ROLLING STONE hat gewählt: Die 500 besten Alben aller Zeiten
Die 500 besten Alben aller Zeiten – vom ROLLING STONE gewählt. Ein Überblick über Musikgeschichte, Meisterwerke und Kultklassiker.

Burial
Burial
2006
Burials Debüt ist von einer Melancholie durchzogen, wie man sie auch in leeren Nachtbussen findet. Es knackst und knistert, überall ist Verfall. Beats wie das träge Rattern eines mit Graffiti übersäten Geisterzugs. Die große Party ist vorbei, die Zukunft findet ohne uns statt.

Prince And The Revolution
Parade
1986
Ein Pop-Jazz-Album mit zwölf Songs in nur 40 Minuten, eine Meisterleistung der Reduktion. Wendy & Lisa erhalten gebührenden Platz mit „Sometimes It Snows In April“. Bei „Kiss“ darf man sich nicht täuschen lassen: Prince flirtet darin nicht – er erteilt Befehle.

Blumfeld
L’etat et moi
1994
Das wichtigste Album der Hamburger Schule als Kommentar zur Wiedervereinigung. Distelmeyer singt: „Ich heiße Einheitsarchitekt/ Du kannst auch Blödmann zu mir sagen“ und „Ab nach Berlin/ Da, wo die Leute aus Heimweh hinziehn“. In der Hauptstadt reiften wieder Weltbeherrschungspläne.

Pet Shop Boys
Behaviour
1990
Zu den Münchner Retro-Synthie-Klängen ihres Produzenten Harold Faltermeyer blickte das Duo ebenso weise wie wehmütig auf eine Dekade der verpassten Chancen und (unnötigen) Exzesse zurück. „Being Boring“ war kein Chart-Hit, gilt heute aber als ihr größter Song.

Silver Jews
American Water
1998
„In 1984 I was hospitalized for approaching perfection“, singt der Dichter David Berman zur Albumeröffnung. „American Water“ ist gespickt mit solchen Bonmots und Geistesblitzen und klingt dazu wie eine Schaukelstuhl-Version der Schwesterband Pavement.

Soft Cell
Non-Stop Erotic Cabaret
1981
Suicide in soft: das Duo Marc Almond/David Ball schuf die schwülsten Synthie-Pop-Songs der Dekade. Soft Cell klingen, als würden sie aus einem neonbeleuchteten Fummelkino stammen, und erzählen von Sehnsucht, Begierde und gebrochenen Herzen.

The Flying Burrito Brothers
The Gilded Palace Of Sin
1969
Ein Meilenstein in der unwahrscheinlichen Erfolgsgeschichte des Country-Rock vom Nischendasein zur Markgröße. Rädelsführer war einmal mehr Gram Parsons, indes Chris Hillman den besonnenen Part übernahm. Gemeinsam schrieben sie Genreklassiker.

Chic
C’est Chic
1978
Nile Rodgers’ Gitarre und Bernard Edwards’ warmer Bass prägen einen Sound, der ein ganzes Genre prägte. „Le Freak“ wurde unzählige Male gesampelt, die Disco-Eleganz von „I Want Your Love“ ist unübertroffen und „At Last I Am Free“ eine der schönsten Balladen ihrer Zeit.

Stereo Total
Musique Automatique
PIAS, 2001
Wir tanzen im Viereck, wir tanzen konzentriert – 2001 hatte das konzentrierte Tanzen zu elektronischer Musik derartig den Höhepunkt erreicht, dass es jemanden wie Françoise und Brezel brauchte, um alles auf den Boden der Lo-Fi-Tatsachen zurückzuholen.

Genesis
The Lamb Lies Down On Broadway
Charisma, 1974
Nichts war mehr wie vorher und nachher alles anders. Mit einem Trip durch Pop und Kultur, Rock und Geschichte, verlegten Genesis ihre Stücke von New statt York und flirrende Feier ihres Willens zur Fusion von Blues, Country und Rock. Eines der besten Konzeptalben überhaupt.

The Allman Brothers Band
At Fillmore East
Capricorn, 1971
Der Mitschnitt dreier Konzertabende in New York City beschert den Southern-Rock-Vorreitern den Durchbruch. Als Jam-Band-Manifest verlegten sie ihre Stücke vom Heckenland in die Metropole. Eines der besten Live-Alben aller Zeiten.

Joni Mitchell
Ladies Of The Canyon
Reprise, 1970
Ihr drittes Album und ihr erstes Meisterwerk. Mitchells Sittenbild aus der neureichen Edelhippie-Kolonie in den Hügeln von L.A. ist ebenso bissig wie berührend. Crosby, Stills & Nash.

Tocotronic
Tocotronic
L’Age D’Or, 2002
„Eines ist doch sicher: Eins zu eins ist jetzt vorbei“, sang Dirk von Lowtzow im programmatischen „Neues vom Trickser“. Die Texte wurden auf Tocotronics „Weißem Album“ offener, die Klangräume weiter, und die Band entkam endgültig dem Klischee der Trainingsjacken-Indie-Jungs.

John Cale
Paris 1919
Reprise, 1973
Wer weiß schon, was die surrealistische Poesie von „Antarctica Starts Here“ zu bedeuten hat, doch für ein einziges Mal erschienen das rätselhafte Kammerpop-Songwriting des überbegabten Komponisten John Cale mit all seinen Romantizismen elegant und jede Verschrobenheit genießbar.

Pet Shop Boys
Please
Parlophone, 1986
Natürlich ging es in den 80er-Jahren nicht nur kalifornischen Rock-, sondern auch britischen Popbands ums Geldverdienen, aber niemand sang derart sarkastisch darüber. Aufsteigerträume wie „Suburbia“ paarten sich mit Finanztipps: „Opportunities (Let’s Make Lots Of Money)“.

The Knife
Silent Shout
Mute, 2006
Schattiger Electro aus Schweden. Das Duo Olof und Karin Dreijer verortet sein Band-Ethos auf dem dritten Album mit der Aura der Rave-Kultur. Ihr Video zu „Silent Shout“ flirtet gleichermaßen mit Comic Culture wie mit bildender Kunst. Klangdesigner mit Schmackes.

James Blake
James Blake
Polydor, 2011
Die ganze Nacht über den Laptop gebeugt, jedes Detail präzise platzierend: so stellt man sich den jungen Künstler bei der Arbeit vor. Blake verbindet kalte basslastige Elektronik mit hyperemotionalem Gesang, legt so viel Soul in die Stimme, dass es selbst ChatGPT zu Tränen rührt.

Peter Fox
Stadtaffe
Downbeat/Warner, 2008
Die 17 Jahre lang einzige Soloplatte des Sängers der Reggaeband Seeed ist eine ambivalente Hommage an seine Heimatstadt Berlin. Mit dem Produzententeam The Krauts hat Fox ein zeitloses Meisterwerk erschaffen, das sich rhythmisch zwischen Konkretem und Allgemeingültigkeit bewegt.

Dr. Dre
The Chronic
Death Row, 1992
Der Klassiker des G-Funk rollt auf dicken Schlappen, schwer beladen mit alten Soul-Samples, soft und smooth im Sound – aber immer hundertprozentig Gangsta. Eine schillernde afroamerikanische Kunstwelt, die leider oft als alternatives Disneyland missverstanden wurde.