Mehran Djojan

Ronja von Rönne: „Einen Roman zu schreiben, ist ein eigentlich unmögliches Unterfangen.“

Ronja von Rönne ist Bloggerin, Reporterin, Kolumnistin, Podcasterin, Moderatorin und Romanautorin. In allem, was sie tut, gibt sie den Befindlichkeiten ihrer Generation, den Millennials, mit ihrem „Beschwerden ans Leben“ (so der Untertitel ihrer Kolumnensammlung „Heute ist leider schlecht“) eine angemessen vorlaute, aber auch an sich und der Welt zweifelnde Stimme. Im Januar erschien ihr zweiter Roman, der sofort zum Bestseller wurde. „Ende in Sicht“ erzählt mal lakonisch, mal behutsam tastend, mal wütend und mal tieftraurig, immer mit viel Empathie die Geschichte zweier Frauen – der 69-jährigen Hella und der 15-jährigen Juli. Beide sind unglücklich. Beide leiden an Depression. Beide wollen sterben. Bis sie sich treffen. Eine Road Novel – nicht vor dem weiten Horizont der amerikanischen Landschaft wie Kerouacs „On The Road“, sondern im oft alles verengenden Tunnel der Depression. Dass „Ende in Sicht“ sich trotzdem wie ein lebensbejahender, warmherziger und stellenweise sehr komischer Roman liest, verdanken wir dem von Rönne eigenen Erzählton.

 

Was war das letzte richtig gute Buch, das du gelesen hast?

„Allein“ – Daniel Schreiber: Ein wunderbares Zeugnis darüber, was Alleinsein bedeutet. Und was nicht. „Abspann“ – Steve Tesich: Diesen Autor habe ich erst vor ein paar Wochen entdeckt. Mein Buchhändler hat ihn mir empfohlen, jetzt lese ich schon das zweite von ihm. Gute Buchhändler sind besser als jeder Algorithmus.

Welche literarische Figur hättest du gern als Freund*in?

Roald Dahls „Matilda“. Das hochintelligente Mädchen, das Telekinese beherrscht, sehr praktisch, ich muss eh mal wieder aufräumen.

Welchem Buch wünschst du mehr Leser?

Frecherweise natürlich meinen eigenen. Einfach, um mir um so etwas wie Existenzängste eine Weile keine Sorgen machen zu müssen. Verdient haben es aber eine ganze Menge Bücher – eines meiner Lieblinge ist der Jugendroman „Die Mitte der Welt“ (von Andreas Steinhöfel).

Welchen literarischen Klassiker hast du nicht zu Ende gelesen und warum?

Viele!  Ich bin aber auch eine überzeugte Verfechterin davon, dass man sich nicht durch Bücher quälen sollte. Außerdem bin ich nun mal Kind meiner Zeit und meine Aufmerksamkeitsspanne ist begrenzt.

Welchen von jemand anderem geschriebenen Roman hättest du gern selbst geschrieben?

Eigentlich alle. Einen Roman zu schreiben, generell irgendwas fertig zu kriegen, ist ein eigentlich unmögliches Unterfangen. Ich habe zwei Romane geschrieben und bin nichtsdestotrotz davon überzeugt, dass es eigentlich unmöglich ist, einen Roman zu schreiben. Generell: Geschrieben haben ist ein deutlich schöneres Gefühl als zu schreiben.

Wie organisierst du dein Bücherregal? 

Früher nach Cover-Farben. Nach zahlreichen Umzügen: Nach dem Supermarktkonzept: Die besten auf Augenhöhe, die egalen irgendwo weit oben.

Welches Buch in deinem Bücherregal würde uns überraschen?

Meine große Jugendbuch-Sammlung. Ich liebe Peter Härtling, Michael Ende, Astrid Lindgren, Ottfried Preußler und Andreas Steinhöfel. Zu keinem Zeitpunkt holt uns Literatur so sehr ab, wie in diesen prägenden Jahren zwischen 8 und 18.

Wie würdest du einem Freund/ einer Freundin deinen neuen Roman beschreiben?

Meinen Freunden muss ich nicht erklären, worum es bei „Ende in Sicht“ geht. Die haben sich mein Gejammer lange genug angehört.

Angenommen du hättest einen Roman mit einem/einer wirklich abgrundtief bösen Protagonisten/Protagonistin geschrieben – welche Musik würde der hören?

„Die größten Kuschelrockklassiker aller Zeiten auf drei CDs“

Was war dein letzter Ohrwurm?

„Dein ist mein ganzes Herz“ – großartiger Song, immer noch.

Wann hast du zum letzten Mal ein ganzes Album durchgehört? Und welches?

Erwischt. Sehr selten. Wahrscheinlich die letzte Rammstein Platte.

Welchem (relativ) unbekannten Album wünschst du ein größeres Publikum?

„I Love You“ von Malakoff Kowalski, insbesondere dem Song „Take Some Abuse“: Wunderbar melancholisch, ein Song der schmeckt wie Cola Zero und Nachmittage im Hotel California.

Welche(r) Musiker*in wärst du gern gerne mal für einen Tag? Und in welcher Phase ihrer/seiner Karriere?

Leonard Cohen. Oder nein, das ist falsch: Ich will nicht Leonard Cohen sein, ich wäre nur gerne mal mit ihm gewesen, auf ein Glas Wein auf Hydra.

 

„Ende in Sicht“ erschien im dtv Verlag.