ROLLING STONE hat gewählt: Die 500 besten Alben aller Zeiten

Die 500 besten Alben aller Zeiten – vom ROLLING STONE gewählt. Ein Überblick über Musikgeschichte, Meisterwerke und Kultklassiker.

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Empfehlungen der Redaktion
120

Grace

Jeff Buckley

Columbia, 1994

Ätherisch erhobene Arrangements durchqueren diverse Genres, von Alternative bis Jazz, während Jeff Buckleys anrührende Vier-Oktaven-Stimme über allem thront. Die Intensität und Hingabe auf seinem einzigen Studioalbum sind kaum in Worte zu fassen. Und niemand hat Cohens „Hallelujah“ je ergreifender interpretiert. (ISM)

119

Talk Talk

Laughing Stock

Verve, 1991

Musik, die klingen soll wie ein Raum, den man betreten kann. Die Perfektionisten Mark Hollis und Tim Friese-Greene arbeiteten ein Jahr lang mit über 50 Musiker:innen an diesem abstrakten und sublimen Nachfolger des bereits radikalen „Spirit Of Eden“. Eine Synthie-Pop-Band auf dem Weg in die Stille.

118

D.A.F.

Alles wird gut

Virgin, 1981

Maschinen, die schwitzen. Männer, die schwitzen. Sätze, die schwitzen. Es geht um Liebe, Sex, Körper, Masochismus, Sadismus, Hitler und Mussolini. Es geht also um alles. Und alles ist gut. Das radikalste, visionärste Album der deutschen New Wave. Es brachte Disco auch zu Menschen, die Tanzen für unseriös halten.

117

Radiohead

In Rainbows

Eigenvertrieb/XL, 2007

Nie klangen Rock und Elektronik bei Radiohead harmonischer. Nigel Godrichs Produktion steckt voller Echos, tief-frequenter Schallwellen, abrupter Höhenmodulationen. Und Thom Yorke singt: „15 steps, then a sheer drop.“ Allein zu „Videotape“ gibt es einige YouTube-Tutorials über den „geheimen Drumrhythmus“.

116

Sonic Youth

Daydream Nation

Enigma, 1988

Mehr als nur ein weiteres Post-Punk-Album: Dissonante Riffs und abstrakte Kompositionen stellen den alternativen Konsens infrage. In „Daydream Nation“ spiegeln sich futuristische Paranoia und dystopische Zukunftsgedanken, die für die späten Achtziger unausweichlich schienen. Post-Punk, here we go.

115

Billie Holiday

Lady Sings The Blues

Clef, 1956

Bei den Sessions aus den Jahren 1954 bis 1956, bei denen Lady Day unter anderem von Kenny Burrell und Paul Quinichette begleitet wurde, hatte ihr Gesang nicht mehr die Brillanz früherer Aufnahmen. Doch sie kompensiert die fehlende Präzision mit enormer Präsenz und einer dem Leben abgerungenen Tiefe.

114

PJ Harvey

Let England Shake

Island, 2011

Eine Frau stellt sich über ihr Land. Was sie sieht, ist ein ausbeuterisches, bellizistisches Regime, das sich den Anschein einer liberalen Demokratie gibt. Und sie sieht, wie aus Menschen Mörder werden. „Let England Shake“ klingt so majestätisch und zerschossen wie ein bröckelndes Empire.

113

Bruce Springsteen

Born In The U.S.A.

Columbia, 1984

Eins der erfolgreichsten Alben aller Zeiten, natürlich. Nach „Nebraska“ kam Springsteen mit lauter sensationell mitreißenden Hymnen zurück – vom Titelsong angefangen bis zum melancholischen Ende mit „My Hometown“. 47 Minuten, die bis heute definieren, was Rockmusik bedeuten kann.

112

Dexys Midnight Runners

Searching For The Young Soul Rebels

EMI, 1980

Punk und Soul standen sich in Großbritannien näher als anderswo. Kevin Rowland und seine Band kreuzten den Uptempo-fixierten Northern Soul mit Van Morrison, gaben sich klassenkämpferisch und liebeskrank und nahmen das leidenschaftlichste Debüt der frühen Achtziger auf.

111

Kendrick Lamar

good kid, m.A.A.d city

Aftermath/Interscope, 2012

Auf seinem zweiten Album breitet Kendrick Lamar sein Leben auf den drogen- und gewaltverseuchten Straßen seiner Heimatstadt Compton aus. Die raue Wirklichkeit, eingebettet in smoothe, verträumte, atmosphärische Sounds. Klug, reflektiert, komplex. Gangsta-Rap, gegen sich selbst gewendet.

110

Milton Nascimento & Lô Borges

Clube da Esquina

Odeon, 1972

Das „white album“ des Tropicalismo, nur dichter und abgefahrener. „Clube da Esquina“ ist ein albumgewordenes Zauberland. Der Bossa-Erneuerer Nascimento und der erst 20-jährige Lô Borges nehmen die mal sonnigen, mal rätselhaften Stücke zur Zeit der Militärdiktatur auf.

109

A Tribe Called Quest

The Low End Theory

Jive, 1991

Ein Höhepunkt des Conscious Rap, ein neuer, lässiger und minimalistischer Sound, geprägt von Breaks und Jazz-Samples. Oft brauchte es nicht mehr als Bass, Drums, eine Trompete und den Rap. „Check The Rhime“ ist das beste Beispiel dafür, wie der Tribe aus New York 1991 das neue Cool erfand.

108

Beastie Boys

Check Your Head

Capitol, 1992

Die jüdische Hardcore-Punk-Crew kehrt nach dem eklektischen HipHop-Großwerk „Paul’s Boutique“ zu den Wurzeln zurück. Sequenzer beiseite – sie lassen ihre Reime um Gitarre, Bass und Drums kreisen. Der Ursprung auch der selbstständigen Konzeptband mit Studio, Printmagazin und dem Label Grand Royal.

107

Miles Davis

In A Silent Way

Columbia, 1969

Die mit großem Ensemble an einem Tag eingespielte blaue Stunde des Fusion brachte die Jazz-Puristen auf. Der ozeanische Sound, der hier durch die magische Verbindung von Fender Rhodes und Orgel entstand, sollte Jahre später in der Ambient Music und dem Werk so mancher Krautrock-Band widerhallen.

106

U2

The Joshua Tree

Island, 1987

Eins der sehr wenigen Alben, auf denen nichts Überflüssiges ist, sondern die Essenz der Band, wie sie damals war – auf der Suche, mit großen Augen und großem Herzen, einem großen Sendungsbewusstsein und, ja, einem großen Ego auch. Gleich drei Hits als Einstieg, wie alle Songs voller Leidenschaft und Tiefe.

105

AC/DC

Highway To Hell

Atlantic, 1979

Der internationale Durchbruch der Band und der letzte Streich des allmächtigen Sängers Bon Scott. Was für eine schöne Seele in dem Mann wohnte, zeigt sich gar nicht unbedingt in den härteren Hitnummern (wobei es auf diesem Album eigentlich nur Hits gibt), sondern im Slow-Blues-Shuffle "Night Prowler".

104

The Beatles

A Hard Day’s Night

Parlophone, 1964

Schwarz-weiß war einfach schöner. Wie im gleichnamigen Film hüpfen die Beatles schwerelos und sinnlos, kichernd und tatendurstig über Liebeslieder, die ihre Peergroup nicht überfordern. Und sie schaffen es dennoch, dabei musikalisch ein Fass aufzumachen: 13 Lennon/McCartney-Songs, 13 Ideen. Respekt!

103

Erykah Badu

Baduizm

Kedar, 1997

Aufsehenerregendes Debüt der Turban tragenden Soul-Sängerin. Kühle, reduzierte HipHop-Beats treffen auf Badus warmen Gesang, ein jazzy Flow zieht sich durch die 14 Tracks, Kritiker fühlten sich an Portishead und Billie Holiday erinnert, Jazz-Puristen an Betty Carter.

102

Neil Young

Harvest

Reprise, 1972

Aufgenommen in Nashville und voller Songs, die zu Klassikern wurden: „Old Man“, „The Needle And The Damage Done“, „Alabama“. Young vermittelte ein Lebensgefühl.“Harvest“ war sein kommerzieller Durchbruch und das Album, das ihn endgültig in den Olymp erhob.

101

Pearl Jam

Ten

Epic, 1991

„Ten“ von Pearl Jam gilt als eines der besten Alben der 1990er Jahre. Mit Hits wie „Alive“, „Jeremy“ und „Even Flow“ etablierte die Band ihren einzigartigen Grunge-Sound und wurde zu einer der wichtigsten Bands dieser Ära. Das Album ist ein Meilenstein des Alternative Rock.

100

Ramones

Ramones

Sire, 1976

Mit ihrem Debütalbum revolutionierten die Ramones die Rockmusik. Die 14 Songs sind knallharte, energiegeladene Punk-Rock-Hymnen, die die Grundlage für eine ganze Generation von Punkbands bildeten. Die Ramones prägten nicht nur den Sound, sondern auch das Image des Punk-Rock.

99

N.W.A

Straight Outta Compton

Priority, 1988

Die Supergruppe um Dr. Dre, Ice Cube und Eazy-E kehrt ihre Erfahrungen von Gettokriminalität, Rassismus und Polizeiwillkür in wütende Kampfansagen und Ermächtigungsfantasien um. Die Westcoast wurde zur Hip-Hop-Macht. Einst wegen Gewaltverherrlichung und Sexismus gebrandmarkt, gilt ihr Debüt heute als Monument des Hardcore Gangsta Rap. (FC)

98

Elliott Smith

Either/Or

Kill Rock Stars, 1997

Über Elliott Smith ist gesagt worden, er lasse eine Gitarre klingen wie zwei und zwei wie vier. Es sind die traurigsten Gitarren. Seine Akkordfolgen sind ebenso raffiniert wie intuitiv, er ist mehr Komponist als Songwriter, aber hier ist er noch Komponist ohne Orchester. Er singt nah ins Mikro, flüstert dir ins Ohr. Depeschen aus der Depression. Was er im Leben nicht konnte, gelang ihm in der Kunst: "Say Yes." (JJ)

97

Pink Floyd

Wish You Were Here

Harvest, 1975

Syd Barrett erscheint im Studio, aber er ist schon da, vor allem in der überlangen Meditation über die Abwesenheit "Shine On You Crazy Diamond", aber auch im Titellied. Pink Floyd entwickeln einen im Vergleich zum Vorgänger viel eleganteren, manchmal gleißenden Sound. Rick Wright entwirft fantastische Synthesizerklänge, David Gilmour spielt die Soli seines Lebens. (JS)

96

Slayer

Reign In Blood

Def Jam, 1986

Mit seiner ersten Metal-Produktion verlieh Rick Rubin der Band eine im Genre ungekannte Präzision und Schlagkraft. Nackenbrechende Rhythmen, Gitarrensoli wie zornige Hornissen, gebellte Satzfetzen, die in pubertärer Erregung von Mord, Verstümmelung, Satan und leider auch dem Holocaust künden. "Reign In Blood" bleibt die ewige Instanz für kompromisslose Härte. (FC)

95

Can

Ege Bamyası

United Artists, 1972

Can schlossen die avantgardistischen Einflüsse von Karlheinz Stockhausen und der Minimal Music mit rohem Funk, raffiniertem Jazz und dem einzigartigen Gesang des ehemaligen Straßenmusikers Damo Suzuki kurz. "Ege Bamyası" ist zugänglicher als der ungestüme Vorgänger "Tago Mago". Die Single "Spoon", Titelmusik des TV-Thrillers "Das Messer", wurde sogar ein Hit. (JZ)

94

Solange

A Seat At The Table

Columbia, 2016

Mit ihrem dritten Album trat Solange Knowles 2016 aus dem Schatten ihrer großen Schwester Beyoncé und schuf ein makelloses, fast überinszeniertes Meisterwerk: Conscious Soul, so stylish wie sensibel, auch funky und psychedelisch, immer präzise und unmissverständlich. Sie fordert ihren Platz am Tisch – und Selbstermächtigung war damals noch kein Buzzword. (SZ)

93

David Bowie

Blackstar

Columbia, 2016

Den skelettartigen Major Tom, der im Video zum Titelsong der Ewigkeit entgegentreibt, hätte man als Ansage lesen können: Als größtmögliches Finale inszenierte Bowie sich im Duett mit dem Tod. Das ausufernde Schlussstück klingt wie ein Aufbruch in die Nacht, wehmütig und gelöst zugleich. Zwei Tage nachdem der schwarze Stern erschien, ging Bowie in die Unendlichkeit. (FP)

92

Oasis

Definitely Maybe

Creation, 1994

Das Debüt mit „Supersonic“ und „Live Forever“ rebelliert gegen die vorhersehbare Leere des Lebens, ohne die Hoffnung zu verlieren – nach der Grunge-Implosion um Seattle eine willkommene Abwechslung. Für Britpop-Fans eine Offenbarung, für die Gallaghers der Anfang ihrer damals noch gemeinsamen Karriere, zu der sie sich im Opener „Rock ’N’ Roll Star“ großspurig bekennen.(KB)

91

The B-52’s

The B-52’s

Warner, 1979

Why don’t you dance with me? Es gibt keinen Grund! Wer die hinreißende, demokratische, dynamische Energie, die aus diesen Songs sprüht, nicht spürt, ist doof und ein Limburger Käse. Die Band aus Athens knallt ihr Beehive-gestärktes New-Wave-Debüt all jenen vor den Latz, die sich in den späten Siebzigern in die Seriosität ihrer jeweiligen Szenen zurückziehen wollten. (ZYL)

90

Black Sabbath

Paranoid

Vertigo, 1970

Die Band als Bösewicht: Mit okkulter Koketterie brachten die „Sab Four“ das Konzept der comic-haften Corporate Identity in die Rockwelt. Der Brachialtango von „Iron Man“ wurde zur Urzelle des Heavy Metal, die sich bis heute in Abertausenden Riffs weiter teilt. Viele versuchten den bleischweren Groove nachzuahmen, selbst Cindy & Bert coverten „Paranoid“.(FP)

89

Can

Tago Mago

United Artists, 1971

"Diese Burschen sitzen auf hölzernen Stühlen und spielen elektrische Instrumente. Es wäre besser, wenn sie auf elektrischen Stühlen säßen und hölzerne Instrumente spielen würden." So beschrieb ein Schweizer Journalist Anfang der Siebziger ein Konzert von Can. „Tago Mago“ ist ihre beste Platte, insbesondere wegen der Improvisations-Epen „Halleluwah“ und „Aumgn“.(JB)

88

Van Morrison

Astral Weeks

Warner, 1968

Van Morrison führt uns vor, wie man mit Musik auf eine spirituelle Reise gehen kann. Mit schwebenden, in Trance gespielten Liedern, die irgendwo anfangen und irgendwo aufhören, die hoch hinauswollen aus dem Profanen und deren Protagonisten bloß einen Kuss brauchen, um wiedergeboren zu werden. Es ist ekstatischer Folk-Soul-Jazz als organische Form, in Zungen gesungen.(JS)

87

Björk

Debut

One Little Indian, 1993

Die Ex-Sängerin der Sugarcubes debütierte mit einem Soloalbum, das die Pop-Welt zum Staunen brachte. House, Jazz, Trip-Hop und der exaltierte Gesang der Isländerin wirbeln hier wild durcheinander und finden doch auf eine fast natürliche Weise zusammen. Die grandiosen Videos zu "Human Behaviour" und "Venus As A Boy" laufen heute in Kunstausstellungen.(JZ)

86

Miles Davis

Bitches Brew

Columbia, 1970

James Brown und Karlheinz Stockhausen? Okay! Ergab im Universum von Miles Davis ungefähr das, was "Bitches Brew" ausmachte. Nicht die erste Jazzrock-Platte, aber doch ein durch und durch erfolgreicher Höllenritt. Hat schon am Start eine halbe Million Exemplare verkauft. Fusion war gekommen, um zu bleiben. "Bitches Brew" machte Schule (und Geschichte).(PH)

85

De La Soul

3 Feet High And Rising

Tommy Boy, 1989

Omas und Opas erzählen von einer der größten Debüt-LPs ever, allein die streamende Jugend mag ihnen kaum mehr glauben, war dieser zündende Moment der Hip-Hop-Historie bisher doch wegen rechtlicher Dispute – zunächst über Tausende Samples, dann zwischen der Band und ihrem Ex-Label – auf digitalen Plattformen bis 2023 unauffindbar.(RR)

84

Elvis Presley

Elvis Presley

RCO Victor, 1956

Am 28. Januar 1956 entdeckte Amerika seinen neuen König. Elvis Presley hatte seinen ersten landesweiten TV-Auftritt in der CBS-"Stage Show". Fünf weitere folgten. "Heartbreak Hotel" kletterte an die Spitze der "Billboard"-Charts, und Ende März erschien das Debütalbum: eine explosive Mischung aus Rockabilly, Blues, R&B, Country und Pop. (MB)

83

Blumfeld

Old Nobody

Black Cat, 1999

Statt Indie-Rock zelebrierte Jochen Distelmeyer nun die großen Gefühle des Pop, von manchen als Seichtigkeit missverstanden. Abgespeckte Sprache ermöglichte einfachere Identifikation – Blumfeld reichten uns die Hand, wollten verstanden werden: Michael Girkes "Kommst Du mit in den Alltag" als Eintritt in die Normalbiografie des Nicht-mehr-Träumers. (SN)

82

Frank Ocean

Channel Orange

Def Jam, 2012

81

The White Stripes

Elephant

XL/Beggars, 2003

„Elephant“, wie auch seine minimalistischen Garagen-Bluesrock-Vorgänger, wurde in wenigen Tagen aufgenommen, war trotzdem das bis dahin elaborierteste Album des Duos – und dank der Hymne „Seven Nation Army“ auch das erfolgreichste. Led Zeppelin sind nicht fern, und ausgerechnet Burt Bacharach gibt vor, worum es hier geht: „I Just Don’t Know What To Do With Myself“. (MV)

80

Rage Against The Machine

Rage Against The Machine

Epic, 1992

So klingt die Wut zusammengekocht, komprimiert zu acht Zeilen, die wichtigsten – „Some of those that work forces/Are the same that burn crosses“ – bringen das gesamte beschissene, strukturell abgründig tief sitzende Rassismusproblem der USA auf den Punkt. Zack de la Rocha ist ausnahmslos authentisch, Tom Morello lässt seine Gitarre schreien. (ZYL)

79

Oasis

Creation, 1995

"Wir sind die Band, auf die ihr alle gewartet habt", tönten Oasis 1994 großspurig. Und lösten das vollmundige Versprechen umstandslos ein. Nicht zuletzt mit dieser zweiten LP, die den Britpop-Boom zum Exportschlager machte. Es war eine aufregende Zeit unter dem Rule-Britannia-Banner, trotz des Flirts mit Tony Blair, drei famose Alben lang, immerhin. (WD)

78

Daft Punk

Homework

Virgin, 1997

Disco als Verheißung und Ort der Freiheit. Zwei junge Franzosen, Thomas Bangalter und Guy-Manuel de Homem-Christo, beleben sie Mitte der Neunziger mit ihrer Single "Da Funk" und schließlich ihrem Debütalbum neu, mit Loops und Filtern, mit Wiederholung und Verzögerung, mit ekstatischen Momenten, Hysterie und Hedonismus. Und irgendwann kommt immer der Bass. (SZ)

77

Kate Bush

The Kick Inside

EMI, 1978

Eine Teenagerin, die komplexe Songs wie "Wuthering Heights" schreibt, umgeben von mächtigen Männern wie Produzent Andrew Powell oder Mentor David Gilmour, dazu genügend Industrie-Cash, um ihr Debüt sechs Jahre lang anzubahnen – wie konnte das gut gehen? Kate Bush war stur und klug genug, ihre eigenwillige Vision gegen wohlmeinende Ratschläge durchzusetzen. (RR)

76

Scott Walker

Scott 4

Philips, 1969

Als konsequente Fortentwicklung der drei Vorgänger sah Scott Walker sein viertes Soloalbum, weg von eher klassischen Balladen, hin zu eigenen, immer undurchdringlicheren Songs. Zum Beispiel "The Seventh Seal", basierend auf einem Film von Ingmar Bergman über einen Ritter im Mittelalter, der sich auf eine Partie Schach mit dem Tod einlässt. Absorbierend! (WD)

75

The Stooges

The Stooges

Elektra, 1969

74

The Rolling Stones

Let It Bleed

Decca, 1969

73

AC/DC

Back In Black

Atlantic, 1980

Produzent Mutt Lange weist dem neuen Sänger den Weg in die allerhöchsten Keifregister. Man hört Brian Johnson an, dass er seine Gesundheit ruiniert, um sich seines großen Vorgängers Bon Scott halbwegs würdig zu erweisen. Das klappt auch darum so gut, weil der Fundus an Riffs, die direkt aus den Triebdrüsen von Teenagern gewonnen werden, immer noch unerschöpflich scheint. (FS)

72

Ton Steine Scherben

Keine Macht für Niemand

David Volksmund, 1972

Keine Stimme agitiert besser als die von Rio Reiser (und keine unterscheidet sich stärker von unserer Stimmen-Agitations-Vergangenheit). Seine Textdramaturgie ist perfekt, die Scherben haben die richtigen Sätze, die richtige Attitude, die richtigen Akkorde und die richtige Energie, um die Welt zu verändern. Dass es nicht geklappt hat, ist zum Heulen. (ZYL)

71

Joni Mitchell

Hejira

Asylum, 1976

Der Albumtitel ist der Begriff für die Reise Mohammeds. Joni Mitchell war nach dem Ende einer Liebe (mit John Guerin) im Auto in die Wüste gefahren. In „Amelia“ erinnert sie in einer Allegorie an den Alleinflug und das Verschwinden der Amelia Earhart: „Amelia, it was just a false alarm.“ Jaco Pastorius spielt die herrlichsten Fretless-Bass-Läufe. (AW)

70

Neu!

Neu!

Brain, 1972

Eine der glühenden, rumpelnden Sonnen des Krautrocks, von so erstaunlicher musikalischer Schönheit, dass diese sechs Tracks eventuell sogar den fernen Tod unserer eigenen irdischen Sonne überdauern werden. Neu!, ursprünglich ein Ableger der frühen Kraftwerk, lassen ihre Musik in unerbittlichem Motorik-Viervierteltakt durch die Zeit gleiten, lebendig, sperrig, bis heute unverwüstlich. (SZ)

69

Pixies

Surfer Rosa

4AD, 1988

Auf dem Cover sehen wir eine barbusige Tänzerin, einen zerrissenen Vorhang, ein Kruzifix: Sexualität und Religion, Trieb und Schuldgefühle. Black Francis betet, will Sex, aber alles tut weh. Songs voller Abseitigkeiten, verbunden durch Dialogzeilen des Grauens („I said you fucking die“) und der Selbstironie („There were rumours he was into field hockey players“). (SN)

68

Metallica

Master Of Puppets

Elektra, 1986

Die perfekte Legierung aus berückend eingängigem Schönklang und brachialem Riff-Geballer. Thrash Metal mit melodischer Raffinesse ist also kein Widerspruch. James Hetfield zerknurrt grandios die Hooklines, aber noch generieren Gitarren den melodischen Überschuss. Und so kommt das beste Metallica-Stück aller Zeiten, das überirdische „Orion“, sehr gut ohne Gesang aus. (FS)

67

Talking Heads

Remain In Light

Sire, 1980

Brian Eno und David Byrne führen weiter, was sie auf „Fear Of Music“ (1979) begannen. Und wie! Der Post-Punk-Funk, die dissoziierten Texte, die afrokubanischen Rhythmen und das gute Gespür für ebenso kantige wie unwiderstehliche Hooks sind fabelhaft. Berühmt wurde „Once In A Lifetime“, das beunruhigende Lied über das Erwachen aus der Hypnose des Alltäglichen. (JS)

66

Paul Simon

Graceland

Warner, 1986

Siri, was ist kulturelle Aneignung? Kein Album ist so schwer und so leicht zu lieben wie „Graceland“. Paul Simons Neigung zum Leichten, zugleich Komplexen, seine mühelosen Melodien, die sich wunderschön mit den fröhlichen Jams verbinden, die er in Johannesburg aufgenommen hat, mit Bakithi Kumalos aberwitzigen Bassläufen und den Chören von Ladysmith Black Mambazo. (JJ)

65

The Cure

Disintegration

Fiction, 1989

Der mittlere Teil des Triptychons mit „Pornography“ und „Bloodflowers“. Nach „Kiss Me, Kiss Me, Kiss Me“ schrieb Robert Smith diese ausschweifenden, mäandernden Welt-schmerz-Etüden mit flächigen Keyboardkaskaden. Schwelgerische Traurigkeit liegt in den überlangen Stücken, und Smiths Gesang klingt wie Weinen. Das dunkelste Lied klingt am heitersten: "Lovesong". (AW)

64

Fehlfarben

Monarchie und Alltag

Welt-Rekord, 1980

Meisterwerk des deutschen Punk und Manifest einer Generation. Noch heute singen und murmeln wir bei Konzerten mit: „Was ich haben will, das krieg ich nicht. Und was ich kriegen kann, das gefällt mir nicht.“ Altersgenossen denken an die hölzernen Kneipen jener bleiernen Zeit. Flipper in der Ecke, RAF-Logo auf dem Klo, Aschenbecher immer randvoll. (JZ)

63

The Slits

Cut

Island, 1979

Debüt und zentrales Werk des feministischen Londoner Bandprojekts um Sängerin Ari Up, formiert 1976 im Aufgalopp des Punk. Später kommt Gitarristin Viv Albertine dazu. Die Songs sind chaotisch, aggressiv, rhythmisch, kompromisslos. Sie bleiben geniale Dilettantinnen, die live keiner Konfrontation mit dem Lederjackenpublikum ausweichen. 1981 ist ihre Aufgabe beendet. (RN)

62

The Jimi Hendrix Experience

Electric Ladyland

Track, 1968

Jimi Hendrix wollte das Trio-Konzept seiner Experience transzendieren und lud Musiker ins Studio ein. Die Aufnahmen, unterbrochen von lukrativen Gigs, dauerten über ein Jahr und kreuzten weiße und schwarze Musikgeschichte mühe- und übergangslos. Es ist immer noch ein Rock-Album, aber eines, „das dabei ist, sich in etwas ganz anderes zu verwandeln“ (David Stubbs). (FS)

61

Talk Talk

Spirit Of Eden

Parlophone, 1988

Die Antithese zum Synthie-Pop der Achtziger. In einem weiten, von Kerzen und Ölrädern beleuchteten Kirchenschiff ließen Songwriter Mark Hollis und Produzent Tim Friese-Greene Dobro-Gitarristen, Trompeter, Oboisten, Organisten und Geiger zu Rhythmus-Tracks improvisieren und mischten daraus eine Musik, die klang, als würde eine Jazzband Kirchenlieder spielen. (MB)

60

The Doors

The Doors

Elektra, 1967

Mit „Break On Through“ eröffneten die Doors ihr Debüt gleich nervenaufreibend. Jim Morrisons Schreie aus dem tiefen Nichts, dazu Ray Manzareks dominante Orgel, John Densmores Groove und Robby Kriegers Feinsinn ergeben einen vielschichtigen, faszinierenden Sound. Und „The End“ ist das dunkelste Stück Rockmusik, das man sich 1967 vorstellen konnte. (BF)

59

The Rolling Stones

Exile On Main St.

Rolling Stones, 1972

Der Mythos geht so: Steuerflucht, Südfrankreich, Jetset, Heroin, nächtliche Sessions im kalten Kellergewölbe einer südfranzösischen Belle-Époque-Villa, bei denen immer irgendwer fehlte, Gram Parsons und William S. Burroughs schauten vorbei. Widrige Umstände, die auch Pop-Millionäre an den Rand des Blues trieben und sie zu ihrem beseeltesten Album inspirierten. (MB)

58

The Rolling Stones

Beggars Banquet

ABKCO, 1968

57

Grace Jones

Nightclubbing

Island, 1981

Die Godmother of Diversity und ihr bestes Album: Chris Blackwell holt die androgyne Disco-Diva 1980 in seine Compass Point Studios auf die Bahamas und spielt mit ihr zwei Dutzend Songs (darunter Covers von Bill Withers bis Astor Piazzolla) in einem eigens kreierten New-Wave-Reggae-Dub ein. Heute ist „Nightclubbin“" längst so ikonisch wie die Königin selbst. (SZ)

56

Public Enemy

It Takes A Nation Of Millions To Hold Us Back

Def Jam, 1988

"Bass, how low can you go?", skandiert Chuck D zu kreischenden Sirenen. Unterlegt von einem dichten Scratch- und Sample-Gewebe, das sich neben den üblichen Funk-Quellen aus diversem Geräusch zu einer Wall of Noise fügt, schufen sie mit ihrem zweiten Album ein wütendes Hip-Hop-Äquivalent zu Marvin Gayes „What’s Going On“. (FC)

55

Missy Elliott

Supa Dupa Fly

Elektra, 1997

Zusammen mit ihrem musikalischen Partner Timbaland zielte die Rapperin und Produzentin geradewegs in die Zukunft. „Supa Dupa Fly“ war der Auftakt einer Reihe von feministisch grundierten und musikalisch betont futuristischen Hip-Hop-Neuerfindungen. Umgeben von einem Weltklasseteam schüttelt Queen Missy völlig neue Rap-Stile und Beats aus dem Ärmel. (JZ)

54

The Who

Who’s Next

Track, 1971

Aus Pete Townshends gescheiterter Science-Fiction-Opern-Konzept "Lifehouse" destilliert Ko-Produzent Glyn Johns eine kohärente Einfach-LP voller Klassiker, von „Baba O’Riley“ bis „Won’t Get Fooled Again“. Dabei duellieren sich John Entwistle und Keith Moon in Bestform mit von Townshend programmierten Synthesizer-Tracks, und Roger Daltrey reift zum Rockgott. (RR)

53

The Beatles

Rubber Soul

Parlophone, 1965

Zwei Jahre vor dem psychedelischen Global High deuten die Beatles auf Robert Freemans düsterem, seltsam verzogenem Coverfoto Veränderung an. Die Musik macht klar: Out mit den weiß-westlichen Instrumenten, an denen sich die Silhouetten identifizieren ließen, in mit dem sexy fuzzy Indian stuff. Es geht nicht mehr um Mainstream. Sie machen ihre nowhere plans for nobody. (ZYL)

52

The Specials

The Specials

2 Tone/Chrysalis, 1979

Der berühmte „Tritt gegen das Tanzbein“ aus Coventry, der den Auftakt zum Ska-Revival der Spätsiebziger markiert. Musikalischer Kopf ist Jerry Dammers, Terry Hall singt mit unverkennbarer Stimme. 2 Tone wird zu einer Lebens- und Soundphilosophie, die die karibischen Wurzeln im englischen Pop, als Alternative zum weiß dominierten Punk, swingend fortschreibt. (RN)

51

The Rolling Stones

Sticky Fingers

Rolling Stones, 1971

Erstmals auf ganzer Länge mit Mick Taylor an der Gitarre trägt die Band ihr Herz für Roots-Rock auf der hier erstmals in Erscheinung tretenden Zunge. Sessionmaterial aus dem Muscle Shoals Sound Studio in Alabama, darunter „Wild Horse“ und „Sister Morphine“, strotzt neben genuinem Country Rock wie „Dead Flowers“ nur so vor Americana-Authentizität im Britrock-Kontext. (FT)

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50

Hole

Live Through This

DGC, 1994

Courtney Love wirkte gefährlich. Und irre begehrenswert. Wie die Musik ihrer Band Hole. „Watch me break and watch me burn“, singt Love in „Miss World“ – eine Zeile, die klingt wie eine Vorahnung, denn ein halbes Jahr nach dem Ende der Aufnahmen und eine Woche vor der Veröffentlichung von „Live Through This“ im April 1994 nahm sich Loves Ehemann Kurt Cobain das Leben. (SZ)

49

Guns N’ Roses

Appetite For Destruction

Geffen, 1987

48

Prefab Sprout

Steve McQueen

Kitchenware/Columbia, 1985

Das zweite Album von Prefab Sprout als Manifest des englischen Sophisti-Pop zu bezeichnen, könnte den Zugang zu diesen erhebenden Liedern erschweren. Unter dem brillanten Sound schlägt das wilde Herz eines Romantikers, der Liebes- und Eifersuchtsdramen mit unvergleichlicher Anmut bestaunt. „Steve McQueen“ ist New Wave plus Smooth Soul, John Keats plus Gershwin. (MG)

47

Sex Pistols

Never Mind The Bollocks ...

Virgin, 1977

Das eigentliche Ereignis waren natürlich die Singles „Anarchy In The U.K.“, „God Save The Queen“, „Pretty Vacant“ und „Holidays In The Sun“, die dann später auf dem ersten und einzigen Studioalbum der britischen Pionier-Punks enthalten waren. Die anderen Songs sind aber auch nicht übel. Alles Sicherheitsnadelstiche durch das Ohr des Britischen Empires. (FT)

46

Michael Jackson

Thriller

Epic, 1982

Ein Album der Superlative mit sieben Top-Ten-Singles, bahnbrechend für Popmusik, Gesang, Performance und Videokunst. Es bietet alles für jeden: Rock, Soul, Funk, McCartney, Toto und Eddie Van Halen. Dabei erzählt Jackson mit Tracks wie „Billy Jean“ und „Wanna Be Startin’ Somethin’“, wie glatt und brüchig die perfekt polierte Oberfläche ist, auf der er tanzt. (FC)

45

Blondie

Parallel Lines

Chrysalis, 1978

Mit ihrem dritten Album ließen Blondie die CBGB-Punk-Szene weit hinter sich und eroberten die Welt. „Heart Of Glass“ wurde von einem vier Jahre alten Rock-Reaggae-Demo zur leuchtenden Disco-Nummer und das Zugpferd der Platte. Blondie waren eine Band, doch die Manifestation von Frontfrau Debbie Harry als stilprägende Ikone war nicht mehr aufzuhalten. (NWG)

44

Bruce Springsteen

Born To Run

Columbia, 1975

Er sei während der Aufnahmen gestorben und wiedergeboren, sagte Springsteen später. Zeit dafür war genug, denn er arbeitete ein Jahr daran. Der Titelsong war 1974 schon an Radiosender verschickt worden. Springsteen holte Steven Van Zandt und Jon Landau hinzu, änderte die Arrangements. Als die Platte fertig war, warf er das Acetat wütend in den Pool. (AW)

43

The Smiths

The Queen Is Dead

Rough Trade, 1986

Der Titel des dritten Smiths-Albums war seiner Zeit um 36 Jahre voraus. Auch die Lage des Landes in der eiskalten Thatcher-Ära, die Morrissey im Titelsong besingt, ist heute ähnlich prekär, seine eigene allerdings hat sich verschlechtert. So originell wie auf dieser Platte hat er nie wieder getextet, so virtuos wie bei diesen Tracks hat Johnny Marr nie wieder die Sixties belehnt. (MB)

42

Lauryn Hill

The Miseducation Of Lauryn Hill

Ruffhouse/Columbia, 1998

Mit ihrem Solodebüt wurde die Ex-Fugees-Sängerin Lauryn Hill 1998 zum letzten Soul-Superstar des 20. Jahrhunderts. Ein Album von dringlicher Sozialkritik und alles umarmender Spiritualität, vorgetragen im weichen Patois der Karibik, gehalten und getrieben von den avanciertesten Beats jener Zeit, scharf zugefeilt und wunderbar groovend. (JB)

41

Neil Young

Harvest

Reprise, 1972

Neil Young hat sehr viele Platten und sehr viele sehr gute gemacht, aber „Harvest“ ist die erfolgreichste und die bekannteste. Die Straßenmusiker spielen am liebsten „Heart Of Gold“. Young selbst spielt gern „Old Man“ und „The Needle And The Damage Done“. In den letzten Jahren wurde das bizarre „A Man Needs A Maid“ überraschend populär, etwa bei Dave Gahan und den Tindersticks. (AW)

40

Pink Floyd

The Dark Side Of The Moon

Harvest, 1973

Mit diesem Album lösten Pink Floyd sich endgültig von ihrer psychedelischen Phase und kondensierten ihre ausufernden Trip-Jams zu klaren Liedern. Das Album ist Waters’ erste große Kapitalismuskritik und eine mitfühlende Reflexion über den Tod. Der Star aber ist die Band, die Art-Rock-Jazz, Blues und Psychedelik unfassbar toll zusammenspielt. (JS)

39

Massive Attack

Blue Lines

Wild Bunch/Virgin, 1991

Eines der wichtigsten Alben der 90er-Jahre. Es dokumentiert die Geburtsstunde des TripHop, jenes bekiften, entschleunigten Grooves (hier am majestätischsten in „Daydreaming“), der nicht nur cool, sondern auch pathetisch und polyrhythmisch sein konnte: unsterblich in der zweiten Single des Albums, „Unfinished Sympathy“. Die Crew aus Bristol bleibt Maßstab für Downbeats. (SZ)

38

The Jimi Hendrix Experience

Are You Experienced

Track, 1967

Drei Singles waren schon erschienen, aber erst das Debüt bewies endgültig, was Hendrix über die zirzensische Live-Nummer hinaus musikalisch zu bieten hatte: Psychedelic, Blues, Jazz, Hardrock und eine Experimentierfreude, die alle elektroakustischen Errungenschaften der Zeit auf originäre Weise instrumentalisiert. So hat eine Gitarre nie zuvor geklungen. (FS)

37

Beyoncé

Lemonade

Parkwood, 2016

Das sechste Studioalbum der Queen of Pop ist eine Abrechnung mit dem ehebrechenden Jay-Z, an deren Ende die großzügige Versöhnung steht. Das Album, auch als Kurzfilm veröffentlicht, verwebt mit Adaptionen von Blues bis Rap, Features von Kendrick Lamar oder Jack White und Samples von Led Zeppelin bis Malcolm X auf höchstem Niveau politische und kulturelle Querverweise. (NWG)

36

Portishead

Dummy

Go! Beat, 1994

Von Triphop sprach noch niemand, als Beth Gibbons betörend schön zu außerirdisch anmutenden Samples von Geoff Barrow über Angst und Einsamkeit sang. Wenn man aus Bristol kam, war die Vertonung des Elends kein Kunstgriff. „Sour Times“, „Numb“ und „Roads“ schienen aber aus einer schwermütigen Zukunft zu kommen. War bald unheimliche Kunstvermissagen-Begleitmusik. (MV)

35

Kanye West

My Beautiful Dark Twisted Fantasy

Roc-A-Fella, 2010

Als der Zeiger auf der Genie-Wahnsinn-Waage noch (gerade so) in die richtige Richtung wies und Introspektion ihm noch halbwegs möglich war, kulminierten Kanyes Ambition, sein Größenwahn, sein Selbsthass, seine Fähigkeiten als Produzent und sein Geschmack als Kurator in diesem harten, heftigen, progressiven Hip-Hop-Album. (JJ)

34

R.E.M.

Automatic For The People

Warner, 1992

Nach „Losing My Religion“ zogen sich R.E.M. zurück und schufen in Rekordzeit ein Dutzend makellose Lieder über Magie und Verlust, Vergänglichkeit und Tod – mit den größten Melodien, den schönsten Orchesterarrangements (von John Paul Jones) und Texten voller Mitgefühl und Hoffnung. Es ist fast unfassbar, wie dem Quartett so ein Werk gelingen konnte. (BF)

33

Billie Eilish

When We All Fall Asleep, Where Do We Go?

Interscope, 2019

Eilish flüstert, und die ganze Welt hört zu: Als kreative Introspektive einer Teenagerin offenbart das daheim produzierte Album auf unkindliche Weise die Sorgen, Ängste und Wünsche der Generation Z – ein Segen für die Popwelt. Die Experimentierfreude mit ASMR-Anleihen deutet einen musikalischen Shift an, der sich nun nicht mehr aufhalten lässt. (KB)

32

David Bowie

Low

RCA, 1977

Den fahlen Weltraum-Vampir auf dem Cover hatte Bowie in Berlin bereits abgestreift. Mit Dreitagebart kam er in die Hansa Studios, wo er mit Krautrock im Ohr und Brian Eno am Pult aufgekratzten Avantgarde-Pop kreierte. „Sound And Vision“ mit Synth und Saxofon – nie mehr gestattete sich der Regisseur seines eigenen Mythos so viel Narrenfreiheit wie hier. (FP)

31

Prince And The Revolution

Purple Rain

Warner, 1984

Der Meilenstein des Funk-Rock, die Vereinigung von Schwarz und Weiß, der Titelsong eine Springsteen-Hommage und „When Doves Cry“ jener legendäre „Tanzflächen-Geniestreich ohne Bass“. Für die Textzeile „I met her in a hotel lobby, masturbating with a magazine“ aus „Darling Nikki“ wurde damals der „Warning: Explicit Lyrics!“-Sticker als Warnhinweis eingeführt. (SN)

30

Bob Dylan

Highway 61 Revisited

Columbia, 1965

Bob Dylan präsentiert das Pop-Album als geschlossenes Kunstwerk. Viele werden ihm folgen. Die Songs beschreiben eine wilde Reise durch die surreal verfremdeten Vereinigten Staaten. Der Songwriter, nicht länger Protestsänger, sondern ein hedonistischer New Yorker Hipster und Dichterfürst, erzählt den amerikanischen Traum auf LSD. (MB)

29

Aretha Franklin

I Never Loved A Man The Way I Love You

Atlantic, 1967

Ihr erstes Album mit dem Produzenten Jerry Wexler und das erste, bei dem sie weitgehende künstlerische Freiheit genoss, war ihr bis dahin erfolgreichstes. Gekrönt von Arethas Interpretation des Otis-Redding-Songs „Respect“, bei dem sie die Geschlechterrollen tauschte und das Lied zur Hymne der Bürgerrechtsbewegung machte. (SZ)

28

Stevie Wonder

Songs In The Key Of Life

Tamla, 1976

Aus einem Füllhorn afroamerikanischer Musik durchdringt Wonder in 21 Songs Schlüsselmomente menschlicher Existenz: Freude und Schmerz, Liebe und Hass, Geburt und Tod, Sehnsucht nach Transzendenz, Erkenntnis, Gerechtigkeit. Hier fühlt sich das Schwere oft leichter an, als es ist – und das Leichte nie banal. 104 magische Minuten, keine zu viel. (JF)

27

Joy Division

Unknown Pleasures

Factory, 1979

Ian Curtis singt von Selbsthass, Verzweiflung und Scham. Seine Stimme und die Musik seiner Band – den singenden Bass von Peter Hook, die splittrige Gitarre von Bernard Sumner, das sonderbar stolpernde Schlagzeug von Stephen Morris – stellt der geniale Produzent des Albums, Martin Hannett, in gewaltige, kalt hallende Räume hinein. Ein Album, das Leben verändert. (JB)

26

Kraftwerk

Trans Europa Express

Kling Klang, 1977

Die Schiene als Zukunft der Mobilität? Hier ist sie, bereits 1977: Ach, wäre das echte Europa doch nur so ordentlich, so endlos und so wohlklingend wie der Synthanorma Sequenzer, der als elektronischer Zugwurm über die Platte stampft. Die trockenen menschlichen Stimmen der Düsseldorfer sind auf ihrem sechsten Album, „Trans Europa Express“, nur noch da, um daran zu erinnern, dass vor der KI-Musik die frisierten Mensch-Maschinen Florian Schneider, Ralf Hütter, Wolfgang Flür und Karl Bartos die Beats bastelten. (ZYL)

25

Prince

Sign O’ The Times

Warner, 1987

Seinen größten Triumph formte Prince aus den Trümmern zweier gescheiterter Beziehungen: Er hatte sowohl seine Geliebte Susannah Melvoin als auch seine Band The Revolution verloren. Die Zerrissenheit spiegelt sich in diesem Doppelalbum wider, das den 28-Jährigen gleichermaßen als treuen Ehemann („Adore“) wie als Aufreißer („Hot Thing“) präsentiert. Prince trug eine Brille und Gewänder, er wollte wie sein Vorbild Stevie Wonder als politischer Künstler wahrgenommen werden – was ihm mit dem Titelsong auch gelang. (SN)

24

David Bowie

The Rise And Fall Of Ziggy Stardust ...

RCA, 1972

Nach Folk, bluesigem Hardrock und Art-Pop konsolidiert sich Bowies Stilfindungs-Phase (vorübergehend) im Glam Rock. Inhaltlich hält das Quasi-Konzeptalbum über den vom Himmel gefallenen androgynen Rocker Ziggy Stardust auch Popkultur und Starkult den Spiegel vor. Musikalisch kongenial von Gitarrist, Pianist und Streicher-Arrangeur Mick Ronson unterstützt, verschmilzt Bowie Protopunk mit Hardrock und frühem Rock’n’Roll, darüber wie Sternenstaub der alles verbindende Pop. (FT)

23

Radiohead

OK Computer

Parlophone, 1997

Nichts hatte die Verpuppung vorweggenommen: Radiohead hatten nach zwei Alben begriffen, was sie nicht mehr wollten, und machten ein Album mit allem, was übrig blieb. Die Dekonstruktion, der Verzicht auf Formeln, die immense kreative Freiheit, all das hat auch ein Vierteljahrhundert später nichts an Kraft eingebüßt. Zumal man im Rückblick begreift, dass das Album die Kälte, Anonymität und Paranoia des digitalen Zeitalters vorwegnahm. Im Mittelpunkt steht natürlich Thom Yorke, der den Schock der modernen Monade direkt in Gesang verwandelt. (JS)

22

Curtis Mayfield

Curtis

Curtom, 1970

Zwischen der Bestandsaufnahme einer von Krieg, Rassismus, Sexismus, Umweltzerstörung und Drogen erschütterten Gesellschaft „(Don’t Worry) If There’s A Hell Below We’re All Going To Go“ und der erhebenden Hymne „Move On Up“ bewegt sich das erste Soloalbum von Curtis Mayfield. Der Mann mit der hohen Stimme und dem sanften Auftritt hatte mit den Impressions einen eigenständigen urbanen Soul-Sound entwickelt – elegant und Pop-affin, zugleich tief im Gospel verwurzelt und zunehmend politisch. Als einer der ersten schwarzen Künstler reklamierte er 1968 mit der Gründung seines eigenen Labels, Curtom, die volle Souveränität über seine Produktionen. Auf „Curtis“ entwickelte er einen singulären Klangkosmos – vielschichtig, funky und filigran, stets mit der für Chicago so typischen opulenten Leichtigkeit und Fülle an Texturen, orchestriert mit satten Streicher- und Bläsersätzen, Harfen und Percussion –, der sich auch heute noch jeder nostalgischen Anverwandlung entzieht. Der Mayfield-Sound lässt sich allenfalls als Sample reproduzieren. (FRANK CASTENHOLZ)

21

Miles Davis

Kind of Blue

Columbia, 1959

Miles Davis wird oft zugeschrieben, mit dem berühmtesten Jazz-Album der Welt die modale Spielweise begründet zu haben, die sich an ruhenden Akkorden und ihren Tonleitern ausrichtet, anstatt an komplizierten Melodien. Bereits auf dem 1958 in Paris improvisierten Soundtrack für Louis Malles Noir-Krimi „Fahrstuhl zum Schafott“ kann man hören, wie Miles nicht so sehr harmonische Wechsel, sondern filmische Stimmungen spielt. Doch „Kind of Blue“ arbeitet immerhin mit Skizzen von Songs, wenn auch keine schnellen, sondern nur mittlere und langsame. Dies ermöglicht es jedem Akkord, sich in jede Ritze des Raums zu schleichen und ihn vollständig auszufüllen, ähnlich wie eine Schauspielerin.

Miles Davis (1926 – 1991)

Der Grund, warum es keine festen Regeln für diese Platte gibt, liegt an der herausragenden Band, die alles verwandelt. Im Studio sind neben Paul Chambers am Bass und Jimmy Cobb am Schlagzeug nur Stars vertreten: John Coltrane am Tenor-Sax, bereits ein Bandleader in seinem eigenen Recht und bekannt für das Brechen von Schallmauern; Cannonball Adderley am Alt-Sax, der Coltranes Höhenflug einfängt und ihm den bluesigen Boden zeigt; der impressionistische Pianist Bill Evans, der die Band bereits verlassen hatte, bevor Miles ihn spontan ins Studio holt – zum Erstaunen von Wynton Kelly, der nur auf „Freddie Freeloader“ Klavier spielt. Diese Konstellation sprüht vor Energie. Stücke wie „So What“ oder „All Blues“ sind Standards in Jam-Sessions, da sie einfach zu spielen sind – bis die Solos beginnen, dann wird es für die Durchschnittsmusiker schwierig. Aber genau hier hebt diese Band ab. Es ist unfassbar, dass die Hälfte von ihnen zu dieser Zeit noch Heroin konsumiert hat.

(TOBI MÜLLER)

20

Carole King

Tapestry

Ode, 1971

Carole King ist eine Pionierin im Bereich des Singer-Songwriter-Genres. Sie interpretierte das Stück „You’ve Got a Friend“ elf Jahre später (und mittlerweile von Gerry Goffin geschieden) selbst, in einer entschleunigten, melancholischen Pianofassung – mit Backing Vocals von Joni Mitchell (die gerade im benachbarten Studio ihr Meisterwerk „Blue“ aufnahm) und James Taylor.

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James Taylor, der auf „Tapestry“ Akustikgitarre spielte, nahm „You’ve Got a Friend“ ebenfalls auf und veröffentlichte es als Single. Seine Version wurde zu einem Nummer-eins-Hit und gewann 1972 einen Grammy als „Song of the Year“. Carole King gewann ihrerseits bei derselben Verleihung gleich vier Auszeichnungen. „Tapestry“ markierte ihren Durchbruch als Künstlerin und war das erste Album, das den Grammy in der Kategorie „Album of the Year“ gewann.

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Nach ihrem kaum beachteten Debüt „Writer“ (1970) wurde sie endlich als Künstlerin adäquat gewürdigt und erhielt Anerkennung für ihre musikalische Begabung. Carole King war die erste Frau, die den Grammy in der Kategorie „Album of the Year“ gewann.
(INA SIMONE MAUTZ)

19

Kendrick Lamar

To Pimp a Butterfly

TDE/Interscope, 2015

Das virtuose Album umarmt die Geschichte der afroamerikanischen Musik und entwickelt daraus eine Vision für die Zukunft. Jedes Stück ist übervoll mit persönlichen Referenzen und kulturellen Anspielungen – die für Europäer allerdings nicht immer leicht zu verstehen sind. Doch der Funk von „King Kunta“ nimmt einen ebenso mit wie das hoffnungsvolle Mantra „Alright“.

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Im Prinzip geht es um Entwicklung, Wachstum und Transzendenz der schwarzen Community – von der Raupe zum Schmetterling.

Kendrick Lamar: Der Rapper wurde auf Schadenersatz in Millionenhöhe verklagt

Das außergewöhnliche Cover zeigt den Rapper und einige seiner Freunde in Siegerpose vor dem Weißen Haus, am Boden ein weißer Richter, der offensichtlich nicht mehr viel zu melden hat. Auch mit „The Blacker the Berry“, das sich auf die rassistischen Vorfälle in Ferguson 2014 bezieht, positioniert sich Kendrick Lamar in der langen Tradition afroamerikanischer Musiker, die sich mit Bürgerrechten und Rassismus auseinandersetzen.

Doch bei aller zornigen Anklage vertritt der Rapper auch eine höhere Moral, beklagt seine eigene Schuld, damals in den Gangs von L.A.: „So, why did I weep when Trayvon Martin was in the street/ When gangbanging make me kill a nigga blacker than me? Hypocrite!“ Ein großer amerikanischer Poet.

(ROBERT ROTIFER)

18

The Clash

London Calling

CBS, 1979

„Phoney beatlemania has bitten the dust“, sang Joe Strummer typisch arrogant im apokalyptisch stampfenden Titelstück zur Einleitung des dritten und besten Clash-Albums. Dabei war die Entscheidung der Band, ausgerechnet Guy Stevens als Produzent zu verpflichten, ein implizites Eingeständnis der wahren Kontinuität hinter dem Punk-Mythos der Stunde null.

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Jener manische Alkoholiker, der während der Studiosessions zwecks Vermittlung der richtigen Rock’n’Roll-Attitüde mit Sesseln warf, hatte nämlich eine Dekade zuvor als der wohl einflussreichste DJ der Londoner Sixties-Szene mit seiner legendären Plattensammlung Leute wie The Who, die Stones und die Beatles zum Tanzen gebracht bzw. mit Inspirationen versorgt.

The Clash, 1983. Paul Simonon, Mick Jones, Pete Howard, Joe Strummer

Auf „London Calling“ gab Stevens The Clash nun Lizenz und Mut, von allen Quellen der Weisheit zu trinken, sei es Rockabilly („Brand New Cadillac“), Swing („Jimmy Jazz“), Bo-Diddley-Beat („Hateful“), Reggae („The Guns Of Brixton“, „Revolution Rock“), Ska („Rudie Can’t Fail“, „Wrong ‚Em Boyo“), Disco („Train In Vain“) oder Phil-Spector-Bombast („The Card Cheat“). Das Ergebnis war ein schludrig-spontanes Feuerwerk der Ideen und Stile. Kulturelle Aneignung hat nie besser geklungen.

(ROBERT ROTIFER)

17

John Coltrane

A Love Supreme

Impulse!, 1965

„Göttlich: John Coltrane ‚It was like Moses coming down from the mountain‘“, sollte Alice Coltrane später zu dem Saxofonisten Branford Marsalis sagen. Im Spätsommer 1964 hatte John Coltrane sich für knapp zwei Wochen in der Dachetage über der Garage seines Hauses in Dix Hills auf Long Island abgeschottet – auch vor seiner eigenen Familie. Jetzt stand er vor seiner Partnerin und verkündete, er habe endlich die vierteilige Suite geschrieben, zu der ihn bereits 1946 eine Vision inspiriert hatte.

John Coltrane

Gleich mit dem eröffnenden Gongschlag wird klar, dass hier mit allen Regeln des Jazz im Namen eines höheren Ziels gebrochen wird. „A Love Supreme“ ist die Verneigung eines Giganten vor seinem Schöpfer. Ein Gebet, eine Versenkung und Danksagung. Jazz als spiritueller Ausdruckstanz, der soundgewordene Pfad aus dem Dunkel ans Licht.

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Und es passt damit in die Zeit der Suche einer Generation nach einem Gegenentwurf zur bestehenden Gesellschaft. Pop-Texte handeln von alternativen Lebensentwürfen, individueller Freiheit und immer öfter auch von spiritueller Erleuchtung. „A Love Supreme“ ist das erste Jazz-Album, das verkauft und gehört wird wie eine Pop-Platte. All praise to God.
(ERIC PFEIL)

16

Kate Bush

Hounds Of Love

EMI, 1985

Kate Bush ist die Königin, und ihr fünftes Album, „Hounds Of Love“, ist ihr Meisterwerk (und, wie diese Liste zeigt, das beste Album der Achtziger). Es enthält die eingängigsten und am kunstvollsten gewirkten Songs ihrer Karriere, „Running Up That Hill (A Deal With God)“ und „Cloudbusting“, das wuchtige „The Big Sky“ und das herzzerreißend zarte Klagelied „Mother Stands For Comfort“. Kate Bush ist hier auf dem Höhepunkt ihrer Kunst als Songwriterin.

Zugleich gebraucht sie die neue Technologie des Samplings, um die erstaunlichsten Sounds zu erzeugen – und vor allem um ihren exaltierten Gesang zum Material zu machen, um mit sich selbst im Chor zu singen. „Hounds Of Love“ zeigt eine Künstlerin, die sich in eine Vielzahl von Identitäten und Rollen aufzuspalten versteht – und die am Ende doch alles zu einem Gesamtkunstwerk verbindet, einem schillernden Bild künstlerischer Authentizität.

(JENS BALZER)

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