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Tom Hanks: Der Durchschnitts-Amerikaner mit den ganz besonderen Fähigkeiten

🔥Der King der Traurigkeit: Joy-Division-Sänger Ian Curtis

Möglich, dass Tom Hanks unter den Kritikern mehr Kritiker hat als Fans, aber wer sich einen dieser Kritiker zur Brust nimmt, bekommt immer die Bestätigung, dass der Mann einige unvergessliche Szenen schuf. Dies sind nur die wichtigsten: Sein Abschied für immer, vom geliebten Freund, einem Beachvolleyball („Cast Away“); der Monolog eines Sterbenden, zum Gesang von Maria Callas („Philadelphia“); Captain Millers letzte Worte, „Earn This“ (in „Saving Private Ryan“).

Zuletzt aber auch sein großer Auftritt als „Captain Phillips“, dem Tanker-Kapitän, der einem Angriff der Piraten standhält, und erst am Ende, nach seiner Befreiung, zusammenbricht. Die meisten seiner Schauspiel-Kollegen würden den Moment vielleicht anders angehen. Man kann sich vorstellen, wie in derartigen Schocksituationen Mel Gibson starrt, oder wie Al Pacino schreit. Captain Hanks aber lässt einen inneren Sturm aufziehen, der nur in Ausläufern an die Oberfläche kommt, obwohl alles bebt. So einen Moment gab es im Kino bislang nicht.

Natürlich muss er Lehrer sein!

Mit 60 hat Hanks das wahrscheinlich beste Schauspiel-Alter erreicht, denn jetzt dürften erst recht die ganzen Rollen kommen, die ihm schon immer am ehesten lagen. Immer solche, in denen ein Mann fest im Leben steht, mit Job und Familie, der dann aber aus diesem Leben gerissen wird. In „Saving Private Ryan“ ist Tom Hanks der Anführer eines Bataillons, und als er vor seinen Leuten endlich seinen wahren Beruf auspackt, greift man sich an den Kopf und denkt: Natürlich! Was sonst. Ein Lehrer!

Die Leute schießen sich gerne auf Durchschnittstypen ein, einen wie Tom Hanks, weil sie sich an ihn erinnert fühlen, er irgendwie greifbar ist – aber im Gegensatz zu ihnen ein Star (darum stößt, in der Musik, auch Phil Collins auf Ablehnung). Hanks Vorteil: Wer unauffälliger aussieht, hat die Auswahl unter den meisten Rollen.

Dass er zu Beginn seiner Kino-Karriere in den 1980er-Jahren vor allem in Komödien spielte, hätte ihm fast das Genick gebrochen. „Splash“ war zwar ein Hit, „Scott & Huutsch“ auch, natürlich „Big“, das ihm das sogar eine Oscar-Nominierung einbrachte. Aber Hanks war da eigentlich längst totgestempelt, als der große Junge und Schwiegersohn.



Der King der Traurigkeit: Joy-Division-Sänger Ian Curtis

Er war der James Dean der „blank generation“, der Trostlosen aus den frühen Achtzigern, die keine Lust hatten auf den derben Bierbüchsen-Krawall der Punks: Ian Kevin Curtis aus der Region Greater Manchester; jener damals noch komplett maroden mittelenglischen Industriezone zwischen Mersey und Midlands, die sich seit dem Niedergang so ziemlich aller dortigen Industrien (von der Kohle bis zur Tuchweberei) im Zustand der Daueragonie befand. Zu seinen Lebzeiten blieb Curtis ein Indie-Maestro innerhalb einer kleinen Gegenkultur. Sein Suizid am 18. Mai 1980 erhöhte den depressiven Sänger schließlich zu einer legendären Gestalt der Popkultur. Die Platten „Unknown Pleasures“ (1979) und das tiefmelancholische…
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