James Cameron weiß, wie man den Titanic-Untergang überlebt hätte

Der „Titanic“-Regisseur spricht von einem „Kniff“, der das Überleben im Angesicht der Katastrophe um ein Vielfaches vergrößert hätte.

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Auch weit über 100 Jahre nach ihrer fatalen Kollision mit einem Eisberg ist der Mythos um die vermeintlich unsinkbare Titanic noch immer höchst lebendig. Gerade erst startete bei der BBC eine neue Mini-Serie, die das Unglück Minute für Minute nachstellt.

Erwiesenermaßen gehört „Avatar“-Regisseur James Cameron zu den großen Titanic-Experten, und das nicht nur, weil er die Katastrophe fürs Kino zu einem gigantischen Oscar-Erfolg machte. In einem längeren Interview bekam Cameron nun von „Hollywood Reporter“ die Frage gestellt, wie es überhaupt möglich gewesen wäre, etwa als Passagiere der 2. Klasse der Titanic den Untergang des Schiffes zu überleben.

Der 71-Jährige antwortete hier präzise: „Man hätte alleine reisen müssen!“

Und warum? Weil ein Mann, der mit seiner Familie reist, vermutlich deren Überleben vor seinem eigenen priorisieren würde, so Cameron – und deshalb wohl gestorben wäre. Wer Teil der dritten Klasse war, befand sich indes unter Deck und war so gut wie verloren. Reisende der ersten Klasse, ganz oben untergebracht, hatten die besten Chancen, sich einen Platz in den viel zu wenigen Rettungsbooten zu sichern. Bekanntlich wurden einige der Boote nicht voll, weil der zweite Offizier Charles Lightoller die Anweisung des Kapitäns „Frauen und Kinder zuerst“ falsch interpretierte als „Nur Frauen und Kinder“.

Kaum einer glaubte an den Untergang der Titanic

James Cameron nutzte die praktische Frage aber auch, um darüber zu philosophieren: „Eine Frage, mit der ich gerne mit meinen Titanic-Experten spiele, lautet: Wie könnte man mit dem, was wir heute wissen, und wenn man das Ohr des Kapitäns hätte, alle retten? Die andere ist: Was wäre, wenn man ein Zeitreisender wäre, zurückreisen würde, um den Untergang mitzuerleben, und das kleine Zeitreise-Ding, mit dem man zurückkommt, versagt, und man denkt: ‚Oh f–k, ich bin wirklich auf dem Schiff, ich muss da weg.‘“

Minuten vor dem Untergang: Szene aus „Titanic“ (1997)
Minuten vor dem Untergang: Szene aus „Titanic“ (1997)

Hierauf ließen sich nahezu gesicherte Antworten auf eine Steigerung der Überlebensmöglichkeiten stellen. Angenommen, man hätte keinen Platz in einem Rettungsboot auf normalem Wege bekommen, dann wäre es laut Cameron am besten gewesen, sich an die Seite der Titanic zu stellen und darauf zu warten, dass zu Beginn der Evakuierung ein Rettungsboot zu Wasser gelassen wird. Dann hätte man ins Wasser springen und schnell zu einem der Boote schwimmen können. So wäre man nahezu garantiert hineingeholt worden.

Es ging um jede Minute

Aber: „Die meisten Menschen hätten nicht den Mut gehabt, ins Wasser zu springen. Sie wollten einfach auch nicht ganz glauben, dass das Schiff wirklich sinken würde.“

Cameron weiter: „Wenn man nun aber davon überzeugt war, dass das Schiff komplett sinken würde, dann wäre der Sprung in Richtung eines der Rettungsboote eine gute Möglichkeit gewesen, um zu überleben. Würden sie einen ertrinken lassen, wenn die Titanic noch da war und alle zuschauten? Nein, sie würden einen an Bord ziehen, und die Offiziere würden sagen: ‚Scheiße, da kann ich nichts machen.’“

Allerdings hätte der Faktor Zeit eine wichtige Rolle gespielt, denn sobald die Boote weggerudert wären, hätte man als Passagier keine Chance mehr gehabt und wäre wie viele andere im eiskalten Atlantik-Wasser erfroren.

Hätte Jack Dawson überleben können?

Bleibt die berühmte Frage, ob Jack Dawson (Leonardo DiCaprio) in seiner Filmversion des Titanic-Unglücks wirklich hätte ertrinken müssen? Dazu gab James Cameron vor einiger Zeit bereits eine wissenschaftlich fundierte Antwort.

In seinem neuen Film „Avatar: Fire And Ash“ stellt sich der Regisseur indes andere Fragen, die eher auf die kriegerische Natur des Menschen verweisen und seinen Drang, die Natur für seine Zwecke auszubeuten. Dass nach drei Filmen des 3D-Epos langsam Ermüdungserscheinungen aufkommen, haben inzwischen aber nicht nur die Kritiker bemerkt.

Getty Images Hulton Archive

Marc Vetter schreibt freiberuflich unter anderem für ROLLING STONE. Weitere Artikel und das Autorenprofil gibt es hier.