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Michael Jacksons ‘Dangerous’: das letzte Aufbäumen vor Nirvana

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Die Karriere von Michael Jackson war für viele Markierungen gut, zum Beispiel für das erfolgreichste Album aller Zeiten (“Thriller”, 1982), die meisten US-Nummer-eins-Singles aus einem Album (“Bad”, 1987) und eine Hauptrolle im, äh, blödesten 3-D-Freizeitpark-Film, den Francis Ford Coppola je gedreht hat (“Captain EO”, 1986).

Auch mit “Dangerous”, vor 25 Jahren veröffentlicht, schuf Jackson eine wichtige Station in seinem Lebenslauf, jedoch unfreiwillig. Wie die Vorgänger-Werke war es zwar auf Platz eins der Charts vieler Länder. Lange währen sollte das aber nicht, zumindest nicht in Jacksons wichtigstem Markt, den USA. Im Januar 1992, “Dangerous” stand für die damals verhältnismäßig kurze Zeit von drei Wochen ganz oben, kamen Nirvana. Mit “Nevermind” verdrängten sie den selbst ernannten “King Of Pop” vom Spitzenplatz der Top Ten.

Es ist keine Schande, gegen eine Band zu verlieren, deren Album heute als eines der wichtigsten der Neunziger gilt. Dennoch betrachtet man diesen Wechsel auf der Position eins heute als eine Art Zeitenwende: Die Ära der Pop-Superstars nahm ein Ende, Rockbands waren nun am Zug. Aber nicht mehr solche mit toupierten Haaren, sondern die, die keinen Wert mehr auf Äußeres legten.

New Jack Swing, das neue Ding

Der Abgang von “Dangerous” in untere Chartgefilde kam unerwartet schnell. Von einem künstlerischen Misserfolg kann man jedoch nicht sprechen. Zwar mangelte es dem Album an der Kompression, die der neuerdings geschasste Produzent Quincy Jones noch “Bad” gegeben hatte; auch das alte “Thriller” war mit seinem organischen Band-Sound dem neuen Jackson überlegen. Mit Terry Riley als Klangdesigner und dessen “New Jack Swing”, einer Art technoiden Soul, entdeckte Jackson dennoch neue Seiten. Er experimentierte mit Songlängen, Instrumentalpassagen sowie Strecken, die nur aus Rhythmen bestanden. Mini-Epen wie “In The Closet”, “Who Is It” und “Dangerous” ließen den Sänger dank ihrer Schlaufen wie in Trance wirken – für ein Tanzalbum nicht das Schlechteste, der damals 33-jährige Jackson war vorher nicht auf so etwas gekommen. Die Marktübernahme durch die Compact Disc mit ihrem Fassungsvermögen von mehr als 70 Minuten gab Jackson nun Möglichkeiten, die er zu “Bad”-LP-Zeiten noch nicht nutzte.

Teddy Riley war für einen Popstar vom Kaliber Jacksons, als jemandem, der etwas zu verlieren hatte, 1990 wahrscheinlich der beste und sicherste Produzent. Und so klang “Dangerous” auch mehr nach Straße, als es der Vorgänger “Bad” tat – und das, obwohl sich der Sänger für “Bad” extra mit einem Nieten-Schlaufen-Reißverschluss-Kostüm für die Gosse schick gemacht hatte.

Pfadfinder im Sinn

Man könnte fast von einem guten Album sprechen, wären da in “Dangerous” nicht jene Awareness-Stücke, die seit den Neunzigern in Jacksons Werk Überhand nehmen sollten. “Black Or White” behandelte seine Wut auf Kritiker, die nicht seine Musik, sondern seine Hautfarbe beurteilen; lustigerweise ist es dann ein Rapper als Gaststar, der Jacksons härteste Gegenklagen vorträgt (und der sich wie einer dieser in Hessen stationierten, gelangweilten G.I.’s der frühen Neunziger anhört). “Heal The World”: ein Song, der keiner Erklärung bedarf, weil gut gemeint, aber unerträglich anzuhören. “Will You Be There” wiederum ist ein Freundschaftslied, das Pfadfindern gut zu Gesicht stünde.

Das alles war 1992. Heute hat sich die Chart-Lage wieder beruhigt. Jenen von den Medien dramatisch hochgespitzten Zweikampf zwischen Popstars und Rockbands gibt es heute nicht mehr. In den Ranglisten folgt jetzt auf Justin Timberlake Pearl Jam, und auf Eminem Arcade Fire. Aus den “Wachablösungen” wurde ein stetiges Miteinander. “Chart-Ären” sind wohl passé.

Mit laut Wikipedia rund 16 Millionen verkauften Exemplaren liegt “Dangerous” nur knapp hinter “Bad” (18 Millionen), jedoch auch hinter Nirvana, die 26 Millionen Tonträger von “Nevermind” absetzten. Für Michael Jackson könnte das damals ein Trost gewesen sein: Kurt Cobain und Kollegen waren solche Zahlen wahrscheinlich weniger wichtig als ihm.

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