Das Ende von „The Bear“: Boyce und Matheson im Interview
Lionel Boyce und Matty Matheson sprechen offen über das Ende von „The Bear“, emotionale Drehtage und warum die finale Staffel ein Abschied fürs Leben ist.
Es ist soweit: Endlich wird der Kochlöffel wieder geschwenkt und die Anrichtepinzette herausgeholt. „The Bear“ geht in die letzte und finale Runde. Doch bevor der Herd wieder angefeuert werden kann, muss zunächst die Küche auf Vordermann gebracht werden. Die fünfte Staffel beginnt, wie so häufig in dieser Serie, im Chaos. Nachdem Carmy Sydney, Richie und Natalie eröffnet hat, dass er nicht mehr im Restaurant arbeiten möchte, sorgt auch noch ein Sturm dafür, dass die Wirtschaftlichkeit des Restaurants auf die Probe gestellt wird. In einem finalen Akt rafft sich die Crew dazu auf, den Betrieb am Laufen zu halten. Wie es dem Cast bei den Dreharbeiten ergangen ist und wie sie dem Ende der Serie entgegenblicken, konnten wir Lionel Boyce (Marcus) und Matty Matheson (Neil Fak) im Interview fragen.
Zwischen Neugier und Empathie
Boyce und Matheson besitzen eher untypische Schauspieler-Lebensläufe – vor allem Matheson, der bisher vorwiegend als Koch gearbeitet hatte. Doch am Ende brillieren beide in „The Bear“ als gestandene Schauspieler in Rollen, die im Laufe der Serie eine bemerkenswerte Entwicklung durchleben.
Konntet ihr euch mit der Entwicklung eurer Figur identifizieren?
Lionel Boyce: Ja, das konnte ich. Der Einstiegspunkt für Marcus war für mich immer die Neugier – und das ist etwas, das sehr mit mir verbunden ist. Er nimmt alles auf, wird in eine neue Welt geworfen, taucht kopfüber ein und kommt mit dem klar, was das Leben ihm obendrauf packt, während er sich durch jede Staffel arbeitet. Über diese Beziehung zur Neugier verfolge ich Marcus.
Matty Matheson: Fak ist emphatisch. Er versucht immer, die Leute glücklich zu machen, er liebt alle so sehr und will, dass es allen gut geht. Er ist nicht der bestausgebildete Servicemensch, aber er ist da und versucht es – und das Zählen ist viel wert. Das finde ich schön.
Gaststars, die überraschen
Über fünf Staffeln habt ihr euch die Leinwand mit so vielen herausragenden Schauspielerinnen und Schauspielern geteilt. Gab es jemanden – eine Kollegin, einen Kollegen oder einen Gaststar –, der euch am meisten überrascht hat, wegen der Performance oder wegen dem, was er ans Set gebracht hat?
Lionel Boyce: Das Coole war: Wenn man hört, dass jemand vorbeischaut, hat man bereits eine Vorstellung davon, wer das ist. Wie sie sich dann nahtlos in die Figur und die Geschichte integriert haben, hat mich immer wieder überrascht. Zu sehen, wie sie herangegangen sind und in Echtzeit gearbeitet haben, war beeindruckend. Sie waren offenbar begeistert, mal etwas anders zu spielen als sonst – weil es so eine kurze, intensive Sache ist.
Matty Matheson: Ein perfektes Beispiel sind Molly Ringwald oder Kate Berlant. Was Kate in ihrer Szene gemacht hat, war unwirklich – sie kommt herein und trägt einen Monolog über Schmerz, Leid und Sucht vor, verknüpft mit ihrer Familie. Das war unglaublich. Genauso mit Molly. In der Nähe dieser wirklich ikonischen Menschen zu sein, die ihr ganzes Leben in dieser Branche gearbeitet haben, ist kraftvoll. Es war sehr demütigend, von so viel Talent umgeben zu sein.
Das Ende einer einmaligen Erfahrung
Es ist nicht oft, dass eine Serie in so kurzer Zeit abgedreht wird – einerseits ein Gewinn für die Zuschauer, die direkt neuen Stoff konsumieren können, andererseits eine emotionale Achterbahnfahrt für die Schauspieler. Doch jetzt ist alles vorbei: Es wird keine weitere Staffel von „The Bear“ geben. Auf die Frage, ob es ihnen schwerfällt, das Projekt loszulassen, antworten die beiden Schauspieler so:
Lionel Boyce: Ich glaube nicht, dass es schwer ist, sie loszulassen. Ich betrauere es eher, weil ich verstehe: Hier endet der Weg. Wir wussten immer, dass es ein Verfallsdatum geben würde, und Chris erzählt die Geschichte, die er erzählen will – also wusste ich, dass es irgendwann enden würde. Als jemand, der selbst schreibt und Sachen macht, versteht man, wo eine Geschichte endet. Es geht daher weniger darum, sie loslassen zu wollen, als darum, zu trauern und zu akzeptieren, dass das eine einmalige Erfahrung war, die jetzt in der Vergangenheit liegt.
Matty Matheson: Ich war ungefähr einen Monat lang traurig, nachdem wir fertig waren. Es ist eine seltsame Sache – ich war noch nie wirklich Teil einer so großen Produktion, und dann endet sie eben. Eines Tages war ich am Set und mir war gar nicht klar, dass es unser letzter Tag war. Dann hieß es plötzlich: „Oh, das reißen sie jetzt ab, wir kommen nie wieder hierher.“ Ich weiß nicht, ob ich es verdrängt habe oder ob ich es einfach nicht rationalisiert hatte. Bei der Arbeit hieß es dann: „Oh ja, das ist unser letzter Tag hier.“ Es ist traurig, aber die Serie ist so geliebt – und wir sind alle noch hier. Ich werde es definitiv vermissen, nach Chicago zu fahren. Aber wann immer ich mit einem meiner Freunde reden will, kann ich sie anrufen und fragen: „Was geht?“ Also ist es auch schön.
Lionel Boyces Kochdesaster
Während Matty Matheson im echten Leben Koch ist, wurde Lionel Boyce eher ins kalte Wasser geworfen. Auf die Frage, ob ihm beim Kochen schon einmal etwas gründlich danebengegangen ist, teilt er eine Anekdote aus den Vorbereitungen zu Staffel 1:
Lionel Boyce: Bevor wir Staffel 1 gedreht haben, hatte Chris Storer mir erzählt, dass Marcus versucht, seinen Donut zu perfektionieren – also dachte ich, ich recherchiere und lerne, wie man einen macht. In einem der Kochbücher von French Laundry war das Rezept für den perfekten Donut, und ich habe versucht, ihn nachzumachen. Das werde ich nie vergessen: Ich hatte Öl im Slowcooker und ein billiges Thermometer, das mir die Temperatur falsch anzeigte. Ich ließ den Teig hinein – und es sah aus wie ein Zeitraffer. Er wurde in sechs Sekunden schwarz. Es sah aus wie Knetanimation.
Wer Marcus dabei zusehen möchte, wie er einen perfekten Nachtisch zaubert, muss die letzte Staffel von „The Bear“ ansehen – diese ist ab dem 26. Juli auf Disney+ verfügbar. Die finale Staffel liefert ein Ende, das letztlich keines ist – eine Dramaturgie, die an das wahre Leben erinnert und die Verbundenheit mit dem Projekt hochhält.