T Bone Burnett: Interpretation von Bob Dylans „Blowin‘ In The Wind“ geht für 1,7 Millionen Euro über den Tresen


von

Der Gitarrist, Sänger und (Retro-)Produzent T Bone Burnett, 74, ist ein cleverer Bursche. In der Präsentation seines neuen analogen Audioformats vermarktet er super-exklusive Vinylplatten namens „Iconic Originals“. Er nennt sie „Höhepunkte des aufgenommenen Klangs“.

Erstes exemplarisches Format für diesen (vermeintlichen) Fortschritt ist Bob Dylans Neuaufnahme seines Folksongs „Blowin‘ In The Wind“. Der Dylan-Track ist von Burnett nochmals eingespielt worden.

Nach Audio-Sessions für potenzielle Käufer in Los Angeles, New York und London wurde die Nobel-Scheibe am Donnerstag (07. Juli) beim Aktionshaus Christie’s in London versteigert. Einer Pressemitteilung zufolge wurde sie für umgerechnet 1.733.940 Euro verkauft. Wer das Höchstangebot abgeben hat, wurde nicht genannt mitgeteilt.

In einer im Vorfeld der Versteigerung veröffentlichten Erklärung gibt Burnett Einblicke in seine Denk- und Produktionsweise:

„Marshall McLuhan sagte, dass wenn ein Medium ein vorheriges Medium ablöst, sich das vormalige (Standard-)Medium in eine Kunstform verwandeln wird. So wie es der Film mit den Romanen getan hat, das Fernsehen mit dem Film, das Internet mit dem Fernsehen und das Digitale mit dem Analogen. Mit Bob Dylans neuer Version von ‚Blowin‘ In The Wind‘, unserer ersten nach dem’Ionic-Original‘-Verfahren archivierten Analogplatte, sind wir nun in den Markt der bildenden Künste eingetreten.

T Bone Burnett 2019 in Nashville.

Wir wollen dazu beitragen, einen Raum für Musik zu entwickeln. Ich vertraue darauf und hoffe, dass sie demjenigen, der sie heute bei ‚Christie’s Exceptional Sale‘ erwirbt, genauso viel bedeutet wie uns allen, die wir sie hergestellt haben. Auf dass er sie wie ein Gemälde oder ein anderes einzigartiges Kunstwerk betrachtet und auch pflegt.“

Nach diesem auf der US-Musikplattform „Stereogum“ veröffentlichten Burnett-Vademecum setzte es spöttische bis zynisch-hämische Kommentare der User.

„Auch ich bin Fan von Audioformaten, die nur von den Reichsten und Mächtigsten unter uns besessen und gehört werden können“, schrieb etwa ein User namens Chris. „Ich habe es gekauft, in MP3 umgewandelt und höre es mir auf meinem iPod Classic an. Klingt großartig über 128 Kilo-Byte-Kapazität …“, scherzt cariboucarl.

Die meisten Zuschriften sind sich einig in ihrer Ansicht über den Analog-Kult für Millionäre: “ but this is silly…“.

Jason Kempin Getty Images