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Neunte Kunst

Depri-Comic „Wie gut, dass wir darüber geredet haben“: Wenn der Toaster geifert

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Wen interessiert, dass du noch lebst? Lebst du überhaupt noch? Du riechst auf jeden Fall nicht so. Wann hast du das letzte Mal geduscht, du Lappen? Wenn eine Topfpflanze sprechen könnte und ihrem Halter oder ihrer Halterin derartige Worte an den Kopf werfen würde, sie würde wohl ganz schnell aus dem Zimmer fliegen. Doch vielleicht braucht sie gar nicht zu meckern, denn ihr langsames Vertrocknen spricht mehr als tausend Worte.

Die noch sehr junge Mainzer Illustratorin Julia Bernhard gehört inzwischen zu den Shooting Stars der deutschen Szene. Sie zeichnet für den New Yorker, the Nib und das Narrative Magazine. Sie ist darüber hinaus Gründungsmitglied des Frauen-Kollektivs Crush Club Collective. Ihr Comic-Debüt „Wie gut, dass wir darüber geredet haben“ (avant-verlag, 20 Euro) ist eine lakonische, tragikomische Abrechnung mit der Generation Y, der Bernhard selbstverständlich selbst noch angehört.

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Der Titel verrät auch schon das Programm: Sich selbst findende junge Menschen kämpfen mit depressiven Phasen, einem Arbeitsleben als Performance, Definitionsfragen der Liebe, verwöhnten Möpsen und Omas, die den „driftenden“ Lebensstil ihrer Enkel einfach nicht nachvollziehen wollen. Dann setzt es Worte wie diese: „Zieh nicht so ein Gesicht! Das gibt Falten. Dann nimmt dich erst recht keiner mehr. Und mit Urenkeln wird’s dann auch nichts.“

Hier wird kein Blatt vor den Mund genommen

In acht Vignetten, die als gesammelte Kurzgeschichten einige wenige Menschen begleiten und ihnen als Lebensphilosophie die nüchterne Formel „Eat. Shit. Die“ zur Hand geben, geht es reichlich skurril zur Sache, ohne dass wirklich etwas passiert. Es wird aneinander vorbeigeredet und einander niedergemacht. Neben der bereits angesprochenen Topfpflanze kommt auch ein Toaster zu Wort und bildet gemeinsam mit dem intensiv betreuten Mops („Nee, der ist ganz sensibel. Der kackt nur in seiner Umgebung“) und einer Couch, die zum darin Verschwinden einlädt, eine symbolische Ordnung einer mit sich chronisch unzufriedenen, aber mit Zweckoptimismus gewappneten Generation – vor allem junger, vereinsamter Frauen, denen das Kommunizieren ohne Anführungszeichen schwer fällt. „Cat Persons“, wie sie die Schriftstellerin Kristen Roupenian nennt.



Dieser Comic erzählt vom Gaceland-Martyrium Priscilla Presleys

Zum Buch: „I'm Every Woman“ ist Liv Strömquists dritte deutsche Publikation und eine Kompilation ihrer frühen Comics, die in Schweden Ende der Nuller-Jahre erschienen sind. Wie auch schon in ihren später geschriebenen Alben „Der Ursprung der Welt“ und „Der Ursprung der Liebe“ setzt sich Strömquist mit der oft komplizierten Beziehung zwischen Mann und Frau auseinander, wobei sie mit Hilfe von Fakten und (feministischer) Theorie versucht, die Machtverhältnisse offenzulegen. Das gelingt ihr oft scharfsinnig und beißend komisch. Manchmal schießt sie aber auch vollends über das Ziel hinaus und liefert eine nicht selten unfreiwillig komische bebilderte Variante des neusten akademischen Entwicklungsstandes der…
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