Trump will Johnny Carson zurück im TV. Er sollte es sich besser zweimal überlegen
Der Präsident liegt im Clinch mit Late-Night-Comedians – doch die Tonight-Show-Legende hätte ihn genauso wenig verschont.
Donald Trump ist kein Fan von Late-Night-Fernsehen.
Der Präsident hat Jimmy Kimmel, Stephen Colbert, John Oliver, Bill Maher und sogar Jimmy Fallon kritisiert. Abgesehen von Greg Gutfeld auf Fox News kennt seine Verachtung für die aktuelle Riege der Late-Night-Hosts keine Grenzen. Zuletzt forderte er ABC auf, Kimmel aus dem Programm zu nehmen, und drohte sogar damit, den Sender zu verklagen.
Trump hat mehrfach geäußert, er wünsche sich, dass Late-Night-Legende Johnny Carson von den Toten auferstehe, um „The Tonight Show“ zu moderieren. „Wo ist Johnny Carson? Bringt Johnny zurück“, sagte er im Wahlkampf 2024. Ein paar Jahre zuvor bezeichnete Trump die heutigen Late-Night-Hosts als „schwach“ im Vergleich zu Carson, der „gute Arbeit geleistet“ habe und „nicht politisch“ gewesen sei.
Carsons Witze über Trump
Der Präsident sollte sich seinen Wunsch vielleicht noch einmal durch den Kopf gehen lassen. Die Late-Night-Legende hat Trump unerbittlich durch den Kakao gezogen, als der noch ein aufmerksamkeitshungriger Immobilienentwickler in den Achtzigern und frühen Neunzigern war. Zum Beispiel:
In seiner berühmten Rolle als Carnac the Magnificent gab Carson mit mystischen Kräften zunächst die Antwort: „‚Das Phantom der Oper‘, ‚Les Misérables‘ und Donald Trumps Mund.“
Dann riss er den Umschlag auf und las die Frage vor: „Nennen Sie drei Dinge in New York, die womöglich ewig andauern.“
Ego und Pleiten
Ein weiterer Carson-Spruch: „Ein schwarzes Loch ist ein kollabierter Neutronenstern mit einer so gewaltigen Schwerkraft, dass selbst Donald Trumps Ego ihr nicht entkommen könnte.“
Über Trumps Insolvenzen: „Donald Trump sollte heute Abend bei uns sein, aber er rief aus dem Motel 6 an und sagte, er habe seinen Bus verpasst“ – und: „Neulich sah ich Donald Trump auf der Straße mit einem Schild: ‚Verkaufe Plaza Hotel gegen Lebensmittel‘.“
Über Trump als Schlägertyp: „Habt ihr das neueste Spiel von Milton Bradley gesehen? Es heißt ‚Trump‘ – ja, von Donald Trump. Man würfelt, landet auf einem Feld, und da steht: ‚Räume ein älteres Ehepaar zwangsweise aus, kassiere eine Million Dollar Grundsteuer‘. Im Lieferumfang enthalten: Würfel, Spielbrett und ein kleines Set aus Plastik-Obdachlosen.“
Carson als politischer Rebell
Carson las einmal ein vorgebliches Memo vor, das Trump angeblich an Kindersendungs-Moderator Mister Rogers geschrieben hatte: „Das ist jetzt meine Nachbarschaft. Schnapp dir deinen miesen Pullover und verschwinde.“
Manche behaupten, Carson sei unpolitisch gewesen. Das stimmt nicht. Es ist kaum vorstellbar, dass er Trump im Weißen Haus in Ruhe gelassen hätte.
Als jemand, der für mein Buch „Love Johnny Carson“ über 400 Menschen zu Carson befragt hat, kann ich bezeugen, dass er mit Politikern gnadenlos umgehen konnte. Er nahm jeden aufs Korn und verärgerte zahlreiche Präsidenten und ihre Familien mit seinen bissigen Witzen.
Niemand war sicher
Nancy Reagan rief Carson an, um sich über seine Witze auf Kosten von Ronnie zu beschweren. Gerald Ford machte Carsons Witze dafür verantwortlich, dass er als „Stolperer“ wahrgenommen wurde. Während des Plagiats-Skandals um den damaligen Senator Joe Biden 1987 nahm Carson ihn monatelang aufs Korn – Biden zog schließlich seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahl 1988 zurück.
Niemand in einer Machtposition blieb verschont – weder Republikaner noch Demokraten.
Und doch hatte Carson ein Herz. Als er auf dem Höhepunkt der Watergate-Affäre erfuhr, dass Nixon dem Alkohol verfallen war, hörte er auf, den Präsidenten anzugreifen. Außerdem scheute er sich nicht, seine politischen Ansichten offen im Fernsehen zu vertreten.
Klare Haltung, klare Worte
Carson zeigte sich empört – und sagte das auch in seiner Show – als 1978 ein 19-jähriger College-Erstsemester zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt wurde, weil er ein Drittel Unze Marihuana verkauft hatte. Carson nannte die Strafe „unglaublich“ und „falsch“.
In seinen Monologen machte er über Monate hinweg keinen Hehl aus seiner Verachtung für die Sängerin und Anti-Schwulen-Aktivistin Anita Bryant. 1977 kämpfte Bryant in Dade County, Florida, dafür, eine Verordnung zum Schutz vor Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung abzuschaffen. Eine Schlagzeile lautete: „Carson macht Anita Bryant zur nationalen Lachnummer.“
Carson moderierte die Emmy-Verleihung 1972, als die Johnny Mann Singers während des tobenden Vietnamkriegs ein übertrieben patriotisches Lied darboten. Nach der Darbietung bemerkte Carson sarkastisch: „Kriegsanleihen gibt es im Foyer zu kaufen“ – und erntete donnernden Applaus. Konservative reagierten mit Empörung.
Belafonte und die Bürgerrechtsbewegung
Carsons kühnster politischer Schachzug gelang ihm 1968, als er den Sänger und Schauspieler Harry Belafonte, einen bekannten Bürgerrechtler, einlud, „The Tonight Show“ eine ganze Woche lang zu moderieren. „Lade ein, wen immer du willst“, sagte Johnny. Belafonte buchte Gäste, die sich offen für Bürgerrechte aussprachen und gegen den Vietnamkrieg positionierten. Die Liste, die NBC in Panik versetzte, umfasste Dr. Martin Luther King Jr. und Robert F. Kennedy.
Kurz gesagt: Carson war ein Rebell und ein Radikaler.
„Jimmy Kimmel ist kein Johnny Carson“, sagte FCC-Chef Brendan Carr letzten September inmitten einer Druckkampagne, die dazu führte, dass ABC Kimmel für eine Woche aus dem Programm nahm – aber Carr hat keine Ahnung, wie Johnny Trump angegangen wäre.
Was Carson wohl gesagt hätte
„Ich glaube, er wäre von Trump beleidigt und aufgebracht gewesen“, sagte Carson-Autor Michael Barrie gegenüber einem Journalisten. „Johnny verkörperte Anstand, gute Manieren und mittelwestliche Zurückhaltung – und Trump ist das genaue Gegenteil davon.“
Ich kann mir nur ausmalen, wie Carsons komisches Genie einen Mann zerlegt hätte, der mehr Stoff für Late-Night-Comedians geliefert hat als nahezu jede andere Person in der amerikanischen Geschichte.