So urteilt das Weiße Haus über Springsteens „Streets of Minneapolis“

Das Weiße Haus nennt Bruce Springsteens ICE-Protestsong „irrelevant“, während Millionen Menschen ihn hören und Proteste wachsen.

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Das Weiße Haus hat Bruce Springsteens neuen Protestsong gegen ICE als „zufällig“ und „irrelevant“ abgetan. Auf eine Nachfrage zu dem Lied, das das brutale Vorgehen der Behörde bei der Festnahme von undokumentierten Männern, Frauen und Kindern sowie die Tötung von zwei US-Bürgern in Minneapolis thematisiert, reagierte die Regierung ausweichend.

Ein Song, alles andere als „zufällig“

„Die Trump-Regierung ist … nicht auf zufällige Songs mit irrelevanten Meinungen und unzutreffenden Informationen fokussiert“, sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Abigail Jackson, gegenüber „The Hollywood Reporter“.

Der angeblich „zufällige“ Song ist „Streets of Minneapolis“ von einem Sänger, der alles andere als zufällig ist: Bruce Springsteen. Zu den angeblich „irrelevanten Meinungen“ gehören Aussagen wie, dass das Töten unbewaffneter US-Bürger wie Renée Good falsch ist, dass man sich gegen föderale Tyrannei wehren müsse, und dass Lügen von Trump-Gefolgsleuten wie Stephen Miller und Kristi Noem zu verurteilen seien.

Springsteens Botschaft in dem Song ist eindeutig, und er unterstrich sie zusätzlich in einem Statement zur Veröffentlichung: „Ich habe diesen Song am Samstag geschrieben, gestern aufgenommen und heute für euch veröffentlicht – als Reaktion auf den Staatsterror, der über die Stadt Minneapolis gebracht wird. Er ist den Menschen von Minneapolis gewidmet, unseren unschuldigen Nachbarn mit Migrationshintergrund, und dem Andenken an Alex Pretti und Renee Good. Bleibt frei, Bruce Springsteen.“

Ausweichmanöver statt Antwort

Keine von Springsteens Aussagen fand bei Jackson Anklang. „The Hollywood Reporter“ bat sie um eine Reaktion auf das vollständige Statement, doch sie nutzte die Gelegenheit für ein politisches Ausweichmanöver.

„Die Trump-Regierung konzentriert sich darauf, die Demokraten auf Bundesstaaten- und Kommunalebene dazu zu bewegen, mit den Bundesbehörden zusammenzuarbeiten, um gefährliche kriminelle illegale Ausländer aus ihren Gemeinden zu entfernen – nicht auf zufällige Songs mit irrelevanten Meinungen und unzutreffenden Informationen“, sagte Jackson. „Die Medien sollten darüber berichten, wie sich Demokraten geweigert haben, mit der Regierung zusammenzuarbeiten, und stattdessen kriminellen Illegalen Schutz bieten.“

Widerspruch auf mehreren Ebenen

Ein Sprecher von Bruce Springsteen reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage von ROLLING STONE. Betrachtet man jedoch die Proteste gegen das Vorgehen von ICE in Minneapolis und in zahlreichen weiteren Städten der USA, wirken eher Jacksons Aussagen irrelevant.

Zudem arbeitet die Trump-Regierung Berichten zufolge durchaus mit Demokraten zusammen, um ICE „einzubremsen und die Gewalt zu beenden“, wie Senator Chuck Schumer erklärte. Laut der „New York Times“ geschieht dies unter anderem, um einen weiteren Government Shutdown zu vermeiden.

Kritik auch aus den eigenen Reihen

Darüber hinaus haben auch republikanische Senatoren, darunter Thom Tillis aus North Carolina und Lisa Murkowski aus Alaska, den Rücktritt von Kristi Noem gefordert. Deren Ministerium ist für die Aufsicht über ICE zuständig.

Und selbstverständlich erscheinen täglich weitere angeblich „zufällige Songs“ mit „irrelevanten Meinungen“. ROLLING STONE hat begonnen, eine wachsende Liste von Protestsongs zusammenzustellen, unter anderem von NOFX, My Morning Jacket, Billy Bragg und anderen.
Millionen Klicks für „Streets of Minneapolis“

Derweil hat „Streets of Minneapolis“ bereits innerhalb von ein bis zwei Tagen Millionen Aufrufe auf YouTube erreicht – Tendenz weiter steigend.