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Slime - "Sich Fügen Heißt Lügen"
Arabischer Frühling, Occupy Wall Street, Stuttgart-21-Proteste: Wenn Menschen überall auf die Straße drängen, um gegen Ungerechtigkeiten zu protestieren, dürfen die Hamburger Altpunks Slime natürlich nicht fehlen. Sie verstanden sich schon immer als Sprachrohr der Unterdrückten, als die Frontschweine der Antikapitalismus-Bewegung.
Dass sie sich auf ihrem Comeback-Album "Sich fügen heißt lügen" bei den Texten des von Nazis ermordeten Anarchisten Erich Mühsam bedienen, ist zumindest originell. Alle Songs stimmen ein Loblied auf die Freiheit an, sind Hymnen der Unbeugsamkeit. "Freier Mut gebiert die Tat" heißt es zum Beispiel in "Freiheit in Ketten", "Freiheit und Recht stehn auf der Schanze/ Sieg oder Tod – jetzt geht's ums Ganze" grölt Dirk Jora in "Wir geben nicht nach", der Slime-Interpretation von Mühsams "Trutzlied".
Die Bürgerschreckprosa ins Stücken wie "Lumpen" oder "Zum Kampf" verpacken Slime allerdings in ziemlich altbacken-spießige Punkrock-Gassenhauer, die die letzten 30 Jahre verschlafen haben. Zwar bemüht sich die Band darum, den Sturm-und-Drang-Verve von 1979 wiederzubeleben, klaut auch mal hübsch bei den Dead Kennedys ("Rebellen"), bekommt in "Seenot" eine Parabel auf die Wirtschaftskrise hin, die nichts mehr mit der gleichnamigen Ballade Mühsams gemeinsam hat. Trotzdem wirkt dieser überhetzte Punkrockgestus fast noch antiquierter als Mühsams Sprache. Zum Aufpeppen des Gemeinschaftskundeunterrichts aber unbedingt brauchbar.
Beste Songs: "Rebellen", "Seenot"


Kommentare (11)
nichts anderes erwartet ...
habe ich von der Springer-Presse, als solche eine Kritik!
von Arribert am 15. Juni 2012 15:48 Uhr
@Arribert
Du musst da auch Nachsicht haben... die Spinger-Presse inklusive "Rolling Stone" ist im Moment sehr beschäftigt damit Bushido als Helden auf zu bauen, da bleibt wenig Zeit sich mit Alben vom SLIME zu beschäftigen.
von Frank am 16. Juni 2012 19:39 Uhr
Soundtrack zu Gauck
Für mich klingen die Lieder eher wie der offizielle Soundtrack zur Präsidentschaft von Joachim Gauck.
von Jens am 17. Juni 2012 10:55 Uhr
Springer hin oder her...
...die Slime-Reunion ist halt auch einfach so überflüssig wie sonstwas. Nach "Schweineherbst" war alles gesagt. Bitte wieder auflösen.
von Tracy am 17. Juni 2012 13:37 Uhr
@Tracy
Ach nee, das Album geht schon ganz gut rein. Die Taz hat treffend geschrieben "Dichterkunst mit Dosenbier". Ich finde es allemal besser als die aktuellen Alben der erfolgreicheren alten Säcke, wie die Ärzte oder den Toten Hosen. Manchmal klingts etwas gröhllastig, aber es ist ein SLIME-Album. Die Texte sind erstaunlich aktuell und kritisch, ich finde es kann ganz gut mit Schweineherbst mithalten. Ob ichs in 18 Jahren noch hören werden, wie Schweineherbst, kann ich noch nicht sagen. Ich habe es erst dreimal gehört. Aber Schweineherbst ist in den letzten zehn Jahren auch nicht öfter gelaufen...
von arribert am 17. Juni 2012 14:21 Uhr
Hä?
Bin ich der einzige der mit dem Album was anfangen kann? Slime bekennen als eine der wenigen "alten" Bands weiterhin Farbe. Musik und Texte passen perfekt zusammen. Dat is Punkrock, du Arsch. Wer erwartet da schon zuviel neues? Lohnt sich!
von lllllllllllllllllllllllLLlllllllll am 25. Juni 2012 12:15 Uhr
Recht hat er!
Genau! Wer erwartet da Neues? Von der CSU erwartet ja auch niemand Innovationen am laufenden Band. Und Punkrock ist die CSU der Rockmusik: Musik gleich, Sprüche gleich, Haare gleich - 35 Jahre Punkrock - da weiss man, was man hat. Und nach 20 Jahren dann doch nochmal Album und Tour, um im Altenheim nochmal die Nachttöpfe klappern zu lassen. Stephan Mahler hats kapiert und ist rechtzeitig ausgestiegen...
von halsalarm am 26. Juni 2012 22:24 Uhr
herr
Habe vor einem Jahr schon ein Album mit den gleichen Titel und den gleichen Songs gemach. Auch alles Grunge ,Punk und Reggeaska.Das ist aber ein Musical.Den ersten Teil findet ihr unter Youtube Bürgers albdruck.
von ingo am 03. Juli 2012 14:38 Uhr
Erinnert mich an Georg Kreislers Lied ...
"Der Musikkritiker" ... :-D
Mal ehrlich. Ich hab in das Album reingehört
von Arno Schlick am 07. November 2012 09:29 Uhr
Ergänzung ...
Hey, Ihr habt diesen Text beim Posting eben einfach weggelassen: Ich finde das Album wunderbar inspirierend! So einen abfälligen Quatsch wie in dem Artikel braucht sicher niemand, dem solche Musik
von Arno Schlick am 07. November 2012 09:37 Uhr