- 17. November 2011
von Oliver Hüttmann
Filme
Halt auf freier Strecke
Regie: Andreas Dresen
Foto:
Rommel Film
Filmposter: "Halt auf freier Strecke"
Möglichst realistisch will Andreas Dresen in seinen Sozialdramen
sogenannte Tabuthemen aufgreifen. Allerdings erzeugt er gerade
dadurch auch einen aufdringlichen missionarischen Eindruck. Frank
(Milan Peschel) hat einen Gehirntumor. Ihm bleiben nur noch wenige
Monate, die er mit seiner Frau Simone (Steffi Kühnert) und den
beiden Kindern im erst neuen Reihenhaus verbringen will. So erlebt
man die von Franks Verfall bald emotional überforderte Familie.
Dresen erspart einem kein Detail, und Peschel spielt alles mit schonungslos intensiver Wahrhaftigkeit. Doch irgendwann wirkt die improvisierte Authentizität nur noch aufgesetzt – gerade weil Dresen so keine Haltung einnimmt. Erlösend ist da Franks lakonischer Sarkasmus, dass bei seinem Begräbnis Neil Youngs Score zu "Dead Man" von Jim Jarmusch gespielt werden soll: "Das ganze Album."
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Kommentare (1)
Halt auf freier Strecke
Sehr geehrter Herr Hüttmann, was haben Sie erwartet als Sie ins Kino gingen, um "Halt auf freier Strecke" anzuschauen? Eine Hollywood-Soap? Dresens Film "erspart uns kein Detail" - gottseidank, dass endlich mal die Tabuisierung des Sterbens aufgehoben und gezeigt wird, dass ein Sterben im Kreis der Familie möglich ist, dass es empathische Sterbebegleitung gibt, in die man auch Kinder einbeziehen kann. Genau der "lakonische Sarkasmus", der den Film durchzieht, der aber auch zeigt, dass Lachen und Humor und Vergnügen möglich sind im Angesicht des Todes, macht den besonderen Wert dieses exzellenten Films aus. Wieso behaupten Sie, dass der Regisseur "keine Haltung" zeigt? Weil er auf christliche Symbolik verzichtet? Weil er das Sterben eines Menschen im Diesseits, im Alltag verankert und auf paradiesische Versprechen verzichtet? Weil der Schluss ohne Sentimentalität zeigt, dass das Leben auch nach dem Verlust eines geliebten Menschen weitergeht?
Ich jedenfalls bin dem Regisseur, dem ganzen Filmteam dankbar, dass sie in diesem wertvollen Film zeigen, dass der Tod zum Leben dazugehört, dass wir keine Angst vor dem Sterben zu haben brauchen, wenn zuverlässige Sterbebegleiter in der Nähe sind. Ein großes Dankeschön an den Regisseur und die Schauspieler, allen voran die großartigen Kinder!
von Zuschauerin am 01. Dezember 2011 23:58 Uhr