Shirin David bei Netflix: „Barbara – Becoming Shirin David“ ist ein Muss

Wer ist Barbara Davidavicius hinter Shirin David? Der Netflix-Film enthüllt Zweifel, Selbsterschaffung und das Gewicht von Fame

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Der Film beginnt mit einer vermoosten Schaukel in Kaunas, Litauen. Das ist die Heimat von Barbara Davidavicius, die man als Shirin David kennt. „Ich zu sein, ist ein Fulltime-Job“, skandiert Shirin auf der Bühne. Doch der Film „Barbara – Becoming Shirin David“ zeigt, wie viel schwieriger es ist, zwei Personen zu sein. Das Mädchen, das träumte. Und die Frau, die den Traum lebt.

Eine Künstlerbiografie als Countdown

Michael Schmitt, der diesen Film geschrieben und inszeniert hat, erzählt eine Künstlerbiografie als Countdown zur Arena-Tournee 2025. Das ist das Drama. Dann aber sieht man das alte Haus in Litauen, die behaglichen Zimmer – und die Mutter Erika, die zwei Töchter allein erzogen hat. Sie schickte sie zum Ballett, zum Unterricht in Klavier, Oboe und Geige, in die Oper. Sie ist belesen, sie hatte immer die Kunst. „Ich habe mich niemals arm gefühlt“, sagt sie. Ihr Mann lebte in Hamburg, wo auch Barbara zur Schule ging. Barbaras Schwester Patricia ist im Film ebenfalls zu sehen und zu hören.

Selbsterschaffung und das Gewicht des Erfolgs

Shirin David hat sich selbst erschaffen – als Influencerin, dann als Rapperin und Entrepreneurin, Role Model und Gesamtkunstwerk. „Becoming“ ist auch ein Film über Shirins Agenten Taban Jafari. Er ist ein Manager alter Schule, Freund und Kindermädchen, Ermutiger, Tröster und Warner. Er ist immer an Shirins Seite – so auch vor und nach der „Bambi“-Verleihung, als sie Selbstzweifel hat und sich als „Clown“ vorgeführt fühlt, obwohl sie die Auszeichnung für Musik bekommen hat. Jahre zuvor war sie dort bereits als „Shooting Star“ ausgezeichnet worden. „Ich bin ein Teil dieses Rades – nennt man Kapitalismus. Ich wollte herausfinden, wie ich zu jedem Zeitpunkt perfekt sein kann. Ich muss auf dieses Superstar-Level kommen.“

Zweifel vor der großen Tournee

Sie hat die Choreografie, die Tänzerinnen und die Inszenierung für riesige Shows. Bisher aber hat sie kaum Tourneen gemacht. Die Proben im Jahr 2025 sind knapp, man ist in Verzug, Shirin denkt über eine Therapie nach und überlegt, alles abzusagen. Taban sieht das anders.

Einmal sieht man Barbara und ihre Schwester Patricia in einem Dönerladen in Berlin. Als sie zum Auto gehen, wird Shirin erkannt, man macht Fotos. Dann essen die Frauen den Döner hinterm Lenkrad. Sie sprechen über Therapiestunden. „130 Euro für 50 Minuten“, sagt Patricia. „Ich war einmal bei einem Therapeuten, der mir gleich von einer berühmten Schauspielerin erzählte, die bei ihm war“, sagt Barbara. „Versteht einfach Fame nicht.“

Wer diesen herzerwärmenden Film bei Netflix sieht, versteht danach ein bisschen mehr von Fame.