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Nachruf auf Leonard Cohen: Ein Leben in der Einsamkeit


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Ein populärer Mythos wurde unlängst von Leonard Cohen beglaubigt: Er lernte das Gitarrespielen tatsächlich mit 13 Jahren, um Mädchen zu beeindrucken – was ihm bald vortrefflich gelang. Die ersten erotischen Erfahrungen verdankt er einem Kindermädchen, mit dem er in dem wohlsituierten elterlichen Haushalt in einem Vorort von Montreal in den Keller ging. „I was born with the gift of a golden voice“, schrieb Cohen später.

Als junger Student spielte Leonard in einer Country-Folk-Band und gab sich den Habitus eines Hillbillys, doch verstand er sich als Dichter. Der Vater, Besitzer einer Textilfabrik, starb, als Leonard neun Jahre alt war – der Sohn schrieb ein kleines Trauergedicht und vergrub es im Garten bei den Stiefmütterchen. Es gibt Schmalfilmaufnahmen, die das glückliche Kind auf dem Dreirad im Garten zeigen, daneben die Mutter, viril und lachend. Leonard wurde geliebt.

Der Student verbrachte die Nächte auf der dunklen Seite der Stadt, in den Jazz-Klubs von Montreal: das Leben der Boheme. 1956 erschien sein erster Gedichtband, „Let Us Compare Mythologies“, der ihm ein Stipendium und Literaturpreise einbrachte. Eine Weile spielte Cohen den Partisanen auf Kuba, taugte aber nicht als Revolutionär und genoss die Dekadenz und die Frauen von Havanna.

Der ältere neue Dylan

Anfang der Sechzigerjahre ließ er sich auf der griechischen Insel Hydra nieder, wo er die Romane „The Favourite Game“ und „Beautiful Losers“ und erste Songs schrieb, darunter „Suzanne“, das Judy Collins aufnahm. Die berückende Schwedin Marianne Ihlen, mit der er in einer kargen Unterkunft zusammenlebte, verewigte er in dem Stück „So Long, Marianne“. 1967 kehrte Leonard Cohen nach Amerika zurück und debütierte beim Newport-Folk-Festival. Wie nicht anders zu erwarten, wurde er als „neuer Dylan“ apostrophiert.

Die Lieder, die 1968 auf „The Songs of Leonard Cohen“ erschienen, hatten aber nicht den Furor und den Surrealismus von Dylans Dichtung, zu schweigen von dessen stupender musikalischer Innovationskraft: Cohen verwob Religion und Sexualität, Mystik und Sensualismus zu einfachen, suggestiven Melodien, die vom Chanson, vom Folk und von dem Gesang der jüdischen Kantoren in der Synagoge gespeist wurden. Später antwortete er ausweichend auf die Frage, ob er in die Synagoge gehe: „Es kommt darauf an – wie gut der Gesang ist.“



Der Schwebende: Zum Tod des großen Blues-Gitarristen Peter Green

In den späteren Jahren waren es zwei Geschichten, die man immer wieder über Peter Green erzählte: Als er 1970 bei Fleetwood Mac aufgehört hatte und merkwürdig geworden war, arbeitete er eine Weile als Friedhofsgärtner. Und merkwürdig war er möglicherweise geworden, weil er nach einem Konzert in München bei der Kommune von Rainer Langhans und Uschi Obermaier in Landshut zu viel LSD konsumierte. Green selbst bestätigte später die Legende: „I went on a trip and never came back.“ Mehr noch als bei Eric Clapton beglaubigt Peter Greens Biografie die Fama vom Blues als Schicksal und Berufung, als Grenzgang und Entgrenzung. Peter…
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