ROLLING-STONE-Serienspecial: Kritik zu „Unorthodox“


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Es ist natürlich ein bisschen bizarr, dass eine Jüdin aus New York ihr Glück ausgerechnet in der deutschen Hauptstadt sucht, aber dramaturgisch ergibt es in „Unorthodox“ doch Sinn. Esther Shapiro steckt in den Traditionen ihrer Satmarer-Gemeinde fest und in einer Ehe, bei der nicht nur der Sex weh tut, sondern auch das fehlende Verständnis füreinander. Also bricht Esty aus, bewirbt sich in Berlin an der Musikhochschule und lernt natürlich lauter hippe Leute kennen, darunter auch einen einfühlsamen Liebhaber.

Der zweite Teil der Serie ist ein bisschen vorhersehbar und erinnert manchmal sogar an die 80er-Jahre-Schmonzette „Fame“, aber man kann sich diesem Vierteiler trotzdem kaum entziehen, weil einfach jede Kleinigkeit hier so gut gemacht ist. Zum Beispiel, dass auf eine Synchronisation des Jiddisch verzichtet wurde, so dass die Abgeschlossenheit des Glaubenssystems sofort deutlich wird. Die Kostüme, die Kulissen und vor allem die Schauspieler können einen nicht kalt lassen, besonders Shira Haas in ihrer Mischung aus Mut und Verzagtheit, aber auch Amit Rahav, der ihren Ehemann so verklemmt-verzweifelt spielt, dass man mit ihm genauso mitfühlt.

So ist es nicht nur eine klassische Emanzipationsgeschichte geworden, sondern eben auch ein Plädoyer für mehr Empathie. Kann gerade 2020 nicht schaden.

„Unorthodox“ in der Kritik der Freiwilligen Filmkontrolle: