Till Lindemann: Rammstein-Sänger als Frank Sinatra bei Militärfestival im Schatten des Kreml


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Das ganz spezielle Verhältnis von Till Lindemann zu Russland ist bekannt. Spätestens seit dem Rammstein-Song „Moskau“, eine derbe Hymne an die Hauptstadt vom 2004er-Album „Reise, Reise“, gibt es immer heftige Flirts gen Osten. Dort trifft eine massive Fan-Verehrung auf allerlei Skandale und Auftrittsverbote.

Am letzten Samstagabend war sogar die Kreml-treue Presse angetan, als Lindemann beim Millitär-Festival „Spasskaja Baschnja“ den Pathos-Song „Geliebte Stadt“ schmetterte. Gekleidet im korrekten Outfit, mit weißem Smoking und weißer Fliege auf schwarzem Hemd, sang er nahezu akzentfrei auf russisch. Die Rossijskaja Gaseta wusste von tosendem Applaus und langen Ovationen zu berichten. Noch in der letzten Woche war sein Auftritt in Tver abgesagt worden; angeblich aufgrund von Corona-Beschränkungen.

Wird Lindemann russischer Staatsbürger?

Dass er ausgerechnet bei einem offiziellen Festival des Verteidigungsministerium im Rahmen von Militärkapellen und Feuerwerk gefeiert wird, mag Lindemann gefallen. Hatte er doch 2019 in einem Interview mit der „Komsomolskaja Prawda“ damit kokettiert, die russische Staatsbürgerschaft annehmen zu wollen. Aus praktischen Gründen, gab er zu Protokoll, damit es keinen Stress mehr mit den Behörden bei der Einreise gibt.

Eine Haltung, die nicht alle Mitglieder von Rammstein teilen. Gitarrist Richard Kruspe hatte bei der Verurteilung des Oppositionellen und Nawalny-Mitstreiters Andrej Borowikow auf seinen privaten Social-Media-Kanälen im April 2021 eine Protestnote veröffentlicht. Borowikow wurde von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, dass er das Rammstein-Video „Pussy“ verbreitet und somit Pornografie gefördert haben soll. Über zwei Jahre Arbeitslager lautete das Urteil. Lindemann dagegen schwieg in diesem Fall – und will durch seine Shows lieber die Völkerfreundschaft fördern.