ROLLING STONE-Ausgabe 07/2019 MIT EXKLUSIVER PHIL COLLINS 7-INCH SINGLE
TV-Fußnoten

„The Fall“: Schlaflos in Belfast

13 Jahre sind vergangen, seit die letzte „Akte X“ im Fernsehen geschlossen wurde. Jetzt endlich kehrt Gillian Anderson zurück – als knallharte Ermittlerin, die in einer finsteren Stadt einen perversen Serienkiller fangen muss. Also alles noch schlimmer als die bizarren Erscheinungen, die sie als FBI-Agentin Scully untersuchte – und spannender, weil grausam realistisch (zumindest meistens).

Detective Superintendent Stella Gibson (Gillian Anderson) wird von London nach Belfast abkommandiert, weil dort ein Mörder unterwegs ist, dem die weniger erfahrenen Kollegen nicht beikommen können. Paul Spector (Jamie Dornan) ist Therapeut, Familienvater – und nebenbei Triebtäter. Wie er seine Morde vorbereitet, sie genau nach Plan begeht und dann detailverliebt aufzeichnet, verfolgt die Kamera genau, ohne ihn dabei zu dämonisieren. Sie gibt dem scheinbar harmlosen Antlitz des Bösen viel Raum – das irritiert anfangs. Spector wird eben nicht als böses Gegenstück zu Gibson inszeniert: Sein Alltagsleben wird genauso dargestellt wie ihres – und wahrscheinlich wäre er uns sogar sympathischer als sie, wenn man nicht wüsste, was er nachts macht.

Triebtäter Paul Spector (Jamie Dornan), nebenbei netter Familienvater
Triebtäter Paul Spector (Jamie Dornan), nebenbei netter Familienvater

Das intensive Spiel der beiden Hauptdarsteller, das mörderische Versteckspiel, dazu die klaustrophobische Stimmung in Belfast: „The Fall“ zieht einen sofort in den Bann. Sechs Folgen hat die erste Staffel nur, doch mit 90 Minuten haben sie alle Spielfilmlänge – was bei einer Serie zunächst gewöhnungsbedürftig ist, aber hilft, den Figuren schnell näherzukommen. Auch die Nebenrollen sind toll besetzt: Archie Panjabi („The Good Wife“) spielt wieder mal eine rabiate Pragmatikerin, John Lynch den grummeligen Chef Gibsons, mit dem sie mal liiert war. Und Anderson brilliert besonders in den privateren Szenen als Frau, die sich nichts mehr gefallen lässt, schon gar nicht von irgendwelchen dahergelaufenen Männern. Als sie sich für einen One-Night-Stand mit einem verheirateten Kollegen rechtfertigen soll, weist sie mit abgeklärtem Blick auf das eigentliche Problem hin: „Mann fickt Frau – Subjekt Mann, Verb fickt, Objekt Frau: Das ist okay. Frau fickt Mann – Frau Subjekt, Mann Objekt: Das ist Ihnen nicht so ganz geheuer, was?“

Kooperation

„The Fall“ läuft ab dem 15.11. im ZDF. In der Mediathek kann man die komplette Serie auch im Originalton sehen, allerdings nur von 22 bis 6 Uhr.

Steffan Hill ZDF und Steffan Hill

Legendärer Musik-Ort: Blue Shell in Köln wird 40

Ältere Taxifahrer erinnern sich an die "Krawallbud", mit dutzenden Polizeieinsätzen, als sich Teddyboys mit Rockern prügelten, Punks mit Teddyboys. Oder alle zusammen gegen die Skinheads. Es gab Existenzkrisen wegen Ordnungsamt, Polizei, Zwangsversteigerung oder rabiaten Anwohnern. Zur Legendenbildung gehört, dass Frank Zappa 1980 nach seinem Kölner Konzert samt Band nicht eingelassen wurde. Begründung: „Zu voll!“. Das Musikmagazin Spex wurde hier erfunden, mit Redaktionssitzungen am Tresen oder Streiterei im Hinterzimmer. The Clash feierten 1982 weitgehend friedlich, nachdem sie zuvor ihre Hotelzimmer zerlegt hatten. Marc E. Smith mit The Fall war in den späten Achtzigern Stammgast. Blur spielten 1990 ihren ersten Deutschlandauftritt überhaupt.…
Weiterlesen
Zur Startseite
Kooperation