Thomas Gottschalk: Wenn Männer nicht zum Arzt gehen
Thomas Gottschalk erkrankte an seltener Krebsform. Seine Frau Karina erkannte die Symptome und drängte zum Arzt – rechtzeitig vor seinem TV-Abschied am 6. Dezember.
Wenn Thomas Gottschalk am 6. Dezember 2025 zum letzten Mal die große Studiobühne betritt, wird das RTL-Event für viele Fernsehzuschauer ein nostalgischer Schlussakkord sein. Für ihn selbst jedoch markiert seine Rolle in der Improvisations-Show „Denn sie wissen nicht, was passiert!“ (gemeinsam mit Barbara Schöneberger und Günther Jauch) weit mehr als das Ende einer Ära. Es ist ein Abend, den er – nüchtern betrachtet – ohne seine Frau Karina vielleicht nicht erleben würde.
Karina bemerkte, was Thomas verdrängte
Im Sommer 2025 bemerkte Karina Gottschalk, lange bevor ein Arzt es tat, dass etwas nicht stimmte. Ihr Mann wurde plötzlich wortkarg, antriebslos und „leiser“. Und er musste häufig zur Toilette, wie in „Bild“ und „Bunte“ nachzulesen ist. Ein Bruch im Rhythmus des 75-Jährigen.
„So kannte ich ihn nicht“, erzählt die 63-Jährige später. Ein Satz, der zurückhaltend klingt und doch all das ausdrückt, was zwischen den Zeilen stand: Sorge. Und eine ungute Vorahnung. Thomas Gottschalk hingegen tat das Unbehagen in Old-School-Manier ab. So, wie es viele tun, die gewohnt sind, funktionierend durchs Leben zu gehen. „Typisch Mann“, so Karina. „Er wollte natürlich nicht zum Arzt.“
Also entschied sie für ihn und organisierte einen Termin in einem Münchner Klinikum – gegen den Widerstand des Ehemanns, aber getragen von dem Gefühl, dass keine Zeit zu verlieren war. Dort folgte eine folgenschwere Diagnose: Krebs. Eine seltene, aggressive Form. Sofortige Operation nötig.
„Gott sei Dank wurde der Krebs noch rechtzeitig erkannt“, sagt sie rückblickend. „Hätten wir nur ein halbes Jahr gewartet… wer weiß, ob Thomas heute noch am Leben wäre.“ Der Ex-Radio-DJ musste sich zwei großen Operationen unterziehen. Plötzlich war da kein Scheinwerferlicht mehr.
Dass Gottschalk nun, nach Monaten der Unsicherheit und Rekonvaleszenz, den Zeitpunkt seines Abschieds selbst bestimmen kann, ist alles andere als selbstverständlich. Und vielleicht erklärt es, warum er in Interviews dieser Tage ungewohnt offen über Schwächen, Verletzlichkeit und Endlichkeit spricht.
Ein neuer Ton – auch für das Publikum
Vor diesem Hintergrund erscheinen auch seine jüngsten Aussetzer bei öffentlichen Auftritten, zuletzt bei der Verleihung der „Romy“ in Wien, in einem anderen Licht. Für sein Millionenpublikum, das ihn über Jahrzehnte als unerschütterlichen Entertainer und am Ende recht altbackenen Spaßmacher erlebt hat, ist dieser neue Ton eine Überraschung.
Wenn sich am Nikolaustag der sprichwörtliche Vorhang für Thomas Gottschalk senkt, wird dieser Moment das Finale einer der längsten Fernsehkarrieren Deutschlands sein. Es wird zugleich eine stille Hommage an die Frau an seiner Seite sein – und an die Entscheidung, die sehr wahrscheinlich sein Leben rettete.