Trump nutzt Ted Turners Tod, um von einer MAGA-Medienübernahme zu träumen

Der Präsident hofft, die neuen CNN-Eigentümer werden den Sender „zu seiner früheren Glaubwürdigkeit und seinem früheren Ruhm zurückführen“.

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Ted Turner, der Gründer von CNN, ist im Alter von 87 Jahren gestorben. Ganz seiner Gewohnheit entsprechend ließ US-Präsident Donald Trump keine Zeit verstreichen, um Turners Tod mit seinen weiterreichenden politischen Plänen zu verknüpfen.

Nachdem Turner CNN 1996 verkauft hatte, schrieb Trump in einem Post auf Truth Social, sei Turner „durch den Deal persönlich am Boden gewesen, weil die neuen Eigentümer CNN, sein ‚Baby‘, zerstört haben. Es wurde woke – und das ist so ziemlich das Gegenteil von allem, wofür er steht.“

Doch dann wechselte der Präsident von persönlicher Erinnerung zu einem unverhohlenen Bekenntnis, was er sich für die Branche wünscht, die Turner unwiderruflich geprägt hat.

Trumps Wunsch für CNN

„Vielleicht werden die neuen Käufer, wunderbare Menschen, es schaffen, CNN zu seiner früheren Glaubwürdigkeit und seinem früheren Ruhm zurückzuführen“, schrieb Trump.

Trump spielt damit auf den Verkauf von Warner Bros. Discovery an Paramount Skydance an, das bereits CBS News sowie eine Vielzahl weiterer Medienunternehmen besitzt. Die Paramount-Skydance-Fusion kam unter ausdrücklichem Druck Trumps zustande – und nun hat der Präsident unmissverständlich klargemacht, dass er eine weitere Konsolidierung der ohnehin schon weitgehend gleichgeschalteten amerikanischen Medienlandschaft ausdrücklich begrüßt.

Das Geld dahinter stammt aus einer vertrauten Quelle: Oracle-Gründer und enger Trump-Verbündeter Larry Ellison. Sein Sohn David Ellison leitet seit der Fusion die Mediensparte des Familienimperiums und hat die verschiedenen Sender deutlich stärker auf Trump-Kurs gebracht. CBS News etwa hat eine neue Chefin: die konservative Medienpioneurin Bari Weiss, die installiert wurde, nachdem Ellison ihr Nachrichten- und Kommentarportal „The Free Press“ aufgekauft hatte. Trump liegt seit Langem im Clinch mit CNN – weshalb eine freundlich gesinnte Ellison-Übernahme für ihn persönlich ein großer Triumph ist. Die Ellisons haben das sogar offen zelebriert: Sie schmissen eine Party zu Trumps Ehren, während sie auf die endgültige Genehmigung des Warner-Bros.-Discovery-Deals warteten.

Das ist mehr als ein Insiderspiel der Medienbranche. Aggressive Unternehmensübernahmen, Fusionen und Konzentrationsprozesse werden von der Trump-Regierung durchgewinkt. Die Hauptnutznießer sind die Ellisons, und die übernommenen Unternehmen passen ihren redaktionellen Kurs der Agenda des Präsidenten an. Selbst das Unterhaltungsangebot verändert sich – von TV-Serien bis zum Sport. Paramount hat kürzlich einen Bieterwettbewerb gewonnen und sich die Übertragungsrechte für die UFC für fast ein Jahrzehnt gesichert. Die UFC ist ein wachsender Akteur im Profisportgeschäft, den Trump persönlich schätzt. Das Streaming-Angebot von Paramount ist vollgepackt mit Serien, die zwar nicht explizit pro-Trump sind, aber dieselben Töne anschlagen, die die konservative Bewegung in ihren endlosen Kulturkämpfen immer wieder anstimmt.

Staatsnahe Medienmonokultur

Das alles ist kein Zufall. Wir erleben gerade die Geburt einer staatsnahen Medienmonokultur, die, wenn niemand sie aufhält, so lange weiterwächst, bis es nichts mehr zu sehen gibt außer rund um die Uhr laufender Propaganda, abgesegnet von welchem Nachfolgeregime auch immer die konservative Bewegung als nächstes an die Macht bringt. Das klingt apokalyptisch – aber es ist nicht weit von der Realität entfernt. David Ellison hat zwar behauptet, CNN werde seine redaktionelle Unabhängigkeit behalten; doch wie viel das wert ist, lässt sich bei CBS bereits besichtigen, wo Weiss, die von Ellison eingesetzte neue Chefin, Beiträge aus politischen Gründen beschneidet und zurechtbiegt. Egal, was Ted Turner von „woke“ gehalten haben mag – es ist kaum vorstellbar, dass der Schöpfer einer der erfolgreichsten unabhängigen Kabelnachrichtenoperationen der Geschichte möchte, dass sein Erbe von einem selbstgefälligen Milliardärskonsortium planiert wird, das gierig die Stiefel küsst, wer auch immer gerade an der Macht ist.

Jack Crosbie schreibt für den ROLLING STONE USA. Hier geht es zum US-Profil