Exklusiv: The Kinks kontern Mobys „Lola“-Kritik: „Wer zum Teufel ist Moby?“
„Ich kritisiere eigentlich niemanden gern“, sagt Dave Davies zu ROLLING STONE. „Aber seine Musik hat mir nicht besonders gefallen. Und ich mag ihn nicht, weil er diesen ganzen Mist über etwas verbreitet, das ihn nichts angeht.“
In einem Interview mit dem „Guardian“ nannte Moby den Kinks-Klassiker „Lola“ von 1970 als einen Song, den er „nicht mehr hören“ könne – wegen des Liedtexts. „Der Song tauchte in einer Spotify-Playlist auf, und ich fand die Lyrics eklig und transphob“, sagte er. „Ich mag ihre frühe Musik, aber ich war wirklich schockiert, wie unausgereift die Texte sind.“
Kinks-Gitarrist Dave Davies reagierte zunächst auf Twitter und erklärte, er sei „zutiefst beleidigt, dass Moby meinen Bruder in irgendeiner Weise als ‚unausgereift‘ oder transphob bezeichnen würde“. Außerdem teilte er einen unveröffentlichten Essay der wegweisenden Transgender-Künstlerin Jayne County, den sie für das Box-Set zum 50. Jahrestag von „Lola Versus Powerman and the Moneygoround, Part One“ im Jahr 2020 eingereicht hatte. Darin bezeichnete County „Lola“ als „einen jener Songs, der für mich ‚das Eis gebrochen‘ hat, sozusagen! Ein Song, der Barrieren einreißt und ein früher verschwiegenes Thema in den Vordergrund rückt – und es dabei völlig selbstverständlich klingen lässt, einen Song über ein ‚Mädchen‘ namens Lola zu singen!“
Als wir mit Dave Davies sprachen, um mehr zu erfahren, verriet er, dass er kurz zuvor noch mit seinem Bruder, Kinks-Frontmann und „Lola“-Songwriter Ray Davies, telefoniert hatte. „Ray sagte zu mir: ‚Wer zum Teufel ist Moby?’“, erzählt Dave Davies. „Ich sagte: ‚Jemand, der ganz gut läuft. Ich kenne den Typen eigentlich nicht.’“
Davies hört sich Moby an
Nach dem Gespräch setzte sich Davies hin und hörte Mobys Hit „South Side“ von 2000 sowie einige andere Songs, um sich ein Bild von ihm zu machen. „Ich kritisiere eigentlich niemanden gern“, sagte Davies. „Aber seine Musik hat mir nicht besonders gefallen. Und ich mag ihn nicht, weil er diesen ganzen Mist über etwas verbreitet, das ihn nichts angeht. Ich finde, wir sollten kein großes Aufheben darum machen … Ich liebe Tiere wirklich. Ich schätze Mobys Einsatz für Tiere. Aber er interpretiert uns einfach falsch.“
Davies wies auch darauf hin, dass Soft-Cell-Frontmann Marc Almond den Song auf Instagram verteidigt hat. „Um Gottes willen“, schrieb Almond, „ein brillanter, witziger, liebevoller, wunderbar warmherziger und dabei wirklich bahnbrechender Song, der eine Soho-Geschichte über einen naiven Typen in der Großstadt erzählt – einer meiner absoluten Lieblinge. Entspann dich mal.“ (Ein Sprecher von Moby reagierte auf die Anfrage von ROLLING STONE zunächst nicht.)
Der Kinks-Gitarrist hat in den vergangenen Jahren ein sehr zurückgezogenes Leben geführt, plant aber offenbar, im Herbst einige Shows zu buchen. „Aber kein knallhartes Rockkonzert“, sagt er. „Ich möchte etwas Ruhigeres spielen.“
Pläne für Herbst-Shows
„Er hat mit Dennis Diken, dem Drummer der Smithereens, gefrühstückt, und sie reden darüber“, ergänzt Rebecca Wilson, Daves Freundin und Assistentin. „Er jammt auch gerade mit einem anderen Gitarristen. Die Shows werden eher wie MTV-Unplugged- und Tiny-Desk-Konzerte, bei denen er Geschichten erzählt und singt.“
Ein fester Termin steht bereits: die Gene-Simmons-Legends-of-Rock-Expo in Las Vegas Ende September, wo Dave gemeinsam mit Simmons, Disturbed-Bassist John Moyer, Vanilla-Fudge-Drummer Carmine Appice, Black-Sabbath-Drummer Vinny Appice und Kiss-Gitarrist Bruce Kulick auftreten wird. „Die machen eines Abends ein großes All-Star-Band-Ding“, sagt Wilson. „Dave könnte auf die Bühne kommen.“
Trotz aller Auseinandersetzungen der Vergangenheit sagt Dave, er verstehe sich derzeit sehr gut mit Ray. „Wir kommen sehr gut miteinander aus“, sagt Dave, „wirklich sehr gut.“
Kinks-Kunstausstellung in London
Außerdem arbeiten die beiden mit dem britischen Maler Christian Furr an einer Kinks-Kunstausstellung in London. „Sie basiert auf einem Selfie, das Ray und Dave Ende der 1960er-Jahre in einer Londoner Fotobox aufgenommen haben“, sagt Wilson. „Christian hat das Bild auf große Leinwände übertragen und es wie Andy-Warhol-Gemälde aussehen lassen. Das wird eine riesige Ausstellung.“
Die Kinks sind seit 30 Jahren inaktiv, und der einzige gemeinsame Auftritt von Ray und Dave seit der Trennung war eine einmalige Darbietung von „You Really Got Me“ in der Islington Assembly Hall in London im Jahr 2015.
Ist eine Reunion in irgendeiner Form denkbar? „Ich glaube nicht“, sagt Dave. „Sieht nicht danach aus. Aber wer weiß? Das kann ich nicht beantworten. Ich bin mir nicht sicher.“