Warum alle beim ESC über Alexandra Căpitănescu reden werden
Mit „Choke Me“ hat sich die Rumänin für das Finale qualifiziert. Taugt die provokante Nu-Metal-Nummer für einen ESC-Skandal?
Sexuell provozierende Performances sind beim ESC schon seit vielen Jahren nichts Ungewöhnliches mehr. Doch wenn am Samstag (16. Mai) der rumänische Beitrag „Choke Me“ von Alexandra Căpitănescu zu hören ist (Timetable des Wettbewerbs HIER), dann dürften die Diskussionen so richtig losgehen.
Der Song mit Zeilen wie „I want you to choke me“ und „Make my lungs explode“ sorgte schon vor der Teilnahme der Sängerin im Halbfinale für Aufmerksamkeit. Verherrlicht Căpitănescu hier etwa eine sexuelle Praktik, die sich seit einiger Zeit vor allem bei jungen Paaren großer Beliebtheit erfreut, aber durchaus auch gesundheitsgefährdend ist?
Die 23-jährige Sängerin feierte ihren nationalen Durchbruch in Rumänien mit dem Gewinn der Castingshow „The Voice of Romania“ im Jahr 2023. Neben ihrer Musikkarriere studiert sie Physik im Master an der Universität Bukarest und will bald als medizinische Physikerin arbeiten. Rumänen war zuletzt nicht beim ESC dabei, nun ist die Aufregung dank „Choke Me“ gewiss.
Dabei handelt es sich um eine durchaus düstere Nu-Metal-Nummer mit exaltierten Opernelementen. Auf der Bühne sind Fesseln, Ketten und Käfig-Elemente zu sehen. Eine glasklare Bondage-Ästhetik, bei der Căpitănescu am Ende symbolisch ihre Fesseln sprengt.
Warum gibt es eine Debatte um „Choke Me“?
Aktivisten und Rechtsexperten kritisierten den Song bereits im Vorfeld des ESC scharf, da der Text „sexuelle Strangulationspraktiken romantisiere“. Der britische „Guardian“ berichtete in diesem Zusammenhang über Proteste, weil das Lied Gewalt gegen Frauen begünstigen könnte. Im Netz wurden vereinzelt Forderungen nach einer Disqualifikation laut.
Doch taugt „Choke Me“ auch für einen echten ESC-Skandal? Eher nein. Alexandra Căpitănescu stellte öffentlich klar, dass der Song für sie keinen direkten sexuellen Bezug hat. Das „Würgen“ stehe symbolisch für inneren Druck, Selbstzweifel und das Gefühl, von den eigenen Erwartungen emotional erdrückt zu werden. Das Lösen der Fesseln in der Show verdeutlicht das Überwinden dieser Ängste. Dass dennoch wie selbstverständlich mit BDSM-Symbolen gespielt wird, zeigt natürlich dennoch, dass sich die Musikerin der Wirkung ihrer (doppeldeutigen) Worte bewusst ist.
Es gab auch von der Europäische Rundfunkunion (EBU), die den Eurovision Song Contest austrägt, keinen Eingriff. Normalerweise wird reagiert, wenn die Performance oder die Lyrics explizit vulgär oder politisch sind. Hier votiert man deutlich für die künstlerische Freiheit der Sängerin. Trotz der Debatte um die Verherrlichung potentiell gefährlicher sexueller Interaktionen feiern viele ESC-Fans den Beitrag für die gewaltige Stimme der Rumänin und die Power des Songs.