Wenn Pfandflaschen hörbar gemacht werden
Die EcoRecord aus PET verspricht bessere Klimabilanz und überraschend starken Klang. Kann die nachhaltige Vinyl-Alternative überzeugen?
Die Schallplatte oder auch Vinyl genannt erfreut sich nach wie vor steigender Beliebtheit. Kein anderer Tonträger ermöglicht die Auseinandersetzung mit Musik so haptisch emotional wie das gepresste schwarze Gold aus Polyvinylchlorid (PVC).
Nun ist die CO2-Bilanz von PVC nicht die allerbeste und so hat sich die Sonopress GmbH mit Sitz in Gütersloh gedacht: „Das können wir besser!“
Sie haben kurzerhand die EcoRecord entwickelt, eine Schallplatte aus recyclingfähigem Polyethylenterephthalat oder auch PET.
Die ökologischen Werte können sich sehen lassen: -42 % CO2-Emission, 85 % weniger Energieverbrauch und 100%iger Einsatz von PET, wahlweise recycelt oder als Virgin Material.
Ein weiterer Pluspunkt: Neben dem verbesserten ökologischen Faktor konnten auch die Klangeigenschaften signifikant verbessert werden.
Hiervon konnte ich mich während einer Präsentation im Studio von Max Schlundt im Living Berlin überzeugen und durfte anschließend in einem Gespräch mit Sven Deutschmann, Geschäftsführer der Sonopress GmbH, die einzelnen Aspekte von der Entwicklung bis zur Produktion erörtern.
Der Selbsttest schafft den A-ha-Effekt!

Die EcoRecord wird im sogenannten „Injection Molding“, also Spritzgussverfahren, hergestellt. Dieses Verfahren ist grundsätzlich nicht neu, wurden doch bereits seit den 50er Jahren bis in die 90er hinein in Nordamerika 7″-Singles in Polystyrol gegossen, liebevoll auch „Styrenes“ genannt.
Sonopress hat sich dieses Verfahrens nun erneut angenommen und mit PET einen Werkstoff verwendet, der für das Injection Molding sehr gut geeignet und gleichzeitig durch seine Recyclingfähigkeit ökologisch besser bilanziert ist.
Was die Klangeigenschaften angeht, so war der Soundcheck im Studio Schlundt schon recht überzeugend. „Manche Effekte stellen sich ein, wenn man im Prozess ist. Die Prämisse war: Die Musik muss genauso gut klingen“, so Deutschmann auf die Frage, ob die verbesserten Klangeigenschaften Teil des Engineerings waren oder eher per Zufall eintraten.
Ein Selbsttest auf meiner heimischen Anlage sollte endgültig Klarheit schaffen und sorgte für einen erheblichen Aha-Effekt!
Das mit der Vinyl fast schon liebgewonnene Grundrauschen ist verschwunden, eine hörbar ausgewogene Dynamikveränderung bei linearer Einstellung des altehrwürdigen Technics-SH-GE90-Equalizers feststellbar. Der Klang nähert sich merklich der Klarheit einer CD, ohne hierbei sein warmes Analog-Aroma einzubüßen.
Eine aus meiner Sicht sehr gelungene Transformation von der Mehrwegflasche zu einem nachhaltigen Tonträger mit Charakter. Gerne mehr davon!
Präsentation der EcoRecord

Am 06.05.2026 präsentierte die Sonopress GmbH im Studio von Max Schlundt im Living Berlin die EcoRecord. Eine neue Schallplattengeneration, gefertigt aus PET anstelle des gebräuchlichen PVC.
Gebührend amtlich führte unter anderem Gunter Kürten, Geschäftsführer der Thorens GmbH durch das Programm. Hierbei stellte die traditionsreiche Marke ihr hochwertiges Equipment zur Verfügung und konnte damit die verbesserten Klangeigenschaften der EcoRecord eindrucksvoll hervorheben.
Unter anderem diente ein extra für diesen Zweck neu gezogenes Master von Kruder&Dorfmeisters „DJ-Kicks“, welches einmal auf herkömmlicher Vinyl und auf EcoRecord vorlag, als direkter Vergleich für einen Soundcheck. Ich konnte mich im Anschluss mit Gunter über die EcoRecord und die Leidenschaft für Vinyl im Allgemeinen unterhalten. Das ganze Gespräch ist im aktuellen Special des Podcasts Plastik im Ohr zu hören.