf freie Meinungsäußerung in unserer eigenen Hauptstadt auszuüben – das ist Goliath.“

Dann lächelte Weinstein. Die Zeiten änderten sich.

David wird Goliath

„Schaut euch jetzt um. Seht ihr alle, was ich sehe? David hat aufgerüstet. Wir sind David, wir sind mächtig, und unsere Zeit ist gekommen.“

Das war vor 18 Monaten. Der Rollentausch von David und Goliath entpuppte sich als das schlimmste „Parent Trap“-Reboot aller Zeiten. Schauen wir, wo unsere Helden heute stehen.

Weinstein zuerst, kurz und schmerzlos. Er plauderte kürzlich mit Carlson und stellte im Modus des „Ich frage ja nur“ Überlegungen an über Israels mögliche Beteiligung am Mord an Charlie Kirk. Er legte nahe, dass Bibi Netanjahu Trump einen goldenen Pager zu schenken – in Anspielung auf die von Israel manipulierten Pager, durch die Hamas-Mitglieder in die Luft gesprengt worden waren – kein geschmackloser Witz sei, sondern eine verhüllte, tödliche Drohung. (Weinsteins Methode ist nahezu wasserdicht: Wenn eine seiner Theorien widerlegt wird, erklärt er das zur Ablenkungstaktik Goliaths. „Fallen lauern überall“, sagt Weinstein.)

Und Rob Schneider? Er ist immer noch arbeitslos und rudert zurück bei diesem Tweet vom April 2025.

Letzte Woche vollzog Schneider eine Kehrtwende wie ein Fisch, der zappelnd auf dem Deck eines Fischerboots liegt.

„Wir müssen uns erneut zu einer Nation unter Gott bekennen, unteilbar“, schrieb er. „Daher müssen wir die Wehrpflicht für die jungen Menschen unserer Nation wiederherstellen. Jeder einzelne Amerikaner muss mit achtzehn Jahren zwei Jahre Militärdienst ableisten.“

Gabbards Kehrtwende

Schneider und Weinstein waren doch sicher bloß leichtgewichtige Außenseiter, oder? Weiter zu jemandem mit echtem Gewicht. Gabbard wurde von Schneider bei der Kundgebung als „jemand, der weiß, wie man einen weißen Hosenanzug trägt“ vorgestellt. (Sie lachte nicht.) Gabbard, Reservistin beim Militär, hatte weit Gewichtigeres im Sinn. Sie warnte vor den Gefahren der Biden-Harris-Kriegsmaschine.

„Wir stehen näher am Rand eines Atomkriegs“, sagte Gabbard, die frühere demokratische Präsidentschaftskandidatin. „Laut dem Bulletin of Atomic Scientists steht die Weltuntergangsuhr auf 90 Sekunden vor Mitternacht. Wir sind einen Funken von unserem Untergang entfernt – direkt verursacht durch die Politik der Harris-Biden-Administration.“

Sie fuhr fort.

„Eine Stimme für Kamala Harris ist eine Stimme für den militärisch-industriellen Komplex. Eine Stimme für Kamala Harris ist eine Stimme für den Atomkrieg.“

Im Januar 2025 trat Trump seine zweite Amtszeit an – mit Gabbard als Director of National Intelligence. Die Weltuntergangsuhr steht nun bei, ähem, 85 Sekunden vor Mitternacht.

Rüstungsetat explodiert

„In was für einem kranken Zustand befinden wir uns als Land, wenn unsere gewählten Vertreter Tod, Krieg und Zerstörung feiern und uns, dem amerikanischen Volk, das als amerikanisches Arbeitsplatz- und Wirtschaftsprogramm verkaufen“, sagte Gabbard bei der Kundgebung, hinter kugelsicherem Glas. „Das ist Kamala Harris‘ Chancenwirtschaft: mehr Krieg, mehr Geld für den militärisch-industriellen Komplex.“

Ein Blick auf die Zahlen: Der Verteidigungshaushalt der Biden-Administration betrug 850 Milliarden Dollar. Trump hat kürzlich einen Verteidigungsetat von 1,5 Billionen Dollar vorgeschlagen. Die Erhöhung um 650 Milliarden Dollar liegt knapp unter dem jährlichen Bruttosozialprodukt von – ich erfinde das nicht – Israel.

Der aktuelle amerikanisch-israelische Krieg gegen den Iran hat Gabbard in eine missliche Lage gebracht. Die Hawaiianerin vermarktete einst T-Shirts mit der Aufschrift „No War On Iran“ und argumentierte lange, Präsidenten lügen uns in Kriege hinein. 2020 kritisierte Gabbard Trump dafür, den iranischen Militärstrategen Qasem Soleimani ausgeschaltet zu haben.

„Das war ganz klar ein Kriegsakt dieses Präsidenten, ohne jegliche Genehmigung oder Kriegserklärung des Kongresses, eindeutig verfassungswidrig“, sagte Gabbard bei Fox News.

Das bedeutete, dass Gabbards Platine vor ihrer Anhörung im Kongress vor zwei Wochen komplett neu verdrahtet werden musste. Trumps unilaterales Handeln beschrieb sie nun munter so: „Als unser Oberbefehlshaber ist er dafür verantwortlich zu bestimmen, was eine unmittelbare Bedrohung darstellt und was nicht … und ob Maßnahmen zu ergreifen sind … Präsident Trump kam zu dem Schluss, dass der Iran eine unmittelbare Bedrohung darstellte, und handelte entsprechend.“

Obliteriert oder erholt?

Die Trump-Welt drehte sich so schnell, dass Gabbard Kehrtwendungen in Echtzeit vollzog. Gabbards schriftliche Stellungnahme an den Kongress legte nahe, Irans Nuklearkapazitäten seien nach Trumps Angriffen auf iranische Anlagen im Juni 2025 nicht mehr vorhanden. Gabbard schrieb:

„Als Ergebnis der Operation Midnight Hammer wurde Irans Programm zur nuklearen Anreicherung vernichtet. Seitdem gab es keinerlei Bemühungen, die Anreicherungskapazitäten wieder aufzubauen. … Die Eingänge zu den unterirdischen Anlagen, die bombardiert wurden, sind vergraben und mit Beton verschlossen worden.“

TOPSHOT - Former US President and Republican presidential candidate Donald Trump (L) dances as he leaves the stage after s...
Trump und Gabbard

Doch in ihrer mündlichen Aussage zog Gabbard plötzlich in eine andere Richtung. Man beachte die nicht gerade subtile Korrektur.

„Der Iran versucht, sich von den schweren Schäden zu erholen, die durch die Operation Midnight Hammer verursacht wurden.“

Von Vernichtung keine Spur mehr – jetzt erholt sich der Iran.

Das Komische daran: Gabbard hat ihre Überzeugungen verraten, während sie nach allem, was man hört, aus Trumps Entscheidungsprozessen herausgehalten wird. Das passiert eben, wenn der Lebenslauf ungenehmigte Besuche beim syrischen Massenmörder Baschar al-Assad enthält. Unterdessen trat Joe Kent, Gabbards rechtsextremer Stellvertreter, aus der Trump-Administration aus. Kent, zweifacher Verlierer bei Kongresswahlen, stach noch einmal zu, indem er den einst typisch Gabbardianischen Standpunkt vertrat, der Iran stelle keine unmittelbare Bedrohung für die Vereinigten Staaten dar.

Aloha.

RFK JR. SPRACH FRÜHER als erwartet bei der Rescue-the-Republic-Kundgebung. Vielleicht lag es daran, dass Kennedy und Russell Brand wenige Stunden später einen Termin im Büro von Gavin de Becker auf dem Capitol Hill hatten – Sicherheitsberater von Jeff Bezos und anderen Stars. Ob sie über die jüngst bekanntgewordene angebliche Affäre Kennedys mit der Journalistin Olivia Nuzzi sprachen oder über das illegale Entsorgen eines Bärenkadavers? Niemand weiß es.

Kennedys Versprechen

Kennedys Rede war die übliche Litanei aus Impfgegner-Unsinn und der Selbstinszenierung als Verfolgter. Er erklärte, die Covid-Pandemie sei bloß ein Vorwand für Unternehmensräuberei gewesen.

„Sie haben Geld nach oben verschoben. Sie haben Big-Tech-Konzerne wie Amazon, Facebook, Instagram, YouTube und Google gestärkt und die Hauptstraße, die Kleinunternehmen und den amerikanischen Arbeiter geschwächt“, sagte RFK. „Und sie haben 4,3 Billionen Dollar von der amerikanischen Mittelschicht zu dieser neuen Oligarchie der Milliardäre umgeleitet.“ (Die 4,3 Billionen Dollar waren tatsächlich die Gesamtsumme der staatlichen Hilfsgelder, die an Einzelpersonen und Unternehmen ausgezahlt wurden, damit sie die Pandemie überstehen konnten.)

Kennedy war der meistbeachtete unabhängige Präsidentschaftskandidat in der amerikanischen Geschichte und sprach an jenem Nachmittag auf der National Mall in Washington mit ohrenbetäubender Lautstärke. Trotzdem bestand er darauf, seine Botschaft werde unterdrückt. Er schloss mit dem Versprechen, dass nur einer Amerikas Gesundheit, Freiheit und Ansehen retten könne: Donald Trump.

„Wollt ihr einen Präsidenten, der Amerika wieder gesund macht, der Amerika wieder frei macht und der Amerika erneut zur größten Nation und zur moralischen Autorität der Welt macht?“, fragte Kennedy. „Dann müsst ihr zur Wahl gehen, eure Freunde mitbringen und Donald Trump und mich nach Washington, D.C. bringen.“

(Trump führte an jenem Tag Wahlkampf in Pennsylvania und schlug vor, Kriminalität lasse sich mit „einer harten Stunde“ „gewaltsamer“ Polizeiaktionen quer durch Amerika beenden.)

18 Monate später

Achtzehn Monate später befindet sich Amerika in einer düsteren Lage. Wir führen Krieg gegen den Iran – sechs Monate nachdem Trump erklärt hatte, frühere Luftangriffe hätten Irans Nuklearkapazitäten „vernichtet“. Nach Trumps Drohungen, Kanada, Kuba und/oder Grönland zu annektieren, haben uns unsere Verbündeten auf diplomatischem Wege mitgeteilt, sie hätten genug von uns. Im Inland schlagen ICE-Beamte auf amerikanischen Straßen Köpfe ein. Ich musste an etwas denken, das RFK Jr. an jenem Tag sagte und kaum Beachtung fand. Kennedy argumentierte, die staatlichen Übergriffe während der Covid-Krise seien eine Verletzung unserer verfassungsmäßigen Rechte.

„Dann gingen sie den Vierten Zusatzartikel an, der ungerechtfertigte Durchsuchungen und Beschlagnahmungen untersagt, mit all diesen Rückverfolgungspflichten. … Um ein Flugzeug zu besteigen, mussten wir unsere privaten Krankenakten vorzeigen. Sie hoben HIPAA auf. Sie zwangen uns, unsere privaten Krankenakten praktisch jedem offenzulegen, der danach fragte. Sie haben uns in eine Tyrannei verwandelt.“

Schnitt in diesen Winter. Ich sehe zu, wie ICE Bewohner von Shakopee, Minnesota, anhält und verhört – Menschen, die zufällig dunkle Haut haben. Dreißig Minuten entfernt in Minneapolis werden Alex Pretti und Renee Good erschossen, während sie legal gegen die wiederholte Verletzung verfassungsmäßiger Rechte ihrer Mitbürger durch ICE protestieren. Der Vierte Zusatzartikel, den RFK Jr. so lautstark verteidigt hat? Den werden unsere Kinder nur noch in Geschichtsbüchern lesen.

Aber das ist erst der Essig – hier kommt das Arsen. Im Januar 2025 hatte der Arzt und Louisiana-Senator Bill Cassidy Kennedys Bestätigung in der Hand. Ein „Nein“ eines republikanischen Mediziners hätte reichen können, um die Nominierung des testosterongeschwängerten, karamellbraunen Kennedy zu versenken.

Cassidys Falle

Cassidy war kein Held. Dass ein echter Arzt überhaupt erwog, RFK Jr. zu bestätigen – einen Mann ohne jegliche Erfahrung im Gesundheitswesen, der einmal behauptete, Covid-19 sei „gezielt darauf ausgerichtet, Kaukasier und Schwarze anzugreifen“, während „die Menschen, die am immunsten sind, aschkenasische Juden und Chinesen“ seien – war unfassbar, es sei denn, man berücksichtigte, dass Cassidy hoffte, 2026 wiedergewählt zu werden. Er war bereit, RFK Jr. den Benefit of the doubt zu geben, um Trumps Zorn und MAHA-Mütter auf Rohmilch-Diät zu besänftigen. Öffentlich sinnierte er auf C-SPAN über RFK Jr.s Fähigkeit zur Entwicklung.

„Kann ein 70-jähriger, ein 71-jähriger Mann, der jahrzehntelang Impfstoffe kritisiert hat und finanziell daran interessiert ist, Fehler bei Impfstoffen zu finden, nun seine Einstellungen und seinen Ansatz ändern, da er die wichtigste Position zur Beeinflussung der Impfstoffpolitik in den Vereinigten Staaten innehaben wird?“, fragte Cassidy. „Werden Sie so bleiben, wie Sie waren, oder werden Sie ein neues Blatt aufschlagen?“

Am Ende stimmte Cassidy für Kennedy, der mit 52 zu 48 Stimmen bestätigt wurde.

Freunde, ihr werdet schockiert sein zu erfahren, dass RFK Jr. kein neues Blatt aufschlug, sondern ein besonders hartnäckiges und giftiges Unkraut blieb.

Kennedy hatte dem Senat bei seinen Bestätigungsanhörungen versprochen, er werde die seit Langem geltenden Impfpläne nicht ändern. Einen Monat nach seiner Bestätigung änderte Kennedy den Impfplan. Er führte das HHS mit einer Diät aus öffentlichen Liegestützen und Chaos, feuerte zwei erfahrene Trump-Mitarbeiter früh in seiner Amtszeit. Im vergangenen Juni entließ er alle 17 Mitglieder des Advisory Committee on Immunization Practices (ACIP), das die Impfstoffpolitik überwachte. Kennedy erklärte, die 17 seien Lakaien von Big Pharma, und ersetzte sie durch – nun ja – 17 fragwürdig qualifizierte Lakaien der Impfgegnerbewegung. An der Spitze stand Rescue-the-Republic-Mitredner Dr. Robert Malone, der gleichzeitig behauptet, den mRNA-Strang entdeckt zu haben, der zum Covid-Impfstoff führte, und dass der eigentliche Impfstoff ein toxisches Spike-Protein erzeugte, das Organe zum Versagen bringen könne. (Beides war unwahr.)

Zwei Monate später feuerte Kennedy CDC-Direktorin Susan Monarez, nachdem sie ihm erklärt hatte, sie werde seine vorgeschlagenen Impfstoffbeschränkungen nicht ohne wissenschaftliche Überprüfung genehmigen. (Monarez sagte auch aus, Kennedy habe sich nicht mit einem Anruf des Mitgefühls oder Beileids gemeldet, nachdem ein Schütze 180 Schüsse auf die CDC-Zentrale abgefeuert und einen eintreffenden Polizisten getötet hatte.)

Kennedys Kaltstellung von Monarez erinnerte mich an etwas, das er bei Rescue the Republic über die Covid-Maßnahmen gesagt hatte.

„Wir wollen der Regierung doch nicht die Macht geben, die Fehlinformationen anderer zu zensieren, während sie selbst welche verbreitet, oder?“

Offenbar doch!

Kennedys Bilanz

Im vergangenen September trat RFK Jr. erneut vor Cassidy und den Senat. Der Senator, dem aufgegangen war, dass er bei Kennedys Bestätigung hereingelegt worden war, hatte genug von RFKs Scharade. 2025 erlebte das Land einen erschreckenden Masernausbruch, der bis heute anhält. Kennedy veröffentlichte einen Gastbeitrag bei Fox News, in dem er den Masernimpfstoff für sinnvoll erklärte – um dann hinzuzufügen: „Die Entscheidung zur Impfung ist eine persönliche.“

Entnervt stellte Cassidy Kennedy eine Falle. Cassidy erwähnte, Präsident Trump verdiene einen Nobelpreis dafür, Operation Warp Speed beaufsichtigt zu haben – das staatliche Programm, das einen Covid-Impfstoff entwickelte, der laut Cassidy Millionen von Leben gerettet hatte.

RFK Jr. stimmte zu.

„Senator, absolut.“

Cassidy verzog leicht das Gesicht.

„Aber Sie haben Senator [Michael] Bennett gerade gesagt, der Covid-Impfstoff habe mehr Menschen getötet als Covid. Das war eine Aussage. … Sie sagten auch, als leitender Anwalt der Children’s Health Defense hätten Sie mehrere Klagen eingereicht, um den Zugang zum Covid-Impfstoff einzuschränken. … Es überrascht mich auch, weil Sie – beziehungsweise das HHS unter Ihrer Leitung – Verträge im Wert von 500 Millionen Dollar mit der mRNA-Impfstoffplattform gekündigt haben, die entscheidend für Operation Warp Speed war – erneut eine Leistung, für die Präsident Trump meiner Meinung nach den Nobelpreis erhalten sollte –, Sie haben Verträge im Wert von 500 Millionen Dollar gekündigt.“

Kennedys Gesicht nahm die Farbe einer angerösteten Zigarette an. Er sagte, Cassidys Interpretation seiner Bemerkungen gegenüber Bennett sei falsch. Dann lieferte er eine halbherzige Einlassung zu Trump und Operation Warp Speed.

„Er hat auch Therapeutika wie Hydroxychloroquin und Ivermectin sowie Behandlungsprotokolle eingebracht und so weiter“, sagte Kennedy. „Und es gab keine Impfpflicht.“

Cassidy unterbrach ihn und stellte fest, dass einige seiner neuen ACIP-Ernannten als bezahlte Zeugen für Personen auftraten, die Pharmaunternehmen wegen Impfstofffragen verklagten.

„Wenn wir Menschen einsetzen, die bezahlte Zeugen für Impfstoffkläger sind, scheint das eigentlich ein Interessenkonflikt zu sein. Stimmen Sie dem zu?“

Kennedy blieb trotzig.

„Nein. Es könnte eine Voreingenommenheit sein, und diese Voreingenommenheit ist, wenn sie offengelegt wird, in Ordnung.“

Cassidy verlor die Geduld. Er stellte fest, dass das Chaos und die widersprüchlichen Aussagen des HHS Ärzte und Patienten im Unklaren darüber ließen, wer Anspruch auf Covid-Impfungen habe und wer dafür ein Rezept brauche. Er sah Kennedy an.

„Ich würde sagen, wir verweigern den Menschen de facto den Zugang zu Impfstoffen.“

Cassidy gab das Wort ab, bevor RFK Jr. antworten konnte.

Im vergangenen Monat wurde das von RFK ernannte ACIP-Gremium von einem Bundesrichter für illegal erklärt. Der Richter stellte fest, „nur sechs scheinen über nennenswerte Erfahrung mit Impfstoffen zu verfügen“, und das Gremium erfülle nicht die rechtlichen Anforderungen an einen ausgewogenen Ausschuss. Die Grundsatzentscheidungen des Gremiums aus dem vergangenen Jahr wurden für nichtig erklärt. Die amerikanische Impfstoffpolitik treibt nun führungslos dahin, und die CDC hat sechs Monate nach Monarez‘ Rücktritt immer noch keinen dauerhaften Direktor. Das Land hat auch keinen Surgeon General, da Kennedys Verbündete und Gesundheits-Sonderling Casey Means nicht auf die nötigen 50 Stimmen für ihre Bestätigung kommt. Ihre Ernennung steckt in der politischen Warteschleife. Eine aktuelle Politico-Umfrage ergab, dass 52 Prozent der Trump-Wähler nicht glauben, die Administration mache Amerika wieder gesund.

Davids Königreich

Zugegeben, RFK Jr. hat während seiner HHS-Amtszeit auch Leistungen vorzuweisen. Er entließ über 10.000 HHS-Mitarbeiter. Er veröffentlichte ein Video, in dem er mit Kid Rock in Jeans ein Kaltbad nahm. Nuzzi veröffentlichte „American Canto“, eine unverständliche Memoirensammlung mit kryptischen Anspielungen auf eine Affäre, die sie mit Kennedy hatte, nachdem sie ihn für das Magazin „New York“ porträtiert hatte. In einer besonders bewegenden Passage machte sich Nuzzi Sorgen um Kennedys von einem Wurm befallenes Gehirn.

„Ich liebte sein Gehirn. Ich hasste den Gedanken an einen Eindringling darin. Andere hielten ihn für wahnsinnig; er war nicht ganz so wahnsinnig, wie sie dachten, aber ich liebte die privaten Arten, wie er wahnsinnig war. … Er brachte mich zum Lachen, aber ich zuckte zusammen, wenn er über den Wurm witzelte. ‚Baby, mach dir keine Sorgen‘, sagte er. ‚Es ist kein Wurm.’“

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Ich kann nicht umhin zu denken, wie anders die Welt wäre, wenn es doch einer gewesen wäre.

Aber kehren wir zur Eröffnungsproklamation von Rescue the Republic zurück – zu jener über den MAHA-David, der kurz davor stand, zum MAGA-Goliath zu werden. Ich habe damals nicht weiter darüber nachgedacht, aber kürzlich fragte ich mich, wie diese Transformation im Alten Testament eigentlich ausging.

Nicht gut, wie sich herausstellt.

David wird König, gewinnt eine Schlacht und lässt Gefangene hinrichten. Seine Innenpolitik missfällt Gott, der eine Pest schickt, die 70.000 Israeliten tötet. David nimmt sich eine Geliebte, schwängert sie und schickt ihren Ehemann in einen sicheren Tod in der Schlacht. Ihr gemeinsames Kind stirbt. Davids ältester Sohn vergewaltigt seine Tochter. Ein anderer Sohn tötet diesen Sohn für seine Sexualverbrechen. Jener Sohn lehnt sich gegen David auf und wird schließlich von Davids oberstem General ermordet.

Sein Königreich ist weder wieder groß noch besonders gesund.

Jemand sollte RFK Jr. eine Ausgabe der Trump-Bibel besorgen. Er soll sie bei Zweiten Samuels aufschlagen, wie der Präsident vielleicht sagen würde.

Es ist nie zu spät, gerettet zu werden.

KAMIL KRZACZYNSKI AFP

Stephen Rodrick schreibt für den ROLLING STONE USA. Hier geht es zum US-Profil