Als nach vier Minuten der Vorhang fiel, hinter dem die Band ihren flirrenden Sound ausbreitete, sah man auch nicht wirklich klarer, wohin sich The xx bewegen. Das Konzert im schönen, leicht überfüllten Admiralspalast an der Berliner Friedrichstraße fiel in zwei Hälften: zunächst spielte das gefeierte Trio aus London quasi rhythmusfrei, webte Songs ihrer beiden Alben zu einem endlos geflochtenen Klangband, zu nahezu unterschiedslos und filigran blubbernder Unterwassermusik – passend zum dominierenden Blau der übrigens großartigen Lightshow – und dann, nach gut einem halben Dutzend Tracks, setzte schließlich ein Beat ein. Und der blieb dann.
The xx haben mit ihrem selbstbetitelten Debut (2009) und mit "Coexist" (2012) zwei herausragende Alben produziert, die frühe New Wave (Durutti Column, Young Marble Giants, Cure, New Order) mit dem (Elektro-)Stand der Dinge verbinden. Dabei klangen ihre kargen, prägnanten Rhythmen auf eigentümliche und aufregende Weise analog. Das ist mit dem zweiten Album ein bisschen, mit dem Live-Auftritt fast völlig verschwunden. Die vielversprechendste Band unserer Tage steht an einem Scheideweg – das war am Dienstagabend in Berlin zu sehen. Während vorne auf der Bühne Romy Madley Croft (Gitarre, Gesang) und Oliver Sim (Bass, Gesang) wie ein inniges Geschwisterpaar agierten und ihren unterkühlten an Everything But The Girl erinnernden Wechselgesang pflegten, stand Jamie Smith (Elektronik, Schlagwerk) erhöht im Hintergrund und hatte erst kaum etwas und später sehr viel zu tun. Doch egal ob riskant und rhythmusfrei oder ordentlich und eher konventionell böllernd – immer waren ihre Songs fragmentarisch, skizzenhaft, zerrissen. Dennoch wirkten sie an diesem Abend wie zwei 60-Minuten-Medleys, hielten sie durchgängig eine Temperatur und Stimmungslage: Kaltes Blau, würde ich sagen.
Das Publikum jubelte fast frenetisch. Es bejubelte jeden Break, jede karge Gitarrenlinie, jedes Soundfragment, das mehr verhieß. Am Ende verbeugten sich Romy und Oliver leicht linkisch vor dem Publikum, Jamie verschwand im Off. Niedlich wirkten sie da, so unfassbar jung.
Die Band der Stunde, zweifellos. Eine Band auch, die noch immer im Werden und Wachsen ist.
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Kommentare (8)
Unerträglich langweilig war das, mehr nicht!!!
na HILFE .... 40 Euro zum Fenster raus geschmissen. So eine langweilige "Band" hab ich schon lange nicht mehr gesehen. Nach einer knappen Stunde hab ich es nicht mehr ausgehalten und bin da so schnell wie möglich abgehauen. Völlig ausgelutschte U2 Melodien ins Mikro gesäuselt und unmöglich unfetzige Beats dazu auf Elektropads gespielt. Wieso spielt sowas auf so großen Bühnen? Schrecklich! Ich will mein Geld zurück!
von Roland Gerber am 05. September 2012 13:32 Uhr
Der lachende Roland...
Keine Ahnung, auf welchem Konzert du warst, aber deine Kritik ist alles andere als angemessen. Warum gibst du 40 Euro für ein Konzert aus, wenn du offensichtlich die Band noch nie zuvor gehört hast!? The XX waren nicht unbedingt großartig aber das Gesamtkonzept hat gepasst und die Leute, die sie schon länger auf dem MP3-Player haben, waren sicherlich sehr angetan von der Show und den tollen Stimmen der beiden. Das Einzige, was zu bemängeln ist, war der dürftige Sound im Admiralspalast...und die Klatscher! Mir jedenfalls war das Konzert jeden Cent wert.
von Erdna am 05. September 2012 14:06 Uhr
Enttäuschung
Ich muss Erdna recht geben. Unbedingt großartig war das echt nicht! Eher monoton. Aber von einem Gesamtkonept konnte man nicht wirklich sprechen. Die Lichtshow war großartig. Aber nur deshalb, weil sie so eine Art Atmo vermittelte, die The XX nun mal gar nicht vermitteln konnten. Vielleicht lag es auch am Admiralspalast oder an dem teil-gecasteten Publikum, was einem vorkam als wäre man bei Top of the Pops gelandet. Für mich sind die XX-Akten aber auch erstmal geschlossen.
von Reika am 05. September 2012 15:16 Uhr
...
Ich schliesse mich meinen beiden Vorrednern an. Irgend etwas passte da überhaupt nicht zusammen. Dieser mega aufgezogene Event und diese minimalistisch ruhigen XX. Ich persönlich habe beide Alben nicht nur auf dem MP3 Player, aber genau dort gefallen mir The XX wesentlich besser. Und zwar zu Hause auf der Couch. Und genau dort hätte ich mich gerstern Abend auch wesentlich besser aufgehoben gefühlt. Im Nachhinein - muss ich leider auch zugeben - habe ich nach ca. 50 min auch nicht mehr dort im Palast stehen wollen. Nicht aufgrund müder Beine und Füße oder so. Nein! Ich war gereizt und genervt. Etwas befand sich da massiv in der Schleife .
von Steffen am 05. September 2012 18:29 Uhr
Nachfrage
@Reika:
Was meinst Du mit "teil-gecasteten Publikum"?
von Stefan am 05. September 2012 22:05 Uhr
Unverständnis
War ich auf nem anderen Konzert?!kann die Kritik null verstehen!ich saß(vielleicht lag es daran) parallel zur Bühneauf dem ersten Balkon und fand es Hammer!der Sound war unglaublich, die Lichtshow richtig geil und passte sehr gut zu the xx!wer Aktion haben will sollte sich ne andere Band suchen, das ist the xx, nicht slipknot!
von icke am 06. September 2012 08:23 Uhr
icke hätte auch gerne gesessen
hallo Icke ... ich denke, wer das zugegebener maßen recht langweilige Konzert im Sitzen verfolgen durfte, kann nicht wirklich beurteilen, wie es unten im Stehen war. Ich fand es zwar jetzt auch nicht so fürchterlich, kann aber nicht im Geringsten verstehen, wieso The XX so geheipt werden. Und wieso die nicht in kleinen Clubs spielen, wo sie - im Gegensatz zu slipknot - definitiv hingehören.
von Iris am 11. September 2012 12:45 Uhr
Antwort
@Stefan:
mit "teil-gecastet" meine ich die Jenigen, die aus heiterem Himmel ohne irgendeinen geringen Anlass, plötzlich anfangen zu Kreischen und zu Jubeln und völlig austicken, wo meiner Meinung und der Meinung aller Anderen mit denen ich da war NICHTS, aber auch GAR NICHTS passiert ist. The XX sind minimalistisch und haben noch lange keine Welthits. So eine Mucke löst nicht wie aus der Pistole geschossen Massenemotionen aus. Und wenn man sich anschaut, wie man an die Karten gekommen ist und damit vergleicht, wie man normalerweise seine Konzertkarten kauft, bekommt man schin irgendwie den Eindruck einer Casting Veranstaltung.
von Reika am 11. September 2012 13:04 Uhr