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So war die Brooklyn-Show der Rolling Stones: Weniger ist mehr!


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Kurz vor Ende des regulären Sets der ersten US-Show der Rolling Stones in sechs Jahren, nahm sich Mick Jagger die Zeit, ein paar Worte über die 50 Dienstjahre seiner Band zu verlieren. „People keep asking us, ‚Why do you keep doing this?'“, sagte er und, dabei hörte man wieder diesen dezenten Anflug des Genervtseins, der bisher immer aufblitzte, wenn ich ihn wieder und wieder fragen musste, ob diese oder jene Show oder Tour nun wirklich die letzte sei. „You’re the reason we keep doing this“, rief Jagger in die Menge, die es ihm mit tosendem Jubel dankte. „Thank you very much“, ergänzte Jagger daraufhin schnell.

Es war ein Moment ehrlicher Wertschätzung, von einer Band, die sich solche Sentimentalitäten eher selten leistet. Da war keine Ironie in Jaggers Stimme, abgesehen vom leisen Lachen am Ende, das wohl zeigen wollte, dass man ihre Worte nicht zu rührselig nehmen sollte. Dann stürzten sich die Stones in „Brown Sugar“, dem vorletzten Song des Sets, das sie mit „Sympathy For The Devil“ beendeten. Ein guter Zeitpunkt. Hätte Jagger ein wenig länger gewartet mit seiner Dankbarkeitsbekundung hätte er den Moment vielleicht versaut.

An der dritten Show der London-Brooklyn-Newark-Jubiläums-Tour der Stones war vor allem bemerkenswert, was fehlte: Originalbassist Bill Wyman und Früh-Siebziger-Gitarrist Mick Taylor. Die Ex-Mitglieder wiederholten die Cameo-Auftritte, die sie in London gaben, diesmal nicht. Auch die Größe der Produktion war im vergleich zu den letzten Mega-Touren der Stones erstaunlich in ihrer Limitierung: Eine angemessene Menge an Amps, ein Video-Screen im Hintergrund (der überwiegend die Stones bei der Arbeit zeigte), ein aufgeblasenes Zungenlogo, das die Bühnenaufbauten verdeckte und eine lange halbkreisförmige Rampe, die durch das Publikum führte. Letztere wurde oft genug von Jagger benutzt – auch Keith Richards und Ron Wood machten den ein oder anderen Gang darauf, standen aber die meiste Zeit vor Drummer Charlie Watts, um mit ihm über die Schlagzeug-Becken hinweg zu lachen und zu witzeln, als wären sie noch immer im Proberaum.



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Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, auch nur einen einzigen der 18 Tracks wegzudenken, die sich auf vier LP-Seiten zum fulminantesten Statement der Stones verdichten, jede Seite mit eigener Dynamik, jeder Cut eminent. Gleich eingangs „Rocks Off“, ein Bündel nervöser Energie, tänzelnd im Zaum gehalten zuerst, dann freigelassen und wieder eingefangen, ungezähmt. Mittendrin ein Moment der Einkehr, das Tempo gedrosselt, die Töne spacey. „Feel so hypnotized“, maunzt Mick selbstverloren, „it’s all mesmerized, all that inside me“, bevor der Song die Sporen spürt und in gestrecktem Galopp in die Nacht geritten wird: „The sunshine bores the daylights out of me.“ Was…
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