In unserer Reihe "Copyright or wrong?" beziehen Künstler aus Deutschland Stellung zum Thema Urheberrecht. Nach dem einleitenden Beitrag von Ekki Maas von Erdmöbel und dem Statement von Frank Spilker folgt nun Phillip Boa. Letzter Release des Vorstehers des Voodoo Club war das Livealbum "Exile On Strait Street".
Die einfachste Reaktion zu diesem Thema ist, sich einfach herauszuhalten. Doch Sven Regener hat seine Coolness geopfert für eine nachfolgende Musiker-Generation. Er bringt das auf den Punkt, was gerade für neue, unbekannte Bands und Künstler wirklich wichtig ist. Aus einer echten und tief empfundenen Indie-Überzeugung. Natürlich war ihm klar, dass sich dieses komplizierte Thema nicht über ein Radio-Interview lösen lässt. Sven hat eine Diskussion provoziert, bitte dankt ihm dafür. Und vergesst nicht: Gegen die absolute und kostenlose Freiheit im Netz zu sein, gilt als uncool. Es war Sven egal.
Zum Thema Kultur-Flatrate kann ich nur sagen, dass es sie bereits gibt. Spotify (oder Napster seit Jahren) ist längst eine Kultur-Flatrate. Flat eben. So übrigens sehen diese Abrechnungen in der Realität aus: 200.000 Streamings = ein Mittagessen! Auch ich mache mich jetzt hier zum Affen, sollte ich doch lieber schweigen, denn mir persönlich ist es scheißegal – komme gut damit zurecht. Aber, also, fuck it: Die GEMA führt seit Jahren einen Alibi-Prozess und lässt sich überall anders abzocken. Das System Plattenfirma zerstört sich durch "Nicht-Zuende-Denken" seit Jahren selbst. Wenn die Künstler aussterben, weil das System ausgestorben ist: Selbst Schuld – Ihr habt auch nicht richtig gedacht. Schluss jetzt damit. Cool bleiben/ Spaß haben. Alles ausgedrückt, was auszudrücken war.
Hier die bisherigen Beiträge der Serie:
Kommentare (7)
urheberrecht
Zur Zeit ist die GEMA leider die einzige Institution, welche den Künstlern in der Wahrung ihres Urheberrechts 'beisteht'.
You Tube und Andere müssen unbedingt folgen und ihren Obolus (contribution) an die Künstler entrichten dafür, dass sie die zu z.b. Vidoes verarbeiteten Kunstwerke zu ihren Artikeln im Net gemacht haben.
Die jetzige Praxis ist ausbeuterische Versklavung der Künstler als Urheber gleich und ein gesellschaftlicher Skandal.
von rolf schützek am 30. April 2012 13:37 Uhr
urheberrecht /GEMA
Zur Zeit ist die GEMA leider die einzige Institution, welche den Künstlern in der Wahrung ihres Urheberrechts 'beisteht'.
You Tube und Andere müssen unbedingt folgen und ihren Obolus (contribution) an die Künstler entrichten dafür, dass sie die zu z.b. Vidoes verarbeiteten Kunstwerke zu ihren Artikeln im Net gemacht haben.
Die jetzige Praxis ist ausbeuterische Versklavung der Künstler als Urheber gleich und ein gesellschaftlicher Skandal.
von rolf schützek am 30. April 2012 13:40 Uhr
Komische Rechnung...
200.000 Streamings = ein Mittagessen für wie viele Personen? 200K Streams sind normalerweise 250 E, nicht sehr fett aber deutlich mehr, als man bei einem Airplay bekommt, bei einem Sender mit 200 000 Leuten Reichweite. Von der GEMA bekommen die meisten Bands für Radio gar nichts.
Ich will ja nicht behaupten, dass im 21ten Jahrhundert alles nur prima ist aber schlechter als früher?
von zettberlin am 04. Mai 2012 00:02 Uhr
...aber deshalb nicht falsch
Flatrate-Streamings mit Radio zu vergleichen hinkt aber leider. Denn die Streaming-Services führen zwangsläufig zu einem Rückgang der Platten/CD/MP3-Käufe. Das hat Radio nicht wirklich getan. Radio war Anreiz zum Kauf der Lieblingssongs/-scheiben. Das ist Streaming nicht. Da kann man das entsprechende Lied immer hören, wann und wo man will.
Und von den 250 Euro gehen ja auch noch Steuer, Produktionskosten etc. ab. Und es sind bei Bands ja nicht nur 1 Person sondern mehrere Personen, die vom restlichen Geld was bekommen wollen. Also bleibt unterm Strich wirklich für jeden nicht mehr als ein gutes Mittagessen übrig.
Das Problem ist einfach meiner Meinung nach, dass die Firmen, die "die Musikindustrie ausmachen", von Napster und iTunes bis zu den Produktionsfirmen mittlerweile auch oft börsenorientierte oder investorgetriebene Firmen sind, die halt Gewinnmaximierung als Ziel haben. Kunst und Gewinnmaximierung passen nicht zusammen. Und so sind auf der einen Seite die Hörer/ Fans/ Nutzer, die versuchen günstig an die Musik zu kommen und auf der anderen Seite Musiker, die in erster Linie gute Musik machen und in zweiter Linie von den Fans "geliebt" werden wollen. Einkommensmaximierung ist bei den meisten nicht der Antrieb ihres Handelns.
D.h. es müsste ein System geben, in dem Künstler wirtschaftlich geschützt sind, die Kunden mit ehrlichen Preisen beliefert werden und die Händler einen Anreiz haben, die Musik entsprechend zu positionieren und zu vermarkten.
Vor Jahren gab es mal die Forderung nach der Buchpreisbindung in der Musik. Eigentlich ist das zu viel Eingriff, auf der anderen Seite ist es vielleicht die einzige Chance den aus dem Ruder gelaufenen Markt zu ordnen.
Noch ein paar Sachen, über die ich mich so aufrege: Warum kostet eine CD bei Amazon 12,99 Euro und die dazugehörige MP3 kostet auch 12,99? Das ist Abzocke. Warum wird nur noch im Radio (selbst bei guten Sendern wie 1Live) die gleichen Interpreten mit den gleichen aktuellen Songs gespielt oder aber das berühmte "beste der 70, 80, 90 Programm abgespult? Das macht den Musikmarkt kaputt. Warum gibt es kein Viva II, Viva und MTV mehr? Wo soll man denn neue Musik und neue Bands kennenlernen? Warum sind ME, Rolling Stone, Spex und Visions mittlerweile fast identisch? Überall Bruce Springsteens neue CD. Klasse, nichts gegen The Boss, aber das kanns doch nicht für den Monat Mai gewesen sein, oder?
Ganz ehrlich: Das Internet hat nur eine Entwicklung verschnellert, die spätestens mit der Einführung der CD und den absurten Verträgen an REM, Madonna, U2 etc. angefangen hat....
von Honk am 06. Mai 2012 15:09 Uhr
@Honk
Deine Rechnung kann man nachvollziehen aber so, wie es im Beitrag steht, denken die meisten Leute 1 Mittagessen für Philip Boa.
> D.h. es müsste ein System geben, in dem Künstler wirtschaftlich geschützt sind, die Kunden mit ehrlichen Preisen beliefert werden und die Händler einen Anreiz haben, die Musik entsprechend zu positionieren und zu vermarkten.
Da hast Du völlig recht. Wie Du selbst sagst, ist aber Kunst mit Gewinnmaximierung schwer zu vereinbaren. Und Gewinnmaximierung steht über den Portalen aller großen Medienfirmen.
> Warum kostet eine CD bei Amazon 12,99 Euro und die dazugehörige MP3 kostet auch 12,99?
Weil es bezahlt wird.
> Warum wird nur noch im Radio (selbst bei guten Sendern wie 1Live) die gleichen Interpreten mit den gleichen aktuellen Songs gespielt
Weil die meisten Radiosender zu dem System gehören, in dem Gewinnmaximierung die No1 Priorität ist. Wer Nischen berücksichtigt, muss in kompetente Journalisten investieren, und Kosten und Gewinnmaximierung passen eben nicht.
>Wo soll man denn neue Musik und neue Bands kennenlernen?
Bei last.fm youtube.com bandcamp.com jamendo.org etc etc etc
Ich höre auch noch ab und zu was gutes Neues beim Deutschlandfunk. Das Staatsradio muss teilweise noch nicht ganz so Maximieren.... motor.fm ist der einzige private Sender hier in Berlin, der auch manchmal hörenswert ist.
>Das Internet hat nur eine Entwicklung verschnellert
Das sehe ich genauso.
von zettberlin am 07. Mai 2012 13:19 Uhr
Fehlendes Angebot
"Warum kostet eine CD bei Amazon 12,99 Euro und die dazugehörige MP3 kostet auch 12,99?"
genau hier liegt das Problem. Esfehlt im Internet noch immer an attraktiven, fairen Angeboten, um so die Internetnutzer wieder zu Beitragsleisteten Kunden zu machen. Nur leider scheint sich da die Musikindustrie etc nicht drum zu scheren, sondern treibt lieber Verbote und so entstehende Abmehnkanzleien voran. Ein Umdenken im Thema Urheberrecht und Internet muss stattfinden!
von digis am 09. Mai 2012 22:00 Uhr
@zettberlin
200K Streams sind normalerweise 250 E ... das wären immerhin stolze 0,00125 E, respekt!
von Insider am 11. Mai 2012 00:44 Uhr