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30 Jahre “Die Farbe des Geldes”: Der Stoß

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30 Jahre “Die Farbe des Geldes”: Der Stoß

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Schon die Art, wie Paul Newman in der Billard-Bar den gepanschten Whisky erklärt, die Farbe, den Geschmack, die Dichte und die Preise, wie er am Tresen sitzt und Helen Shaver, die alte Flamme, becirct, sich seiner Wirkung bewusst, und wie er John Turturro nebenbei einen Geldschein gibt – diese Art des lässigen, ironischen Bramarbasierens und Werbens ist eine Kunst für sich. Eddie Felson ist ein unglaublicher Schwätzer – aber er ist auch verdammt überzeugend. In “Haie der Großstadt”, 1961, war Eddie ein Billard-Genie, das an seinem Hochmut scheiterte. 25 Jahre später, in “Die Farbe des Geldes”, ist er ein Verkäufer von Lebensweisheiten, die er sich selbst ausgedacht hat, Herr seines eigenen Schicksals. Eddie hörte mit dem Billard auf, aber er blieb ein Spieler.

Die Vorrede zum Film ist schon so einnehmend, dass man die Vorfreude kaum aushalten kann: “Man könnte also sagen, dass man beim Neuner-Pool Glück braucht. Aber für manche Spieler ist das Glück selbst eine Kunst.” Und dann setzt wie ein Stoß mit dem Queue Robbie Robertsons Musik ein. Eddie lernt den jungen Vincent kennen, einen brillanten Pool-Spieler, das Naturtalent als reiner Tor, der unter dem Scheffel seiner Freundin Carmen steht. Carmen sammelt das Geld ein, Vincent will nur spielen. Eddie macht den beiden ein Angebot, er will mit ihnen auf Tournee gehen, die Billard-Clubs abgrasen und dann an einem Turnier in Atlantic City antreten. Carmen zögert und willigt dann ein, Eddie nimmt 60 Prozent, und es ist diese alte Masche des Gewinnen-Lassens und Anfütterns, die Eddie damals, in “Haie der Großstadt”, gebrochene Daumen einbrachte. Eddie fährt das Auto und schwadroniert, Vincent lacht, Carmen lauert.

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“Du musst ein Student der menschlichen Natur werden”, doziert Eddie, aber das ist natürlich vergeblich, wenn die Gefühle ins Spiel kommen. Es ist von Beginn an klar, dass es einen Moment zwischen Newman und Mary Elizabeth Mastrantonio geben wird. In einem Hotelzimmer kommt dieser Moment, als Carmen kokettiert und lockt, indem sie in Unterwäsche herumläuft. Eddie schüttelt sie. Im “Spiegel” stand 1987, Eddie lehne sie zu Recht ab, weil sie so langweilig sei. Sie sei kühl wie der Film. Aber Kühle kann sehr attraktiv sein – und Martin Scorsese und sein Kameramann Michael Ballhaus haben einen kühlen und realistischen Film gemacht, ein Road Movie, das keine Landschaft zeigt, das in nächtlichen amerikanischen Städten, in Bars, Restaurants und Billardhallen spielt. Sie lassen die Kugeln laufen. Im Hintergrund sind Phil Collins’ “One More Night” und Warren Zevons “Werewolves Of London” zu hören, Robbie Robertson hat die Songs ausgesucht. Scorsese hat immer gesagt, dass “Die Farbe des Geldes” ein Studiofilm ist, eine Auftragsarbeit. Es musste ein erfolgreicher Film werden, und es wurde ein erfolgreicher Film.

“I’m Back!”

Tom Cruise musste sich nicht anstrengen für Vincent Laura, er war ohnehin so. Die aufgetürmte Frisur, die Jeans, das offene Hemd über dem T-Shirt – alles an Cruise ist jung, so wie alles an Newman alt ist: die Anzüge, der Schnauzbart, der Kamelhaarmantel, die monströse Sonnenbrille. In Atlantic City, als sie entzweit sind, spielt Newman seinen besten Trick. Die Billard-Halle ist ein Dom der Spieltische, eine Kultstätte, das Mekka. Der Film öffnet sich zum Licht, jetzt ist Abrechnung. Man denkt, nun könne der Film neu beginnen, nun werde gezeigt, wie der ältere Mann dem jungen eine Lektion erteilt und dann triumphiert. Newman erteilt Cruise eine Lektion, aber der Film erzählt nicht, wie es weitergeht. Sein “I’m back!” und das eingefrorene Bild sind der Triumph: Eddie Felson ist wieder da. Niemand will sehen, dass er weiterhin gepanschten Whisky, gefälschte Etiketten und Holzfässer verkauft.

Alle wollten sehen, dass Paul Newman nach 25 Jahren den Oscar gewinnt. Und er gewann ihn im Frühjahr 1987. Die Wetten standen ungefähr 99:1, es war ein Home-Run, und er brauchte gar kein Glück.

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