Trump lässt sich von einer Energiekrise nicht bei seinem Feldzug gegen Windenergie aufhalten
Der Ölpreis schießt in die Höhe – und Trump zahlt ausländischen Konzernen fast eine Milliarde Dollar dafür, günstige Energieprojekte in den USA zu stoppen.
Donald Trump ist seit Langem ein Feind der Windkraft – und er lässt sich von einer kleinen Energiekrise nicht davon abbringen, seine Rechnung zu begleichen.
Den Anfang machte offenbar das Jahr 2006, als Trump ein Anwesen an der Küste von Aberdeenshire in Schottland kaufte, dort einen Golfplatz bauen wollte und gegen ein geplantes Offshore-Windprojekt in der Gegend zu Felde zog. Er verlor diesen Kampf – kämpft aber seither unerbittlich gegen Windenergie. Die jüngste Eskalation kam vergangene Woche, als die Regierung des Präsidenten bekanntgab, dem französischen Energiekonzern TotalEnergies knapp eine Milliarde Dollar zu zahlen, damit dieser seine Offshore-Windenergieprojekte vor den Küsten von New York und North Carolina aufgibt.
Das geschieht, während die USA angesichts explodierender Ölpreise infolge der Schließung der Straße von Hormus im Zuge des Irankriegs vor einer handfesten Energiekrise stehen. Merkwürdigerweise stellt das Innenministerium die Zahlung als Erfolg für die Energiekosten dar. „Diese Vereinbarung ist ein weiterer Sieg für Präsident Trumps Engagement für bezahlbare und verlässliche Energie für alle Amerikaner“, erklärte Innenminister Doug Burgum.
Milliardendeal gegen Windkraft
TotalEnergies hat sich nun verpflichtet, in die Öl- und Gasförderung in den USA zu investieren und künftig keine Offshore-Windprojekte mehr im Land zu entwickeln. Während die Energiekosten durch den Krieg gegen Iran und Faktoren wie die durch KI-Rechenzentren befeuerte Nachfrage weiter steigen, bekämpft die Trump-Regierung weiterhin die Erzeugung erneuerbarer Energie – der günstigsten Energieform überhaupt.
„Sie verwenden Steuergelder, um die Energiekosten zu erhöhen und unsere Energiesicherheit zu untergraben“, sagt Erin Baker, Professorin für Maschinenbau und Wirtschaftsingenieurwesen an der University of Massachusetts Amherst, gegenüber ROLLING STONE. „Das Letzte, was wir brauchen, ist, Energieprojekte zu stoppen – vor allem solche, die günstig und sauber sind und nicht zum Klimawandel beitragen.“
Die Zahlung an TotalEnergies ist dabei nur der jüngste Versuch der Trump-Regierung, die Entwicklung der Windenergie zu lähmen. Ende vergangenen Jahres versuchte die Regierung, zahlreiche laufende Offshore-Windprojekte zu blockieren.
Gerichte stoppen Trumps Blockade
So versuchte die Regierung, das als Revolution Wind bekannte Projekt zu stoppen – das mehr als 350.000 Haushalte und Unternehmen in Connecticut und Rhode Island mit Strom versorgen soll –, und berief sich dabei auf Bedenken zur nationalen Sicherheit. Ein Bundesrichter entschied jedoch, dass die Regierung diese Bedenken nicht hinreichend belegt habe, und das Projekt begann Anfang März mit der Stromlieferung in die Region.
Auch das Virginia-Coastal-Offshore-Wind-Projekt wurde von der Regierung ins Visier genommen. Ein Bundesrichter entschied im Januar, dass das Projekt fortgesetzt werden dürfe, und Ende März begann es mit der Energielieferung. Die Projekte Empire Wind und Sunrise Wind vor der Küste New Yorks konnten Trumps Versuche, ihre Fertigstellung zu verhindern, ebenfalls überstehen.
Trump bereitet der Windkraftbranche zweifellos Probleme, doch aufhalten konnte er ihr weiteres Wachstum nicht. Auch Solar- und Batteriebranche wachsen trotz des präsidialen Einsatzes für teurere fossile Brennstoffe auf Kosten sauberer Energie weiter in beachtlichem Tempo und stoßen auf weniger Hindernisse.
Rekordwachstum trotz Gegenwind
„Im Jahr 2025 wuchsen Wind-, Solar- und Batteriekapazitäten trotz feindseliger Bundesmaßnahmen in Rekordraten – mit 50 Gigawatt allein in den USA“, sagt Baker.
Das eigentliche Opfer von Trumps Treiben ist weniger die Windindustrie als vielmehr die Vereinigten Staaten selbst. Julie K. Lundquist, Professorin für Atmosphärenwissenschaften und Windenergie an der Johns Hopkins University, sagt, Trumps Vorgehen mache die USA als Markt für Windenergiefirmen zunehmend unattraktiv und schade der Branchenentwicklung insgesamt.
„Viele Unternehmen konzentrieren sich auf Märkte außerhalb der USA. Die Aufmerksamkeit wendet sich vom amerikanischen Markt ab“, sagt Lundquist. „Die USA könnten in diesen Zukunftsbranchen eine Führungsrolle übernehmen, aber gerade scheiden wir uns selbst aus dem Rennen aus und übergeben diese Führung an andere Länder.“
Braindrain in der Windbranche
Lundquist zufolge gibt es in der Windkraftbranche noch viel technische Entwicklung und Innovation zu leisten – und wenn talentierte Wissenschaftler und Ingenieure in den USA keine vielversprechende Zukunft für sich sehen, werden sie anderswo arbeiten. Dies ist nur eines von vielen Beispielen dafür, wie die Trump-Regierung einen Braindrain in den USA verursacht.
„Die Reaktionen meiner europäischen Kollegen reichen von ‚Es tut mir so leid, dass euch das passiert – wie können wir helfen?‘ bis hin zu schlichter Fassungslosigkeit darüber, wie schnell sich die Welt in eine Richtung verändert hat, die alles andere als gut ist“, fügt Lundquist hinzu. „Manche in Europa sehen darin, dass die USA ihre Führungsrolle in diesem technischen Bereich aufgeben, einen Vorteil für sich – aber die meisten in der Branche würden es vorziehen, wenn jedes Land kreative Lösungen zu den Problemen beisteuert.“
Trump wird die Windindustrie nicht vernichten können, doch er richtet echten Schaden an der Windkraftentwicklung an und gefährdet nicht nur Energiequellen, sondern auch Arbeitsplätze. In einer Zeit, in der viele Experten der Fossilbranche warnen, ein Barrel Öl könne bald 200 Dollar kosten, wäre es eigentlich naheliegend, eine Energiequelle zu fördern, die günstig, verlässlich und nicht auf Importe aus dem Ausland angewiesen ist. Trump scheint mehr daran interessiert zu sein, einer Branche die Daumenschrauben anzulegen, die vor zwei Jahrzehnten den Ausblick von einem seiner Golfplätze bedrohte.