Stephen Colbert hält letzten Monolog: „Wir waren hier, um die Nachrichten mit euch zu fühlen“
Nach einem Jahrzehnt mit dem beliebten Host endete die CBS-Institution am Donnerstagabend mit einem bewegenden Finale.
Am Donnerstag trat Stephen Colbert in einem eleganten blauen Anzug mit Krawatte vor das Publikum der „Late Show“, um seine allerletzte Sendung zu moderieren.
Er eröffnete die Show mit einer direkten Ansprache – sowohl an die Zuschauer im Ed Sullivan Theater als auch an jene vor den Bildschirmen zu Hause. Er und sein Team, so Colbert, hätten die Sendung intern „The Joy Machine“ genannt, weil eine Show dieser Größenordnung zwangsläufig eine Maschine sei – doch jeden Abend hätten sie sich entschieden, diese Maschine mit Freude zu betreiben. „In der ersten Nacht des ‚Colbert Report’“, sagte er in Anspielung auf seine langjährige Comedy-Central-Talkshow, „habe ich gesagt: ‚Jeder kann euch die Nachrichten vorlesen. Ich verspreche, euch die Nachrichten zu fühlen.‘ Und ich habe ziemlich schnell gemerkt, dass unsere Aufgabe hier eine andere war. Wir waren hier, um die Nachrichten mit euch zu fühlen – und ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich habe sie wirklich gefühlt.“
Nach einem Zusammenschnitt historischer Talkshow-Momente, die gemeinsam Abschied vom Host nahmen, startete Colbert sein Monolog – wurde dabei aber mehrfach von prominenten Gästen unterbrochen: Bryan Cranston, Paul Rudd und Tim Meadows stürmten nacheinander auf die Bühne, als Colbert einräumte, dass keiner von ihnen sein letzter Gast sein würde.
Monolog wie gewohnt
Das Monolog selbst spielte Colbert ganz straight, wie eine ganz normale Folge der „Late Show“ – inklusive eines „First Draft“-Bits, in dem er scherzte, er wolle einen OnlyFans-Account eröffnen, sowie Seitenhiebe auf Dr. Brian Christine, einen Penisimplantat-Spezialisten, der für das Hantavirus zuständig ist („[Er] moderierte eine YouTube-Serie über Erektionsstörungen namens „Erection Connection“ – auch der Name einer sehr beliebten Kategorie auf Craigslist“); einen Skandal um den „sexy Priester“-Kalender der katholischen Kirche („Mir wird gerade mitgeteilt, dass dies der schlimmste Skandal ist, der die katholische Kirche je getroffen hat“); und die Erleichterung darüber, dass er den „unvermeidlichen Aufstieg unserer maschinellen Herren“ nicht mehr kommentieren müsse.
Die Sendung markiert das traurige Ende einer Institution. Im vergangenen Jahr hatte CBS in einer Entscheidung, die die gesamte Entertainmentbranche erschütterte, angekündigt, die Late-Night-Talkshow nach einem Jahrzehnt mit Colbert einzustellen. Offiziell nannte der Sender finanzielle Gründe – doch es gab reichlich Spekulationen über politischen Druck, da CBS‘ Mutterkonzern Paramount zu jener Zeit eine Fusion mit Skydance Media anstrebte, die staatlicher Genehmigung bedurfte.
Colbert hatte Trump in der „Late Show“ jahrelang durch den Kakao gezogen und nur wenige Tage vor der Absetzungsmeldung CBSs Mutterkonzern Paramount für dessen 16-Millionen-Dollar-Vergleich mit Trump angeprangert – ein Deal, den Colbert als „fette, fette Bestechung“ bezeichnete. Am Tag darauf traf sich Skydance-CEO David Ellison mit der FCC, um die geplante Fusion mit Paramount zu besprechen. Nach der Absetzung der Sendung genehmigte die FCC die Fusion.
Wiedersehen der Late-Night-Hosts
Letzte Woche veröffentlichten Colbert, Jimmy Kimmel, Jimmy Fallon, Seth Meyers und John Oliver die erste neue Folge ihres Podcasts „Strike Force Five“ seit 2023 – zwei Tage nachdem sich die Late-Night-Hosts in der „Late Show“ wieder vereint hatten. Als Fallon fragte, ob das Ende der Sendung schon richtig angekommen sei, antwortete Colbert: „Was ich gesagt habe: Die aufsteigende Flut der Emotionen hat mein Kinn erreicht, und jetzt bleibt nur noch eines – tief Luft holen und wie verrückt bis zum 21. Mai schwimmen.“
Colbert übernahm die „Late Show“ 2015 von David Letterman, nachdem er zuvor die Nachrichtensatire-Sendung „The Colbert Report“ auf Comedy Central moderiert hatte. Mit dem Finale am 21. Mai blickt Colbert auf 11 Staffeln bei CBS zurück, aufgezeichnet im New Yorker Ed Sullivan Theater.